Bis Freitagabend schienen wenige den Ernst der Lage begriffen zu haben, doch nach dem Absturz auf einen Abstiegsplatz schrillen bei Borussia Dortmund alle Alarmglocken. `Das war eine schallende Ohrfeige und ein ganz bitterer Abend für uns. Jetzt ist es wirklich fünf nach zwölf´, analysierte Kapitän Christian Wörns nach dem 0:1 (0:0) im Westfalen-Derby bei Arminia Bielefeld. Der im Sommer scheidende Nationalspieler Christoph Metzelder gab zu, `dass ich Sorge um den Verein habe. Man muss Realist sein: Das war ein richtungsweisendes Spiel. Die Situation ist absolut prekär. Und ich glaube, dass es jetzt schwer wird für uns.´

BVB auf Abstiegsplatz: `Es ist fünf nach zwölf´

Der zweite Absturz droht / Zorc und Doll kritisieren die Einstellung

31. März 2007, 12:19 Uhr

Bis Freitagabend schienen wenige den Ernst der Lage begriffen zu haben, doch nach dem Absturz auf einen Abstiegsplatz schrillen bei Borussia Dortmund alle Alarmglocken. `Das war eine schallende Ohrfeige und ein ganz bitterer Abend für uns. Jetzt ist es wirklich fünf nach zwölf´, analysierte Kapitän Christian Wörns nach dem 0:1 (0:0) im Westfalen-Derby bei Arminia Bielefeld. Der im Sommer scheidende Nationalspieler Christoph Metzelder gab zu, `dass ich Sorge um den Verein habe. Man muss Realist sein: Das war ein richtungsweisendes Spiel. Die Situation ist absolut prekär. Und ich glaube, dass es jetzt schwer wird für uns.´

Trainer Thomas Doll wirkte nach seinem zweiten Spiel als BVB-Trainer angefressen wie allenfalls in den letzten Tagen beim Hamburger SV und ging mit seinen Spielern ungewöhnlich scharf ins Gericht. `Es hat mich geärgert, wie wir im Mittelfeld aufgetreten sind. Das war viel zu wenig, das war gar nix´, schimpfte der 40-Jährige: `Wir werden eine intensive und turbulente Woche haben. Und eins ist klar: So wie heute werden wir nie mehr auftreten.´

Neben der aktuellen Tabellensituation und dem schweren Restprogramm macht vor allem das emotionslose Auftreten der BVB-Spieler in Ostwestfalen den ersten Abstieg des sechsmaligen deutschen Meisters seit 1972 zur realen Bedrohung. `Ich glaube, wer sich das nicht vorstellen kann, sind die Dortmunder. Das hat man heute gesehen´, stellte Bielefelds Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch ironisch fest. Den Vorwurf der mangelnden Einstellung mochte im Dortmunder Lager niemand entkräften. Im Gegenteil. `Ich weiß nicht, ob sie nicht bereit sind oder ob sie es nicht können. Das ist ernüchternd und enttäuschend´, konstatierte Sportdirektor Michael Zorc.

Und auch Doll teilte kräftig Seitenhiebe auf seine Schützlinge aus. `Wenn man die Laufbereitschaft nicht annimmt, verliert man eben´, stellte er fest und nannte einen Gegenspieler als Vorbild: `Wenn ich sehe, wie ein Jörg Böhme mit 34 Jahren 90 Minuten lang hoch- und runterkeult, muss uns das zu denken geben.´ Den Ernst der Lage sollte spätestens nach dem neuerlichen Schock von Bielefeld jeder erkannt haben. `Wer jetzt noch nicht wach ist im Kopf, für den wirds Zeit´, meinte Dede, und Doll forderte: `Wir müssen wissen, was die Stunde geschlagen hat.´

Die Frage ist jedoch, ob der Druck des drohenden Absturzes die Spieler des mit dem Ziel UEFA-Cup-Platz gestarteten Traditionsvereins lähmt. `Für die anderen Mannschaften da unten drin ist das Alltag. Für uns ist es eine neue Situation´, erklärte Metzelder. Und Doll warnte angesichts von nur noch sieben ausstehenden Spielen: `Wir haben nicht mehr viel Zeit. Wir müssen ganz schnell den Hebel umlegen und punkten.´ Bei den Bielefeldern regierte nach dem erst zweiten Sieg aus den letzten 15 Spielen und dem Sprung von den Abstiegsplätzen große Genugtuung. `Wer dieser Mannschaft den Willen abspricht, der hat keine Ahnung, das ist eine Beleidigung´, schimpfte der vom neuen Trainer Ernst Middendorp vor dem Spiel in Frage gestellte Keeper Mathias Hain: `Wenn ich sehe, was Rüdiger Kauf vor der Abwehr abgrast, das ist unglaublich. Den musst Du ja abknallen, bevor er aufhört.´

Angesichts dieser kämpferischen Einstellung sah Middendorp seine aufrüttelnden Maßnahmen nach dem Heimdebüt seiner dritten Amtszeit als gelungen an: `Jeder Einzelne hat genau die Antwort gegeben, die ich erwartet habe.´ Die Lorbeeren für den entscheidenden Schachzug gab er jedoch an seinen in vier Spielen als Cheftrainer glücklosen Assistenten Frank Geideck weiter. `Jonas Kamper zu bringen, war die Idee von Frank. Der hat ihm auch gesagt, dass er jede sich bietende Schuss-Möglichkeit nutzen soll.´ Wenige Sekunden nach der Einwechslung erzielte der Däne per Weitschuss den Siegtreffer (79.).

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