Trotz einer in der Bundesliga selten gesehenen `Box-Einlage´ herrschte bei Borussia Dortmund nach dem höchsten Auswärtssieg seit viereinhalb Jahren und dem zumindest vorläufigen Abschied von den Abstiegsplätzen einträchtige Harmonie. Sofort nach dem Abpfiff, der das 4:1 (1:0) bei Alemannia Aachen, den ersten Auswärtssieg nach sechs Niederlagen und den ersten Erfolg im dritten Spiel unter Trainer Thomas Doll besiegelte, lief Kapitän Christian Wörns auf Roman Weidenfeller zu und schloss den Keeper in den Arm.

Trotz `Box-Einlage´: Harmonie und Erleichterung beim BVB

Schläge gegen Weidenfeller `normale Reaktion´

07. April 2007, 19:30 Uhr

Trotz einer in der Bundesliga selten gesehenen `Box-Einlage´ herrschte bei Borussia Dortmund nach dem höchsten Auswärtssieg seit viereinhalb Jahren und dem zumindest vorläufigen Abschied von den Abstiegsplätzen einträchtige Harmonie. Sofort nach dem Abpfiff, der das 4:1 (1:0) bei Alemannia Aachen, den ersten Auswärtssieg nach sechs Niederlagen und den ersten Erfolg im dritten Spiel unter Trainer Thomas Doll besiegelte, lief Kapitän Christian Wörns auf Roman Weidenfeller zu und schloss den Keeper in den Arm.

In der 78. Minute hatte Wörns zweimal seinem aus dem Tor gestürmten Schlussmann gegen den Kopf geschlagen. Eine unglaubliche Szene, die nach der `besten Saisonleistung´ (Präsident Reinhard Rauball) aber alle Beteiligte runterspielten. `Der Roman ist emotional, und ich bin eben auch manchmal aufbrausend. Aber wenn man auswärts 4:1 gewinnt, liegt man sich in den Armen´, meinte Wörns. Auch Weidenfeller beschwichtigte:
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/001/249-1266_preview.jpeg Foto: firo.[/imgbox]
`Da bleibt nichts hängen. Es war auch keine Tätlichkeit, schließlich bin ich nicht umgefallen. Emotionen gehören eben zum Fußball.´ Trainer Thomas Doll versicherte, er hätte `nichts gesehen´, und mahnte gar: `Wir müssen aufpassen, denn es wird versucht, einiges in die Mannschaft reinzutragen. Das war eine normale Reaktion, die man nicht überbewerten sollte.´ Doll war nach seinem ersten Sieg nach teamübergreifenden 13 Spielen mit dem Hamburger SV und dem BVB die Laune durch nichts zu verderben. `Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich zuletzt in der Bundesliga gewonnen habe. Das tut gut, und ich genieße den Moment, aber ich weiß das auch richtig einzuordnen´, meinte der Coach, der rechtzeitig zum Oster-Wochenende und seinem 41. Geburtstag am Montag die Pechsträhne beendet und nach nur 25 Tagen im Amt alle Dortmunder überzeugt hatte.

`Irgendwann musste die Arbeit von Doll ja Früchte tragen´, meinte Weidenfeller, und auch Rauball machte `der Mannschaft, vor allem aber dem Trainer ein großes Kompliment. Alle seine Maßnahmen haben angeschlagen´. Eine Woche zuvor beim 0:1 bei Arminia Bielefeld hatte das BVB-Team wie ein hoffnungsloser Fall gewirkt, die beeindruckende Vorstellung auf dem Aachener Tivoli mit Toren von Wörns (14.), zweimal Alexander Frei (54. und 58.) und Tinga (61. ) ließ aber wieder berechtigte Hoffnung aufkeimen, dem Horror-Szenario des zweiten Abstiegs nach 1972 doch noch entkommen zu können. `Uns stand das Wasser nicht bis zum Hals, sondern bis zum Scheitel. Aber wenn wir das weiter umsetzen, kommen wir da unten raus´, lobte der sichtlich erleichterte Sportdirektor Michael Zorc.

Die sieben Tage zuvor als `scheiße´ betitelte Mentalität beschrieb der Ex-Profi nun mit `erstklassig´. Und so verwies nicht nur Wörns auf den plötzlichen mentalen Vorteil: `Jetzt sind wir wieder über dem Strich, das ist gut für die Birne.´ Immer noch über dem Strich befindet sich auch die Alemannia, die aber bei nur noch drei Punkten Vorsprung und zwei bevorstehenden Auswärtsspielen bei 1. FC Nürnberg und bei Werder Bremen wieder kräftig zittern muss. `Wir wollten die Vorentscheidung, nun stecken wir wieder mitten im Dreck´, stellte Spielmacher Sascha Rösler ernüchtert fest. Trainer Michael Frontzeck wurde gar noch deutlicher: `Das war auf gut Deutsch ein absoluter Scheiß-Tag.´

Obwohl er zugab, dass die Szene `nicht Spiel entscheidend´ war, ließ der Coach auch seinem Ärger über das nicht geahndete Handspiel von Dede auf der Linie eine Viertelstunde nach Vedad Ibisevics Anschlusstor (63.) freiem Lauf. `In der Statistik der nicht gegebenen Elfmeter sind wir ganz sicher führend´, behauptete Frontzeck: `Wir sind zwar nur ein Aufsteiger, aber da muss man sich fragen, ob das noch mit rechten Dingen zugeht. Denn so langsam wird es albern.´

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