Gehring-Syndrom soll Doping-Folge sein

db
19. März 2004, 13:45 Uhr

Die Häufung von Spielern in Italien, die am "Gehring-Syndrom" erkrankt sind, ruft die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Anti-Doping-Anwalt Raffaele Guariniello glaubt an eine Spätfolge von systematischem Doping.

Neben den Finanzproblemen schliddert Italiens Fußball nun offenbar auch geradewegs in Richtung Dopingsumpf. Die Turiner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen fünf italienische Klubs eingeleitet, nachdem mehrere ihrer aktuellen und ehemaligen Profis in den vergangenen Jahren an dem sogenannten "Gehrig-Syndrom" erkrankt oder gestorben sind. Zu den Vereinen zählen nach Angaben der römischen Tageszeitung La Repubblica der Erstligist Sampdoria Genua, die Serie-B-Klubs AC Turin, FC Genua und AC Florenz sowie der Drittligist Pisa.

Signifikante Häufung von Erkrankungen

Seit Monaten versucht der Anti-Doping-Staatsanwalt Raffaele Guariniello zu beweisen, dass es sich bei den Todesfällen um Spätfolgen von systematischem Doping handelt. "Guariniellos Experten stellten bisher 34 Erkrankungen unter Fußball-Spielern fest, 15 ehemalige Profis sind bereits gestorben. Die Zahl der Fälle ist besonders häufig unter Spielern, die in den fünf verdächtigen Klubs gespielt haben. Bisher wurden noch keine Ermittlungen gegen Ärzte oder Klubmanager eingeleitet", berichtete La Repubblica.

Die Amyotrophische Lateralsklerose (ALS) bzw. Lou-Gehrig-Krankheit ist eine Erkrankung des Nervensystems, die zu Muskelschwund, Lähmungen und nachlassendem Sprechvermögen führt. Prominentes Opfer der ALS ist der weltweit bekannte Physiker Stephen Hawking. Der ehemalige Wolfsburger Bundesliga-Profi Krzysztof Nowak leidet ebenfalls an dieser Krankheit und musste seine Karriere vorzeitig beenden.

45 Opfer von ALS

Die Häufung der äußerst seltenen Krankheit unter italienischen Fußballprofis erhärtete den Doping-Verdacht von Guariniello, der in den vergangenen Jahren auch gegen den am 14. Februar an Herzversagen gestorbenen Radstar Marco Pantani ermittelt hatte. Er ließ im Forschungsinstitut des Gesundheitsministeriums die Biographien von 24.000 Profis sichten, die zwischen 1960 und 1997 in Italien gespielt haben. Die Statistik brachte 420 abnormale Todesfälle hervor, darunter 45 Opfer von ALS.

Autor: db

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