Es war 18.30 Uhr am Montag Abend, als Horsts Vorsitzender Hans Dietrich und der Sportliche Leiter Rüdiger Kürschners die Trainer Helmut Gorka und Jürgen Göbel ins Geschäftszimmer an der Fischerstraße baten.

HORST: Kürschners bestand Prüfung vor Frau Ellen

hb
13. November 2004, 21:46 Uhr

Es war 18.30 Uhr am Montag Abend, als Horsts Vorsitzender Hans Dietrich und der Sportliche Leiter Rüdiger Kürschners die Trainer Helmut Gorka und Jürgen Göbel ins Geschäftszimmer an der Fischerstraße baten.

Es war 18.30 Uhr am Montag Abend, als Horsts Vorsitzender Hans Dietrich und der Sportliche Leiter Rüdiger Kürschners die Trainer Helmut Gorka und Jürgen Göbel ins Geschäftszimmer an der Fischerstraße baten. Der Coach und sein „Co“ wussten, was kommen würde. „Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt“, liefert der alte und neue Trainer die übliche Formulierung im Falle eines Rauschmisses. Kürschners: „Helmut und ich kennen uns seit vielen Jahren. Bevor er hier anfing, haben wir uns versprochen: Wenn mal irgend etwas ist, dann gehen wir in Freundschaft auseinander.“

Mag sein, dass der Schnitt angesichts nach fünf Niederlagen in Folge und dem jüngsten Debakel in Oestrich unvermeidlich war. 1:6 in Iserlohn, 1:3 gegen Hagen, 2:3 in Langenbochum, 2:3 gegen Sodingen und 0:2 in Hordel lautet die alarmierende Bilanz der vergangenen fünf Wochen. „Wir haben aus elf Spielen sieben Punkte geholt. Das Umfeld ist nervös geworden. Mich haben in den letzten Tagen so viele Leute angerufen, die gesagt haben: Rüdiger, du musst zurück kommen“, fühlte sich Kürschners an der Ehre gepackt. Unter den Bittstellern waren langjährige Horster wie das ehemalige Verwaltungsrat-Mitglied Johann Kollner und sein Nachfolger Hans-Joachim Müller.

Noch vor knapp zwei Monaten hatte der bald 55-Jährige etwas unfreiwillig mit dem Kapitel STV abgeschlossen. Nach dem Tod seines Schwiegervaters Walter Lau zog sich Kürschners zumindest auf Raten vom Verein zurück. „In den letzten Wochen war ich nur drei oder vier Mal unter der Woche am Platz und habe nicht ein Spiel gesehen. Nun habe ich mit meiner Frau über die Situation gesprochen. Sie hat mitgekriegt, wie viele Leute hier bei uns zu Hause angerufen und zu mir gesagt: Rüdiger, die STV ist deine Herzens-Angelegenheit. Ich weiß, dass du mit Leib und Seele an diesem Verein hängst. Wenn du es machen willst, dann stehe ich hinter dir“, erteilte Ellen Kürschners ihrem „Mr. Horst“ die Absolution.

Zusammen mit dem ehemaligen „Husaren“ –Keeper Christof Osigus, der als Torwart- und Co-Trainer fungiert, wird Kürschners die Gelsenkirchener zumindest bis zum Saisonende übernehmen. „Hans Dietrich hat zu mir gesagt: Du kennst die Liga und hast die ganzen jungen Leute hier hin geholt. Deshalb mache es keinen Sinn, auf die Schnelle einen Neuen zu verpflichten“, berichtet der frühere Erler.

Das erste Training unter dem alten, neuen Gespann leitete am Dienstag Osigus. Zuvor hatten sich in der Kabine Gorka und Göbel von der Mannschaft verabschiedet. „Ich wollte eigentlich nicht mehr täglich auf dem Platz rum turnen“, gibt „Ose“ zu. Der frisch gebackene zweifache Vater, Frau Tina brachte nach der inzwischen siebenjährigen Charlotte am 26. Oktober die kleine Josefina zur Welt, muss bis zum Jahresende den Spagat zwischen Schalke und Horst bewältigen. Bei S04 hat der frühere Dortmunder Profi zehn Torhüter von der D- bis zur B2-Jugend unter seinen Fittichen. „Ich habe in der laufenden Saison sechs oder sieben Spiele der Mannschaft gesehen. Wir haben auf jeden Fall das Potenzial, die Klasse zu halten“, geht Osigus seine Aufgabe gewohnt optimistisch an.

Am Sonntag soll im Keller-Duell gegen Lüdenscheid der erste Schritt zur Wende folgen.

Nachgefragt
Helmut Gorka, wie sehr sind Sie von Ihrem Freund Rüdiger Kürschners enttäuscht?
Ich bin seit elf Jahren Trainer und vorher noch nie entlassen worden. Enttäuscht bin ich darüber, dass wir vor der Saison vereinbart haben, egal, was passiert, wir gehen da gemeinsam durch. Wir können aber beide das Private vom Sportlichen trennen, deshalb kann ich ihm noch ganz normal in die Augen gucken.

Wie schwer ist Ihnen am Dienstag die Verabschiedung von der Mannschaft gefallen?
Das war nicht leicht, denn als ich hier hin kam, war mir ein großer Teil der Truppe völlig fremd. Es sind 17 Spieler neu hinzu gekommen. Außer Michael Kruse und Dario Ruzic sowie Sascha Neue, den ich aus Essen mitgebracht habe, kannte ich keinen einzigen Spieler.

Wann sind Sie bereit für eine neue Aufgabe?
Das weiß ich noch nicht. Am Samstag kicke ich mit Jürgen Göbel erst einmal vor dem Bundesliga-Spiel der Schalker gegen Hertha mit der S04-Traditions-Mannschaft gegen das Film-Team von ‚Das Wunder von Bern’. Das macht Spaß und lenkt ganz gut vom Thema Horst ab. Trotzdem werde ich am Sonntag ins Fürstenberg-Stadion gehen und mir die Partie gegen Lüdenscheid ansehen.

Obwohl die SSV Buer in den letzten Wochen eine ähnliche Negativ-Serie wie der Klassen- und Orts-Nachbar Horst hinlegte, ist man an der „Löchterheide“ weit davon entfernt, in ähnlichen Aktionismus wie bei der STV zu verfallen. Weshalb das so ist, erklärt „Rothosen“ –Präsident Norbert Bauer.

Herr Bauer, warum ist in Buer ein Trainer-Rausschmiss wie in Horst nicht denkbar?
Die Nachricht von der Entlassung hat uns schon sehr überrascht, dass es aber Rüdiger Kürschners werden würde, war dagegen nicht so überraschend. Ich kenne aber die Interna dort nicht und möchte das daher auch nicht kommentieren, sondern nur so viel sagen: Wir haben keinen Helmut Gorka und keinen Kürschners.
Nach drei Niederlagen in Folge mit 0:10 Toren wurde am Sonntag gegen Hohenlimburg der Fahrstuhl nach unten etwas abgebremst. Wie geht es weiter in Buer?
Mit dem nächsten Auswärtsspiel am Sonntag in Wattenscheid haben wir eine ganz schwierige Aufgabe vor uns. Wenn wir da auch einen Punkt holen würden, wäre ich hoch zufrieden. Vor dem 2:2 gegen die Hagener hatten wir nur drei Zähler Abstand vor den Abstiegsrängen, momentan sind es vier. So könnte es bleiben.

Autor: hb

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