Westfalia Herne befindet sich in einem Schockzustand. Der Club hat nicht, wie lauthals angekündigt, die Lizenz für die Regionalliga beantragt. Die Verantwortlichen ließen die Frist beim DFB (28. Februar) verstreichen, stellten lediglich einen Antrag auf Fristverlängerung, doch dieser wurde abgelehnt. Für die Mannschaft und Coach Frank Schulz ein Schlag ins Gesicht. RS sprach mit dem niedergeschlagenen Coach über die ungewisse Zukunft.

WESTF. HERNE: Schulz bemängelt fehlende Ehrlichkeit

"Habe meine Aufgabe erfüllt"

04. März 2007, 22:12 Uhr

Westfalia Herne befindet sich in einem Schockzustand. Der Club hat nicht, wie lauthals angekündigt, die Lizenz für die Regionalliga beantragt. Die Verantwortlichen ließen die Frist beim DFB (28. Februar) verstreichen, stellten lediglich einen Antrag auf Fristverlängerung, doch dieser wurde abgelehnt. Für die Mannschaft und Coach Frank Schulz ein Schlag ins Gesicht. RS sprach mit dem niedergeschlagenen Coach über die ungewisse Zukunft.

Hallo Herr Schulz, wie haben Sie die Nachricht aufgenommen?

Ganz schlecht. Ich bin tief enttäuscht und sauer. Ich bin ein Trainer, der sich Ziele setzt und diese dann unbedingt erfüllen will. Das ist mir gelungen, obwohl ich mit sehr bescheidenen finanziellen Mitteln gearbeitet habe. Wir haben alles erreicht und stehen nun im Regen. Was sollen wir noch mehr leisten, als erst den Aufstieg, dann den Klassenerhalt, den Einzug in den DFB-Pokal und jetzt kurz vor der Regionalliga zu sein?

Hätte sich dieser Sprung denn überhaupt gelohnt?

Natürlich. Wir sind sportlich zwar noch nicht regionalligareif, aber es wird seit Jahren als Ziel herausgegeben. Jetzt stehen wir kurz davor und niemand reicht die Unterlagen ein. Obendrein wird es uns erst kurz vor der Veröffentlichung mitgeteilt.

Wie bitte?

Ja, ich habe es erst kurz vor Ablauf der First erfahren. Und genau das ist so deprimierend. Anstatt bei mir und der Truppe offen und ehrlich zu sein, läuft es so ab. Wenn es am Ende nicht geklappt hätte, okay. Aber wir müssen doch wenigstens vernünftig miteinander umgehen. In Herne ist richtig etwas entstanden. Die Leute haben daran geglaubt, das war auch der ausschlaggebende Punkt für den Sieg in Bochum. Meine Jungs haben sich Pillen reingehauen, sich spritzen lassen und alles nur für den Verein. Von dem Tag an, als die Verantwortlichen sagten, dass wir den Antrag stellen werden, ging noch einmal ein Ruck durch das Team. Und dann kommt so etwas. Erst ja zu sagen, dann wieder nein, das ist bedrückend.

Es wurde erst verkündet, dass die Kosten für das Verfahren über einen Werbepartner finanziert würden. Nun heißt es, die Angelegenheit wäre zu teuer. Was stimmt denn?

Wir sind alle froh, dass die Haranni-Clinic dabei ist. Aber man muss auch sehen, dass die nicht der Geldgeber ist, wie sie vor einigen Monaten dargestellt wurde. Jeder glaubt, dass wir uns wahnsinnige Sachen leisten können. Aber dem ist nicht so. Die sind zwar im Boot, aber es gibt kein Geld. Die genannten Größenordnungen stimmen bei weitem nicht. Ich habe seit Jahren das gleiche Budget zur Verfügung. Hier passiert auf diesem Gebiet kaum etwas. Wenn es der Verein bei den jüngsten Erfolgen nicht geschafft hat, dann wird es in der nächsten Spielzeit doch auch nichts, neue Geldgeber zu finden.

Wird Ihr Team nach dem Saisonende auseinanderbrechen und bleiben Sie in Herne?

Ich habe zugesagt, muss auch dazu stehen und hänge an diesem Kader. Aber ich werde mir noch einmal Gedanken machen. Man hat beim SCW anscheinend keine Perspektive. Ich brauche einen Club, der mitzieht und ehrlich ist. Wenn das bei der Westfalia nicht geht, habe ich meine Aufgabe erfüllt.

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