Unfassbar, aber wahr: Die finanzielle Situation des MSV Duisburg ist schlimmer als jemals gedacht. Der Traditionsverein steht kurz vor dem Bankrott.

Drei Millionen fehlen

Dem MSV droht im Winter die Insolvenz

15. November 2012, 13:00 Uhr

Der plötzliche Rücktritt des Vereins-Chefs Andreas Rüttgers hat hohe Wellen geschlagen. „Wir waren davon alle überrascht“, berichtet Geschäftsführer Roland Kentsch. „Aber wir respektieren seine Entscheidung.“

Die hat Rüttgers am Dienstag bei der Sitzung getroffen. „Ich gehe mit der Richtung, in die der Verein geht, nicht konform, deshalb habe ich meinen Job zur Verfügung gestellt“, erklärt der Touristik-Chef des Hauptsponsors SchauinslandReisen.

Für den "Diplomaten" ein Schlag ins Gesicht

Gemeint ist die erforderliche Satzungsänderung, nach der der Verein sein Mitspracherecht an die KGaA verlieren würde. Für Rüttgers ein Schlag ins Gesicht. Er hatte sich für eine Gewaltenteilung stark gemacht und unter dem Pseudonym „Diplomat“ in Internetforen immer den direkten Draht zu den Fans gesucht. Dass seine Auskunftsfreudigkeit bei den Investoren nicht auf Gegenliebe stößt, ist verständlich. „Ich habe aber viele positive Rückmeldungen bekommen und bin dankbar, dass es Menschen gibt, die mich verstanden haben“, ist sich Rüttgers keiner Schuld bewusst, etwas falsch gemacht zu haben.

Wie es auch sei, die Zebras stehen mit oder ohne Rüttgers mit einem Bein im Grab. Die Satzungsänderung ist derzeit die einzige Leiter aus der Grube. Nur wenn die Investoren, die sich nicht nur aus den Stadionprojekt-Gesellschaftern zusammensetzen, einsteigen, kann Kentsch die nächsten Schritte in Angriff nehmen. Die sehen neben der geplanten Anleihe auch die Unterstützung von Darlehensgebern oder das Aussetzen von Tilgungen vor.

Brömmekamp hilft, springt aber nicht ein

Dann wären die Stadionprojektgesellschafter erneut gefordert, denn die größte Belastung des MSV ist die Stadionmiete in Höhe von 4,2 Millionen Euro. Außerdem lastet auf dem 45 Millionen Euro teuren Bau noch eine Schuld von 18 Millionen Euro. Zusammen mit den drastischen Einbrüchen im Ticketing, Sponsoring und bei den TV-Einnahmen steht der MSV vor einem astronomischen Schuldenberg.

Kentsch ist im Falle der Zustimmung zur Änderung zuversichtlich, die Insolvenz abwenden zu können. Auf eine langfristige Unterstützung des Wirtschaftsexperten Utz Brömmekamp muss er aber verzichten, weil der Sanierer der GEBAG sich nicht noch einen Job ans Bein binden kann. „Ich stehe dem MSV aber gerne beratend zur Seite“, signalisiert auch Brömmekamp die Bereitschaft zur Hilfe.

Für den MSV bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass die signalisierte Hilfe auch angenommen wird und nicht vielleicht schon aufgrund des Zögerns in der Vergangenheit zu spät kommt.

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