Mittwoch Vormittag, kurz nach zehn Uhr in der vierten Etage des Stadioncenters. Von seinem Bürofenster aus kann Vorstandsmitglied Ansgar Schwenken das Treiben der Profis auf dem Trainingsplatz beobachten. Erst scheint die Sonne, plötzlich setzt Schneeregen ein. Und die unterschiedlichen Witterungsbedingungen passen zur Situation des Klubs, bei dem sich die Gefühlslage von Spieltag zu Spieltag ändert.

BOCHUM: Ansgar Schwenken würde liebend gerne mehr Punktprämien bezahlen

"Ernstfall-Plan in Schublade"

RS
23. März 2007, 12:01 Uhr

Mittwoch Vormittag, kurz nach zehn Uhr in der vierten Etage des Stadioncenters. Von seinem Bürofenster aus kann Vorstandsmitglied Ansgar Schwenken das Treiben der Profis auf dem Trainingsplatz beobachten. Erst scheint die Sonne, plötzlich setzt Schneeregen ein. Und die unterschiedlichen Witterungsbedingungen passen zur Situation des Klubs, bei dem sich die Gefühlslage von Spieltag zu Spieltag ändert.

So folgte dem Hochgefühl nach dem Derbysieg schon in Wolfsburg die bittere Ernüchterung. Ansgar Schwenken, beim VfL für die Finanzen zuständig, kennt diesen Zustand aus den vergangenen Jahren und behält die Ruhe. In einem Interview mit RevierSport beschreibt er die derzeitige Situation des Vereins, spricht über Lizensierung, Verträge und die Chancen des VfL Bochum in naher Zukunft.
Herr Schwenken, acht Spieltage vor Schluss steht der VfL auf einem Abstiegsplatz. Können Sie noch ruhig schlafen?

Ja. Weil auch in Wolfsburg die positiven Dinge überwogen. Zwar ist unser Aufwand nicht belohnt worden, aber wenn die Mannschaft so auftritt wie zuletzt, können wir den Klassenerhalt erreichen.
Und wenn es doch schief geht?

Davon will ich nicht reden. Aber wir haben in den letzten Jahren bewiesen, dass wir auch immer wieder einen geeigneten Plan für den Ernstfall in der Schublade hatten.
Bis zum 15. März mussten die Lizenzunterlagen eingereicht werden. Bekommt der VfL Probleme bei der Lizensierung?
Nein. Ich gehe davon aus, dass es wie in den letzten Jahren reibungslos verläuft.
Wie sehen die Eckdaten für die erste bzw. die zweite Liga aus?

In der Bundesliga kalkulieren wir mit einem Etat von 32 Millionen Euro, wovon 14 Millionen auf die Lizenzabteilung fallen. Zugrunde liegt ein Zuschauerschnitt von 23.000 Besuchern. In der zweiten Liga würden wir mit 19 Millionen planen, neun Millionen für die Lizenzabteilung, basierend auf 15.000 zahlende Fans pro Spiel.
Wie sieht es bei den Sponsoren aus?
Beim Klassenerhalt bleibt alles wie gehabt. Bei einem Abstieg würde der Vertrag mit dem Hauptsponsor nicht automatisch verlängert. Da müssten wir sicherlich Gespräche führen. Alle anderen Partner würden dabei bleiben, wenn auch mit unterschiedlichen Aufwendungen.

Wie stellt sich die wirtschaftliche Situation des Klubs in der laufenden Saison dar?

Auf der Einnahmenseite läuft alles planmäßig, bei Zuschauer- und TV-Einnahmen liegen wir im Soll.
Hapert es denn irgendwo?
Bei den Zahlungen von Punktprämien an die Mannschaft haben wir noch Defizite. Die Mannschaft ist also aufgefordert, fleißig zu punkten, denn wir würden diesen Etat gerne komplett auschöpfen.
Egal ob Liga eins oder zwei, der Kader wird sich stark verändern.

Fakt ist, dass 15 Spieler Verträge sowohl für die erste als auch die zweite Liga besitzen. Bei Fanis Gekas ist die Situation klar. Kaufrecht haben wir nur bei Klassenerhalt. Bei Yahia haben wir eine Kaufoption für beide Spielklassen. Definitiv aus laufen die Verträge von Bade, Skov-Jensen, Bönig, Butscher, Drobny, Junior, Imhof, Pallas, Trojan, Wosz und Misimovic, der der einzige bisher ist, der den Klub definitiv verlassen und zum 1.FC Nürnberg wechseln wird.
So viele Fragezeichen. Wird man da nicht nervös?

Das sollten wir tunlichst vermeiden, denn schließlich gilt unser ganzes Augenmerk dem Klassenerhalt.
Wie sieht denn der Rettungsplan aus?

Ich denke, dass wir uns in den Heimspielen wieder stabilisiert haben. Die Niederlage gegen Nürnberg war überflüssig, gegen Aachen fehlte uns nur ein wenig Glück, gegen Dortmund haben wir gewonnen. Die Formkurve zeigt deutlich nach oben.

Aber während in den anderen Städten die Stadien aus den Nähten platzen, hält sich der Bundesliga-Boom in Bochum in Grenzen.

Zunächst haben wir nur ein Stammpublikum von 12 - 15.000 Zuschauern. Hinzu kommt, dass die Leistungen besonders in den Heimspielen doch sehr schwankend waren. Aber ich hoffe für den Endspurt, dass den leidgeprüften Fans nicht verborgen geblieben ist, dass die Mannschaft alles versucht, um die Klasse zu erhalten. Deshalb bin ich auch sicher, dass wir in den letzten Spielen die nötige Unterstützung auch von außen bekommen.
Rechtzeitig zum Endspurt wirbt der VfL mit dem Slogan "Wir sind Bochum. Wir sind VfL".
Damit wollen wir eine noch engere Verbindung zur Stadt und zu den Bewohnern herstellen. Erste Ansätze, dass dies angenommen wird, gibt es schon. Die ganze Stadt müsste doch daran interessiert sein, dass der VfL die Klasse erhält.

In der jetzigen Situation fällt es schwer, sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Aber schließlich hört mit dem letzten Spieltag im Mai nicht der Fußball auf. Wird das Herz des VfL weiter schlagen?

Wir müssen uns täglich neu überprüfen und schauen, was wir verbessern können. So wird es im Jugend- und Nachwuchsbereich gravierende Änderungen geben, um den Übergang von jungen Talenten zum Profikader zu erleichtern. Durch die Einstellung eines hauptamtlichen A-Juniorentrainers soll auch die Ausbildung im Trainerstab erweitert werden. Aber auch bei der Sichtung werden wir neue Wege gehen. Das ist für einen Klub wie den VfL zwingend notwendig. Ein Dennis Grote allein zu den Profis zu bringen, ist auf Dauer einfach zu wenig.

Wie laufen die Hochrechnungen für den Klassenerhalt?

Bei den kuriosen Resultaten der letzten Wochen müssen vier Siege her. Und unsere Mannschaft hat gezeigt, dass sie dazu in der Lage ist.
Und was passiert im Fall der Fälle?

Dann werden wir erneut versuchen, direkt wieder aufzusteigen. Wir haben in den letzten Jahren bewiesen, wie stark der VfL auch nach bitteren Stunden sein kann.

Autor: RS

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