Vor dem Hinspiel im Achtelfinale der Champions League beim VfB Stuttgart steht Chelseas Trainer Claudio Ranieri mächtig unter Druck. Sollte London an den Schwaben scheitern, müsste der Coach seinen Posten räumen.

Chelseas Coach Claudio Ranieri mächtig unter Druck

tw
24. Februar 2004, 12:35 Uhr

Vor dem Hinspiel im Achtelfinale der Champions League beim VfB Stuttgart steht Chelseas Trainer Claudio Ranieri mächtig unter Druck. Sollte London an den Schwaben scheitern, müsste der Coach seinen Posten räumen.

Für den FC Chelsea läuft es trotz der zahlreichen Neuzugänge noch nicht nach Plan: Aus im FA-Cup und die Meisterschaft ist in weiter Ferne. Die "Blues" sind vor dem Champions-League-Spiel gegen den VfB Stuttgart zum Siegen verdammt. Vor allem Trainer Claudio Ranieri steht vor dem Achtelfinal-Hinspiel am Mittwoch (20.45 Uhr) im Gottlieb-Daimler-Stadion unter besonderem Druck. Bei einem Aus scheint die Entlassung des Italieners durch den russischen Klubchef und Öl-Milliardär Roman Abramowitsch unausweichlich.

"Eine Saison ohne Erfolge ist ein Fehlschlag", verkündete Abramowitsch bereits drohend. Der 36-Jährige, der den Londoner Premier-League-Klub im Sommer für 87 Millionen Euro erworben und die Mannschaft für weitere rund 200 Millionen Euro verstärkt hat, will für seine Investitionen Rendite in Form von Titeln sehen. Für den Fall eines Scheiterns gegen Stuttgart werden als Nachfolger von Ranieri bereits Englands Nationalmannschaftstrainer Sven-Göran Eriksson und Fabio Capello vom AS Rom ins Gespräch gebracht.

"Kesselflicker" erbittet sich Zeit

Da nützt es Ranieri in seinem dritten Jahr bei den "Blues" wenig, immer wieder auf die Schwierigkeit hinzuweisen, das mit Stars gespickte Team zu einer Einheit formen zu müssen. "Große Individualisten machen nicht über Nacht eine große Mannschaft. Das braucht Zeit", erklärt der 52-Jährige, der wegen seiner Aufgabe den Spitznamen "Kesselflicker" erhalten hat, beinahe gebetsmühlenartig.

Mit den von Abramowitsch verpflichteten Stars Hernan Crespo, Juan Sebastian Veron, Claude Makelele, Adrian Mutu, Njitap Geremi und Damian Duff, der für die Vereinsrekordablöse von 35 Millionen Euro vom Ligarivalen Blackburn Rovers kam, sowie den etablierten Assen Marcel Desailly, Frank Lampard und Jimmy Floyd Hasselbaink steht Ranieri ein Kader zur Verfügung, der wohl nur mit dem von Real Madrid zu vergleichen ist.

Rosicky und Rivaldo auf der Liste

Für die kommende Saison stehen in Dortmunds Spielmacher Tomas Rosicky und dem brasilianischen Weltmeister Rivaldo bereits weitere hochkarätige Namen auf der Wunschliste Abramowitschs. Trotz der internen Konkurrenz kommt der deutsche "U20"-Nationalspieler Robert Huth bislang zumindest immer wieder zu Kurzeinsätzen.

Während Chelsea am vergangenen Samstag durch ein 1:2 gegen Arsenal die Chance auf den zweiten Meistertitel nach 1955 wohl verspielt hat, wurde der dreimalige Pokalsieger bei seiner zweiten Champions-Leauge-Teilnahme den hohen Erwartungen bislang gerecht. In einer Gruppe mit Sparta Prag, Besiktas Istanbul und Lazio Rom erreichte Chelsea, das 1998 gegen den VfB durch ein 1:0 im Endspiel zum zweiten Mal den Europacup der Pokalsieger gewann, mit nur einer Niederlage als Erster die Runde der besten 16.

Chelsea selbstsicher

Dementsprechend selbstbewusst reisten die West-Londoner am Dienstag nach Stuttgart. "Beim VfB kenne ich keinen einzigen Spieler", erklärte Nationalspieler Lampard vor dem am Abend angesetzten Abschlusstraining mit schon an Arroganz grenzender Selbstsicherheit.

Allerdings muss Ranieri auf einige Stammspieler verzichten. Abwehrchef Desailly ist angeschlagen, Stürmer Crespo nach einer Grippe noch nicht fit. Besonders schwer würde der Ausfall von Stammtorhüter Carlo Cudicini wiegen, dessen Einsatz wegen einer Oberschenkelverletzung fraglich ist. Dafür könnte Duff nach längerer Verletzungspause sein Comeback feiern.

Autor: tw

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