Galliani-Kandidatur sät Zwietracht in Italien

ar
11. Oktober 2004, 13:14 Uhr

Nicht alle italienischen Profiklubs wollen, dass Adriano Galliani weiterhin ihr Präsident bleibt. Es droht sowohl ein Nord-Süd-Konflikt wie auch eine Konfrontation zwischen Serie A und ihrer armen Stiefschwester Serie B.

Die angepeilte Kandidatur von Milan-Vizepräsident Adriano Galliani für eine zweite Amtszeit als Präsident der italienischen Profi-Fußballigen hat für eine landesweite Kontroverse gesorgt. Nachdem zehn kleinere Vereine unter der Leitung des Ehrenpräsidenten des AC Florenz, Diego Della Valle, in einem offenen Brief gegen Gallianis Pläne protestiert haben, stellt sich auch Inter-Chef Massimo Moratti auf die Seite der "Rebellen". "Galliani hat in diesen Jahren als Liga-Präsident gut gearbeitet, doch der Fußball ist auch eine wirtschaftliche und soziale Angelegenheit. Ein Wechsel an der Spitze der Liga könnte gesund sein", meinte Moratti.

Gallianis doppelte Rolle als Liga-Chef und Vizepräsident von Milan habe sich bisher negativ auf den italienischen Fußball ausgewirkt, meinen die elf Rebellenklubs in einem Schreiben. Galliani wurde beschuldigt, die großen norditalienischen Traditionsklubs auf Kosten der kleineren Klubs zu begünstigen.

Konflikt zwischen Serie A und Serie B

Konflikte sind vor allem wegen der Finanzierungsfragen aufgetreten, da die Klubs der Serie A die Vereine der 2. Liga unterstützen müssen. Die Erstligisten sind verpflichtet, der Serie B jährlich 103 Millionen Euro zu garantieren.

Die Verträge mit dem Pay-TV-Sender Sky Italia begünstigen die großen Klubs, bemängelten die Kleinen. Die Kluft zwischen den reichen Traditionsklubs und den ärmeren Serie-B-Vereinen verschärft sich immer mehr. Die Wahl des neuen Ligachefs ist am 18. Oktober geplant. An der Wahl beteiligen sich 42 Präsidenten der Serie A- und B-Klubs. An Gallianis Seite stellten sich einige große Vereine wie Juventus Turin, AC Mailand und der AS Rom.

"Wenn ihm der italienische Fußball wirklich am Herzen liegt, sollte Galliani auf seine Kandidatur verzichten. Ich schlage ihm vor, sich mit den anderen Klubpräsidenten an einen Tisch zu setzen und eine Person zu wählen, die sich wirklich um die Interessen aller Vereine, der kleinen wie der großen, kümmern kann", hieß es in einem Schreiben Della Valles, das von zehn Chefs von Serie-A-Klubs, darunter Inter Mailand, Chievo Verona und FC Bologna, unterschrieben wurde.

Autor: ar

Kommentieren