SODINGEN: 0:7-Halbzeitstand für Joachim unerklärlich

tr
22. September 2006, 10:26 Uhr

Debakel, Demontage, Peinlichkeit, Unvermögen. Es gibt viele Worte, mit denen man eine indiskutable Leistung beschreiben kann. Doch wie nennt man einen 0:7-Rückstand zur Halbzeit? Sprich: Alle 6,4 Minuten rappelt es.

Debakel, Demontage, Peinlichkeit, Unvermögen. Es gibt viele Worte, mit denen man eine indiskutable Leistung beschreiben kann. Doch wie nennt man einen 0:7-Rückstand zur Halbzeit? Sprich: Alle 6,4 Minuten rappelt es. "Ich habe auch schon einmal 2:7 verloren, aber dass man nach 45 Minuten 0:7 zurück liegt, ist einmalig", schüttelt Sodingens Trainer Thomas Joachim den Kopf. "So etwas passiert nicht einmal in der untersten Kreisklasse oder in der F-Jugend. Meine Jungs hatten wohl Valium im Kaffee."

Korrekt, denn selbst im Freizeitsport wird irgendwann gekämpft und sich gewehrt. Der SVS, der sogar noch defensiv ausgerichtet war, schien in Sprockhövel aber noch nichts davon gehört zu haben. "Nach dem 0:2 hatten wir nur noch eine Statistenrolle inne", weiß Joachim: "Das ist bitter und enttäuschend. Es lag an der Einstellung. Gerade von den erfahrenen Jungs hatte ich mir gewünscht, dass sie auf den Tisch hauen. Aber die sind mit unter gegangen." Der Linienchef weiter: "Fußball bedeutet Emotion und Willensstärke. Selbst wenn man spielerisch nicht so gut ist, muss man die genannten Tugenden an den Tag legen."

Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Fans den Eindruck hatten, dass in Sodingen etwas zusammenwächst, erhält der SVS diesen Rückschlag. "Es war ein Trend zu erkennen, hinten sicherer zu stehen", runzelt der Coach die Stirn: "Dass wir vorne Probleme haben, ist klar. So ist es für uns ein ganz großer Schritt zurück, das war gar nichts." Doch dem ehemaligen Hohenlimburger sind auf die Frage nach Konsequenzen die Hände gebunden. "Wir haben keine Perspektiven", muss Joachim nüchtern feststellen. Denn mit Marcus Hasecke (Fersensporn-OP), Jörn Große-Thie (Knorpeltransplantation), Samuel Ochomma (Kniebeschwerden), Halil Inam (immer noch in der Türkei), Murat Köker (Leistenprobleme), Erdal Karadag (Sprunggelenk) und Toni Kotziampassis (Muskelbeschwerden) fallen gleich sieben Stammkräfte aus. "Aber das ist keine Entschuldigung, gewisse taktische Vorgaben muss man einfach einhalten", stellt Joachim klar. "Damit kann ich mich nicht identifizieren. Es ist ein Schlag ins Gesicht." Die Konsequenz des 48-Jährigen: "Es geht jetzt etwas schärfer zu. Trotz der schlechten Ergebnisse habe ich immer so trainiert, dass sich die Jungs spielerisch weiter entwickeln können. Aber man kann die Einheiten auch anders aufbauen. Sonst habe ich keine Möglichkeiten, außer die Kicker an der Ehre zu packen."

Dass Keeper Brank Maric zur Pause in der Kabine blieb, erklärt Joachim: "Den Torwart hat die Mannschaft geopfert, er war fertig. Er sah vielleicht ein paar Mal unglücklich aus, aber das Team hat ihn alleine gelassen. Die Niederlage kann man nicht an ihm festmachen. Ich wollte ihn nur schützen, er war der ärmste Hund."
Fest steht, dass die Herner gern gesehene Gäste sind. Denn nach drei Auswärts-Niederlagen und 3:12 Toren kann sich jeder Club auf den SVS freuen. "Dort sind wir mindestens 50 Prozent schwächer als zu Hause", weiß Joachim und bezieht zu seinem Stand beim SVS Stellung: "Ich mache mir keine Gedanken um meine Zukunft. Abwarten, was passieren wird. Ich gehe davon aus, dass es gegen Menden nicht schlechter wird." Wie auch?

Autor: tr

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren