Am Mittwoch stellte Alemannia Aachen einen Weltmeister als neuen Trainer vor, doch die Präsentation von Guido Buchwald wurde beim Bundesliga-Absteiger von der Suche nach einem geheimnisvollen Hacker überschattet. Dieser hatte sich am Montag in den Computer der Alemannia-Geschäftsstelle eingeloggt und die Pressemitteilung von der Einigung mit Buchwald vorzeitig und `fremdgesteuert´ verschickt.

Suche nach Hacker überschattet Buchwald-Vorstellung in Aachen

Staatsawaltschaft ermittelt

13. Juni 2007, 13:41 Uhr

Am Mittwoch stellte Alemannia Aachen einen Weltmeister als neuen Trainer vor, doch die Präsentation von Guido Buchwald wurde beim Bundesliga-Absteiger von der Suche nach einem geheimnisvollen Hacker überschattet. Dieser hatte sich am Montag in den Computer der Alemannia-Geschäftsstelle eingeloggt und die Pressemitteilung von der Einigung mit Buchwald vorzeitig und `fremdgesteuert´ verschickt.

Die Alemannia wurde damit zum wiederholten Male in den letzten Wochen durch die gesteuerte Verbreitung von Interna geschockt. Bereits Mitte vergangener Woche hatte der Verein Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, nachdem in drei Fällen vertrauliche e-mails und detaillierte Vertragsinhalte an die Öffentlichkeit gelangt waren. `So kann es nicht weitergehen. So geht der Verein völlig kaputt. Man traut sich ja nicht mal mehr, einen Computer anzumachen. Ich lasse meinen jetzt erstmal aus´, schimpfte Sportdirektor Jörg Schmadtke in der Bild-Zeitung.

`Wir ermitteln wegen des ´Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen´ sowie ´Ausspähens von Daten´´, bestätigte unterdessen Oberstaatsanwalt Robert Deller dem sid: `In beiden Fällen sieht das Gesetz eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor.´ Zum Stand der Ermittlungen wollte sich Deller nicht äußern. Auch Gerüchte, es gebe bereits einen konkreten Verdacht, wollte er nicht bestätigen. `Ich habe weder von einer heißen Spur gesprochen, noch von einem Trend. Und das könnte ich nach dem Stand der Ermittlungen auch gar nicht´, betont Deller:

`Ich kann nur sagen, dass ich derzeit nichts ausschließen kann. Ob wir den Täter finden werden, muss man abwarten.´ Alemannias GmbH-Geschäftsführer Frithjof Kraemer geht derweil davon aus, dass es sich nicht um eine interne Affäre handelt. `Aufgrund der derzeitigen Lage der Dinge ist nicht davon auszugehen, dass Mitarbeiter der Alemannia die Dinge weitergeleitet haben´, sagte Kraemer dem sid. Ansonsten wolle man sich in Absprache mit der Staatsanwaltschaft nicht zu Details äußern. Als interne Maßnahme hat der Verein jedoch beschlossen, seinen IT-Bereich völlig neu zu strukturieren. `Bei uns war bereits ein hoher Sicherheitsstandard vorhanden´, so Kraemer: `Aber wir werden unsere IT-Struktur völlig neu gestalten.´

So werde ein Fachmann eingestellt, der den Bereich hausintern überwache. In jedem Fall kommt der frühere Chaos-Verein wieder nicht zur Ruhe, nachdem er sich in den vergangenen Jahren auf eine solide Basis gestellt hatte. In den letzten zwei Monaten bestimmten jedoch die Ausmusterung von Nationalspieler Jan Schlaudraff, der Erstliga-Abstieg trotz komfortabler Ausgangssituation, der Rücktritt von Trainer Michael Frontzeck, öffentlich ausgetragene Kompetenz-Gerangel und nun die unfreiwillig veröffentlichten Interna die Schlagzeilen des Pokalfinalisten von 2004 und UEFA-Cup-Teilnehmers von 2005.

`Das ist ärgerlich, da wir sportlich viel erreicht haben, den Stadion-Neubau vorangetrieben und auch sonstige Restrukturierungs-Maßnahmen eingeleitet haben´, so Kraemer. Die gute Arbeit falle `in der öffentlichen Wahrnehmung leider etwas hinten herunter. Aber deshalb werden wir mit allen Mitteln versuchen, diese absolut unschönen Dinge zu regeln, damit das Sportliche wieder in den Vordergrund treten kann.´

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