Ausgerechnet im Jubiläumsjahr gastiert die Formel 1 erstmals seit 22 Jahren nicht auf dem Hockenheimring. Das soll aber nicht die Feiern anlässlich des 75. Geburtstag beeinträchtigen.

Hockenheim feiert 75-jähriges Jubiläum

Trotz Jubiläum: Formel 1 gastiert nicht am Hockenheimring

25. April 2007, 15:08 Uhr

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr gastiert die Formel 1 erstmals seit 22 Jahren nicht auf dem Hockenheimring. Das soll aber nicht die Feiern anlässlich des 75. Geburtstag beeinträchtigen. "Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn die Formel 1 auch im Jubiläumsjahr am Hockenheimring Station gemacht hätte. Aber die vertragliche Situation der alternierenden Austragung des GP hat für 2007 den Nürburgring vorgesehen", sagt Georg Seiler, Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH, der sich aber bereits auf die Rückkehr der Königsklasse 2008 freut.

Am Freitag beginnen mit einem großen Festbankett mit viel Prominenz aus der Königsklasse wie den Sportchefs Norbert Haug (Mercedes) und Mario Theissen (BMW), Spyker-Pilot Adrian Sutil, BMW-Testfahrer Sebastian Vettel oder ehemaligen Formel-1-Fahrern wie Hans Hermann die offiziellen Feierlichkeiten auf Deutschlands bekanntester Rennstrecke neben dem Nürburgring.

Der wachsende finanzielle Druck durch die sinkenden Zuschauerzahlen bei stetig steigenden Antrittsgeldern für die Formel 1 hatte den Hockenheimring und den Nürburgring dazu veranlasst, sich ab diesem Jahr - dem ersten nach dem Rücktritt des siebenmaligen Weltmeisters und Zuschauer-Magneten Michael Schumacher - den Grand Prix zu teilen und nicht wie in den letzten zehn Jahren zwei WM-Läufe in Deutschland auszutragen.

Auf beiden Rennstrecken ist die Lage ähnlich: bei allen anderen Veranstaltungen neben der Formel 1, die ein dickes Loch in die Kasse reißt, werden schwarze Zahlen geschrieben. Dennoch ist der Verbleib der Königsklasse, wenn auch nur noch in jedem zweiten Jahr, ein wichtiger Prestige-Faktor und sorgt zudem für höhere Einnahmen bei anderen Geschäftstätigkeiten.

Dass der Hockenheimring in den letzten Jahren finanziell unter Druck geraten ist, ist nicht zuletzt eine Folge des rund 65 Millionen Euro teuren Umbaus der Strecke in den heutigen 4,5km langen GP-Kurs im Jahr 2002, der für den Verbleib der Formel 1 zwingend notwendig war. Seitdem ist der Hockenheimring aber auch eine der modernsten und sichersten Rennstrecken der Welt.

Begonnen hatte die Geschichte der Strecke im Jahr 1932. Finanziert aus Mitteln des Arbeitsbeschaffungsprogramms entstand in gerade einmal zweimonatiger Bauzeit der erste Kurs in Form eines Dreiecks. Am 29. Mai 1932 fand dort das erste Motorradrennen statt. Schon sechs Jahre später wurde die Strecke umgebaut. Durch den Einbau der Ostkurve erhielt die Strecke ihre lange Zeit charakteristische ovale Form und wurde in Verbindung mit der Streckenverbreiterung zu einem Hochgeschwindigkeitskurs.

Im Zweiten Weltkrieg war die Strecke schwer beschädigt worden, doch bereits 1947 wurde sie nach der Renovierung als Hockenheimring wieder eröffnet. 1957 fand erstmals der Große Preis von Deutschland für Motorräder dort statt.

Einen großen Teil seiner Faszination zieht der Hockenheimring aus seinem Motodrom, einem stadionartigen Streckenabschnitt, der 1966 offiziell eingeweiht wurde. Die einzigartige Kombination aus den langen einsamen Waldgeraden und dem engen, von Zuschauern gesäumten Motodrom zog viele Rennfahrer wie den legendären dreimaligen Formel-1-Weltmeister Ayrton Senna in ihren Bann.

Am 2. August 1970 fand vor 100.000 Zuschauern erstmals der Große Preis von Deutschland der Formel 1 in Hockenheim statt. Zunächst nur als einmaliges Gastspiel, ab 1977 dann regelmäßig, als die Königsklasse nach dem Feuerunfall von Niki Lauda der Nürburgring-Nordschleife den Rücken kehrte. Seitdem fand bis einschließlich 2006 mit nur einer Ausnahme (1985) der Deutschland-GP immer im Badischen statt. Besonders die Heimspiele von Michael Schumacher, der 1995 sowie nach dem dritten Umbau 2002, 2004 und 2006 insgesamt viermal in Hockenheim triumphierte, lockten die Fans in Scharen an. 2001 holte auch Ralf Schumacher dort einen Heimsieg.

Formel-1-Flair gibt es aber auch im Jubiläums-Jahr auf dem Hockenheimring. Das Jim-Clark-Revival bildet am Wochenende unter anderem mit historischen Formel-1-Boliden den Auftakt der Feierlichkeiten. Am eigentlichen Geburtstagswochenende Ende Mai finden Demonstrationsfahren mit Formel-1-Rennen statt, im September schließlich gastieren auch noch die Ferrari Days in Hockenheim. Ansonsten bildet die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft mit ihrem Auftakt am vorigen Wochenende sowie dem Finale im Oktober die Höhepunkte des Jahres.

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