Regelrecht geschockt zeigte sich Englands Verteidiger Rio Ferdinand nach dem erfolglosen Einspruch gegen seine achtmonatige Sperre.

Alle Hoffnungen von Rio Ferdinand zerstört

er
19. März 2004, 18:40 Uhr

Regelrecht geschockt zeigte sich Englands Verteidiger Rio Ferdinand nach dem erfolglosen Einspruch gegen seine achtmonatige Sperre. "Das ist absolut verheerend", sagte der 25-Jährige nach dem endgültigen EM-Aus.

Bis zuletzt hatte Englands Nationalverteidiger Rio Ferdinand daran geglaubt, noch auf den Zug zur Europameisterschaft in Portugal aufspringen zu können. Doch nach vier Stunden Anhörung war der Traum für den "ManU"-Verteidiger endgültig geplatzt, und der Schock saß tief. "Das ist absolut verheerend. Dieser Urteilsspruch hat alle meine Hoffnungen zerstört", sagte der 25 Jahre alte Abwehrspieler von Manchester United sichtlich geknickt, nachdem ein dreiköpfiges Verbandsgremium am Donnerstagabend den Einspruch gegen seine achtmonatige Sperre abgelehnt hatte.

Schwerer Schlag - auch für Eriksson

Auch für Englands Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson war der Spruch der unabhängigen Kammer drei Monate vor Beginn der EM-Endrunde (12. Juni bis 4. Juli) ein harter Schlag. Noch kurz zuvor hatte der Schwede erklärt, dass er "sehr glücklich" sein würde, wenn die Sperre gegen seinen stärksten Verteidiger reduziert werden würde. Doch der teuerste Defensivspieler der Welt, für den "ManU" vor knapp zwei Jahren 46,8 Millionen Euro an Leeds United gezahlt hatte, bleibt bis zum 20. September wegen einer versäumten Dopingkontrolle gesperrt.

Entsprechend schwer fiel es Ferdinand, den Blick nach vorne zu richten - doch an Aufgabe dachte der "ManU"-Star auch in der bittersten Stunde seiner Karriere nicht: "Ich werde erst wieder glücklich sein, wenn ich wieder spielen kann. Ich bin Fußballer und dafür lebe ich auch." Auch Pini Zahavi, Berater des Nationalspielers, ist überzeugt, "dass er nach seiner Sperre stärker zurückkommen wird, als er jemals war. Er will beweisen, dass er der beste Abwehrspieler der Welt ist".

Allerdings konnte auch Zahavi die Bestätigung des Urteils vom Januar nicht nachvollziehen. "Das macht überhaupt keinen Sinn. Der Verband hat sich ein Eigentor geschossen und sich bei der EM um den besten Verteidiger gebracht", erklärte er und fügte an: "Der Verband wollte an Rio ein Exempel statuieren."

Da war es auch ein schwacher Trost für Ferdinand, dass das unabhängige Gremium der FA-Einspruchskammer um Richter Ian Mill die Sperre nicht auf zwölf Monate aufgestockt hatte. Dies hatte der Englische Fußball-Verband (FA) in Anlehnung an die Statuten des Weltverbandes (FIFA) gefordert. Zudem stellte das Gremium ausdrücklich fest, dass kein Doping-Vergehen vorliegen würde.

Fall für die FIFA abgeschlossen

Als letzte Instanz bliebe Ferdinand nun noch der Gang vor das Oberste Sportschiedsgericht (CAS) in Lausanne. Ein FIFA-Sprecher erklärte indes bereits, dass der Weltverband "glücklich ist, dass der Fall nun beendet ist". Die FIFA erwartet vom Englischen Verband allerdings Einsicht in die Unterlagen.

Ferdinand, WM-Teilnehmer 2002, hatte am 23. September 2003 eine angemeldete Dopingkontrolle versäumt, aber 36 Stunden später mit einem negativen Ergebnis nachgeholt. Er habe den Termin vergessen, entschuldigte sich Ferdinand. Am 20. Januar 2004 wurde er vom Verband für acht Monate gesperrt und zu einer Geldstrafe von umgerechnet 72.000 Euro verdonnert.

Autor: er

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