Volker Finke ist die abschließende Krönung seines Lebenswerks beim SC Freiburg verwehrt geblieben. Der dienstälteste Coach im deutschen Profi-Fußball, der nach 16 Jahren seinen Posten bei den Breisgauern für Robin Dutt räumen muss, hat mit seinen Schützlingen die angestrebte Rückkehr in die Eliteklasse nach zwei Jahren Abwesenheit nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber dem MSV Duisburg knapp verpasst.

Finkes Lebenswerk bleibt Krönung verwehrt

Trainer verabschiedet sich nach 16 Jahren ohne den erhofften Erfolg

20. Mai 2007, 16:32 Uhr

Volker Finke ist die abschließende Krönung seines Lebenswerks beim SC Freiburg verwehrt geblieben. Der dienstälteste Coach im deutschen Profi-Fußball, der nach 16 Jahren seinen Posten bei den Breisgauern für Robin Dutt räumen muss, hat mit seinen Schützlingen die angestrebte Rückkehr in die Eliteklasse nach zwei Jahren Abwesenheit nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber dem MSV Duisburg knapp verpasst.

Der SC setzte sich zwar am letzten Spieltag der 2. Liga mit 2:0 (1:0) gegen die TuS Koblenz durch, wartete aber vergeblich auf einen Ausrutscher der Konkurrenten.

Mit einem Dankeschön, einer kurzen Bilanz und Appellen an die
Fans verabschiedete sich Finke nach dem Abpfiff von den Fans. "Wir hatten in dieser Saison mit vielen Dingen zu kämpfen, die nicht leicht zu bewältigen waren. Außerdem hatte der Druck von außen Auswirkungen wie nie", meinte der SC-Coach und ergänzte: "Fangt nicht an, eine Kopie von anderen Vereinen zu werden, dann habt ihr keine Chance. Das Motto sollte weiter heißen: Tut Gutes, haltet schön die Klappe und wartet auf gute Ergebnisse. Denn der Inhalt ist immer wichtiger als die Verpackung."[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/002/040-2065_preview.jpeg Ein kauziges Urgestein des Profifußballs und sein Strandkorb - das war einmal. Finke muss aufhören, der Korb wird versteigert. (Foto: firo)[/imgbox]

Nach dem im Dezember vom Vorstand beschlossenen Ende der fast endlos scheinenden Ehe zwischen dem ehemaligen UEFA-Cup-Teilnehmer und Finke, das angesichts der rasanten sportlichen Talfahrt nicht unerwartet kam, erlebten die Freiburger die wohl turbulenteste Saison ihrer Klubgeschichte. Einhergehend mit dem überraschenden sportlichen Erfolg, der den SC von einem Abstiegs- zu einem Aufstiegsaspiranten machte, ging im und um den Klub herum das Gerangel um Finke los.

Es bildete sich eine Gruppierung ("Wir sind Finke"), die den
früheren Oberstudienrat unbedingt an der Dreisam halten wollte bzw. immer noch will und sogar Unterschriften für eine außerordentliche Mitgliederversammlung, die in der nächsten Woche beantragt werden soll, zu diesem Thema sammelte.

Selbst einige Profis, darunter SC-Star Alexander Iaschwili,
machten sich für einen Verbleib von Finke stark und verbanden ihr eigenes Schicksal mit dem des Trainers, der seit dem 1. Juli 1991 bei den früheren "Breisgau-Brasilianern" an der Seitenlinie stand und seine Verträge stets per Handschlag verlängerte.

Sogar Literatur-Nobelpreisträger und Freiburg-Fan Günter Grass reihte sich in die Pro-Finke-Fraktion ein.

Doch die Risse zwischen Finke und dem Vorstand waren
spätestens nach der Verpflichtung von Dutt nicht mehr zu kitten.
Entgegen des ursprünglichen Versprechens von Seiten der Klubführung um Präsident Achim Stocker wurde der 59-Jährige nicht in die Suche seines Nachfolgers eingebunden. Von einer gütlichen Trennung konnte seit dem keine Rede mehr sein.

Die Bekenntnisse von Stocker bei der Verkündung des Abschieds
von Finke hatten keine Gültigkeit mehr. "Wir gehen nicht im Bösen auseinander. Finke hat hier Enormes geleistet. Wir sind mit ihm aufgestiegen. Er hat uns zehn Jahre Fußball in der Bundesliga beschert", hatte der Klubchef damals noch erklärt.

Den negativen Höhepunkt lieferte der SC vor knapp zwei Wochen, als Teile der Klubführung versuchten, Finke-Assistent Achim Sarstedt anstelle Dutts als neuen Coach zu installieren. Sarstedt lehnt die Offerte allerdings ab, weil er bei Zweitliga-Aufsteiger TSG Hoffenheim im Wort stand.

Angesichts der zurückliegenden Chaos-Tage konnte sich Finke
einen Seitenhieb auf die Verantwortlichen nicht verkneifen: "Es war nicht gerade eine leichte Saison beim SC Freiburg. Man darf nicht vergessen, dass im Dezember der Auftrag war, die Klasse zu halten. Alles andere war ja nur noch ein Bonus."

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