Wenn es dem Esel zu gut geht, begibt er sich aufs Glatteis, lautet eine alte deutsche Volksweisheit. Schalke 04 gehen die Spieler aus, aber das Publikum arbeitet fleißig weiter an der Demontage von Hamit Altintop. Seit der Bekanntgabe seines Wechsels zu Bayern München sieht sich der Türke immer mehr einem Spießrutenlauf durch die eigenen Fans ausgesetzt.

Schalke: Fans arbeiten weiter an Hamit Altintops Demontage

"Konnte nicht mehr klar denken"

04. März 2007, 21:58 Uhr

Wenn es dem Esel zu gut geht, begibt er sich aufs Glatteis, lautet eine alte deutsche Volksweisheit. Schalke 04 gehen die Spieler aus, aber das Publikum arbeitet fleißig weiter an der Demontage von Hamit Altintop. Seit der Bekanntgabe seines Wechsels zu Bayern München sieht sich der Türke immer mehr einem Spießrutenlauf durch die eigenen Fans ausgesetzt. "Diejenigen, die das tun, sollten sich mal überlegen, warum sie ins Stadion kommen und ob sie uns damit weiterhelfen, wenn sie einzelne Spieler auspfeifen", schüttelt Fabian Ernst den Kopf.

Das Verhalten der Fans trifft im Mannschaftskreis auf Empörung. Nun droht sogar die nach der legendären Schweigeaktion zum Spiel gegen die Bayern mühsam am runden Tisch neu gefundene Harmonie zwischen Spielern und Anhängern gestört zu werden. "Das ging ja schon in der ersten Halbzeit los. Hamit hat engagiert gespielt und alles probiert. Und wenn dann mal eine Flanke nicht ankommt, wird sofort gepfiffen. Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis", zürnt Ernst.

Aber offenbar braucht die Schalker Fanseele einen Sündenbock, wenn es mit der Meisterschaft nicht klappen sollte. Und was liegt da näher als ein Spieler, der ausgerechnet zum Schalker Erzfeind Nummer zwei geht.

Hamit selbst zeigte am Freitag die entsprechende Reaktion. Nach einer ordentlichen Anfangsphase wurde er angesichts der ersten Missfallensbekundungen von Minute zu Minute unsicherer. Mitte der zweiten Hälfte quittierte der gebürtige Gelsenkirchener die ständigen Nadelstiche sogar mit einer abfälligen Geste in Richtung Südtribüne. "Eigentlich passt so etwas gar nicht zu mir, dass ich einfach abwinke. Aber ich konnte in dieser Situation einfach nicht mehr klar denken. Das war ein Zeichen, dass ich total enttäuscht war", erklärte Hamit nach dem Abpfiff.

"Darüber sollten die Fans mal nachdenken. Ich dachte, wir hätten ein gemeinsames Ziel", versteht er die Welt nicht mehr. "Aber es geht eigentlich auch nicht nur um mich. Das ist anderen Spielern ja auch schon passiert", erinnert Altintop an eine königsblaue Unart, unliebsam gewordene Spieler so lange zu mobben, bis diese entnervt das Handtuch werfen. "Es ist leicht zu feiern, wenn man führt. Aber mit diesem Verhalten treffen die Fans den ganzen Verein", gibt er zu bedenken.

"Die Reaktion von Hamit war nicht in Ordnung. Da war sicherlich eine bisschen Frust dabei, weil die Leute ihn ausgepfiffen haben. Aber ich habe ihn nicht ausgewechselt, weil er das getan hat, sondern weil ich mit Sören Larsen mehr Druck im Sturmzentrum aufbauen wollte", versuchte Mirko Slomka die Wogen ein wenig zu glätten. Und erteilte Vermutungen in Richtung einer Abstrafung sogleich eine klare Absage.

Hamit aber war nach seiner Herausnahme so sauer, dass er sein Trikot feinsäuberlich gefaltet auf der Getränke-Kiste eines Sponsors neben der Trainerbank ablegte. "Das habe ich nicht gesehen und sollte man nicht missverstehen. Bei ihm war in dem Moment sicher viel Frust dabei", erklärte Slomka. "Man sollte sich nun auf beiden Seiten absolut professionell verhalten und gemeinsam weiter an der Sache Schalke 04 arbeiten", weiß der Coach, dass er in der jetzigen Situation eigentlich nicht auf Altintop verzichten kann.

Autor:

Kommentieren