Man nennt sie „Reserve“, „Zweitvertretung“ oder „Unterbau“, „K1“ und oft einfach nur „die Zweite“. Nahezu jeder größere Verein stellt im Seniorenbereich mehrere Mannschaften auf, wenngleich die Anzahl der Teams insgesamt sinkt. Die Struktur dieser Mannschaften ist dabei höchst unterschiedlich. Junge „U23“-Truppen sind dabei, ehemalige Hobby-Runden oder Teams, gespickt mit lokalen Amateur-Legenden. Ein Blick nach Witten zum TuS Stockum zeigt einen Weg, wie das Zusammenspiel zwischen zwei Senioren-Mannschaften funktionieren kann.

Revier: Die bunte Welt der Reserve-Mannschaften

Das Los des Reserve-Trainers

Felix Guth
27. März 2007, 10:24 Uhr

Man nennt sie „Reserve“, „Zweitvertretung“ oder „Unterbau“, „K1“ und oft einfach nur „die Zweite“. Nahezu jeder größere Verein stellt im Seniorenbereich mehrere Mannschaften auf, wenngleich die Anzahl der Teams insgesamt sinkt. Die Struktur dieser Mannschaften ist dabei höchst unterschiedlich. Junge „U23“-Truppen sind dabei, ehemalige Hobby-Runden oder Teams, gespickt mit lokalen Amateur-Legenden. Ein Blick nach Witten zum TuS Stockum zeigt einen Weg, wie das Zusammenspiel zwischen zwei Senioren-Mannschaften funktionieren kann.

Und macht zugleich die Schwierigkeiten einer solchen Konstellation deutlich. Erst kürzlich kam der Frust bei Roland Bickhoff, Trainer der zweiten Mannschaft des TuS Stockum wieder hoch. Bei der Partie seiner A-Liga-Truppe gegen Tabellenführer TuS Querenburg wurden erst am Spieltag seine Pläne durchkreuzt: Tobias Marczinkowski und Lars Lischeid wurden kurzfristig „hochgezogen“.

Nach der knappen 0:1-Niederlage gegen Querenburg gab Bickhoff zu: „Man ist schon ein bisschen angefressen, wenn man weiß, welche Spieler man eigentlich zur Verfügung gehabt hätte.“ Mit Christoph Altgeld, Matthias und Martin Ludwig standen an diesem Spieltag gleich fünf Spieler im Kader der Bezirksliga-Mannschaft, die noch zu Saisonbeginn für die Reserve vorgesehen waren. „Das ist eben das Los, wenn man eine zweite Mannschaft trainiert: Man freut sich, wenn man gute Spieler ausbildet, aber niemand gibt sie gerne ab“, sagt Roland Bickhoff.
Dennoch: Unter dem Strich überwiegt bei ihm und seinem gleichberechtigten Assistenten Olaf Kania die Zufriedenheit mit dem „Modell Stockum.“ Er kürzlich verlängerte das Duo seine Verträge um ein Jahr. „Wir sehen, dass es eine Entwicklung gibt“, sagt Kania. Die Stockumer Zweitvertretung spielt im zweiten Jahr in der Kreisliga A und hat sich im Kreis Bochum als gute Adresse etabliert. Der Austausch mit der Bezirksliga-Mannschaft um Spielertrainer Thomas Drathen läuft einigermaßen harmonisch. „Diskussionen gibt es immer. Aber letztlich ist es hier eine gute Konstellation“, sagt Roland Bickhoff.

Ob das Traineramt bei einer Reserve eine sportliche Erfüllung ist? Olaf Kania, ebenso wie Bickhoff neu im Trainergeschäft, bejaht diese Frage. „Es ist immerhin Kreisliga A. Da wollen andere gerne hin“, sagt er. Es gibt jedoch auch schwierigere Beispiele als das in Stockum. Vielen Vereinen wird die zweite Mannschaft schnell zum Klotz am Bein. Belege dafür gibt es nahezu in jeder Saison, in diesem Jahr befinden sich unter anderem Zweitvertretungen der Bochumer Verbandsligisten DJK TuS Hordel und Vorwärts Kornharpen im Sturzflug.

Zunehmend lässt sich gleichzeitig an vielen Orten im Revier mehr konzeptionelles Denken feststellen. Das Prinzip einer „U23“ - wie im Profifußball seit Jahren mehr oder weniger praktiziert – findet auch im Amateur-Bereich immer mehr Nachahmer. Verbandsligist TSG Sprockhövel kann hier sinnbildlich genannt werden. Stockums Liga-Konkurrent TuRa Rüdinghausen, mit der ersten Mannschaft ebenfalls in der Landesliga vertreten, schwenkt gerade auf den Nachwuchs-Kurs um. „Für die nächste Saison setzen wir vermehrt auf junge Spieler“, sagt Trainer Roland Wupper, der zurzeit eher mit „Ü 30“- denn mit „U 23“-Akteuren arbeitet.

Denn letztlich gilt: Je höher ein Verein spielt, desto wichtiger wird die Reserve. Den Optimalfall - nur eine Klasse Unterschied oder gar beide Teams in einer Liga - erreichen nur wenige Klubs. Dass sich bei dem Bemühen, die Distanz zwischen beiden Teams zu verringern, die Verhältnisse kurzzeitig schon mal verschieben können, zeigt ein weiteres Wittener Beispiel. Bezirksligist FSV Witten versucht derzeit, die B-Liga-Reserve mit aller Macht nach oben zu bringen. Sehr zum Leidwesen der ersten Mannschaft, die derzeit nur mit wenigen Spielern trainieren kann und sich an der Grenze zur Konkurrenzfähigkeit befindet.

Die Masse der „Zweiten“ ist ein buntes Fußball-Völkchen. Und dann gibt es ja auch noch die dritten, vierten, teilweise fünften Mannschaften – aber die schreiben noch eine ganz eigene Geschichte.

Autor: Felix Guth

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