Es war das Comeback des Jahres in der Verbandsliga. Als Stefan Thiele mit der STV Horst bei Rot-Weiß Lüdenscheid (2:2) auflief, erlebte ein fußballerisch tot gesagter Kicker seine Wiedergeburt.

STV HORST: Stefan Thiele und das Comeback des Jahres

hb
11. Mai 2004, 13:49 Uhr

Es war das Comeback des Jahres in der Verbandsliga. Als Stefan Thiele mit der STV Horst bei Rot-Weiß Lüdenscheid (2:2) auflief, erlebte ein fußballerisch tot gesagter Kicker seine Wiedergeburt.

Es war das Comeback des Jahres in der Verbandsliga. Als Stefan Thiele am Freitag vergangener Woche mit der STV Horst bei Rot-Weiß Lüdenscheid (2:2) auflief, erlebte ein fußballerisch tot gesagter Kicker seine Wiedergeburt. „Das ist ein Fußballer hoch zehn, ein Glücksfall“, schwärmt der Sportliche Leiter Rüdiger Kürschners. „Ein sensationelles Comeback nach eineinhalb Jahren ohne Fußball. Entweder man kann es oder nicht“, schnalzt auch Kapitän Christof Osigus mit der Zunge. „Eigentlich ist mein Knie total kaputt“, weiß Thiele indes um seinem sportlichen Tanz auf der Rasierklinge.

Bereits vor elf Jahren erlitt der 30-Jährige einen Totalschaden im Gelenk, Innenband, Meniskus und Kreuzband waren durch. Das zerfetzte Kreuzband wurde mit Plastik geflickt, doch schon damals war klar, dass die Laufbahn des Mittelfeld-Regisseurs nicht ewig dauern würde. „Vor zwei Jahren ging nichts mehr, ich musste aufhören“, berichtet Thiele. Im Oktober 2002 folgte ein zweiter Eingriff beim Bochumer Vereinsarzt Dr. Karl-Heinz Bauer. „Der hat mir die restlichen noch vorhandenen Fäden, ungefähr zehn Prozent waren noch da, vernäht.“

Seinerzeit kickte er beim 1.FC Kleve, wohin er nach drei Jahren bei der STV Horst gewechselt war. Seitdem machte Thiele aktiv „nichts mehr, ich war noch nicht einmal laufen.“ Um nicht ganz einzurosten, startete Thiele seine Trainer-Karriere als Coach der B-Jugend von Schwarz-Weiß Essen.

Nun die Rückkehr zu den „Husaren“, deren Schicksal der selbständige Geschäftsmann mit zwei Sportläden in Essen und Gelsenkirchen persönlich berührte. „In der Woche nach dem 1:8 in Sundern habe ich beim Training vorbei geschaut, ohne zu wissen, wie die Mannschaft vorher gezockt hat“, kam Thiele wie die Jungfrau zum Kinde. „Ich habe Kürschners gefragt, ob ich helfen könnte, er hat natürlich sofort ja gesagt.“

Im Sommer wird das kostenlose Engagement in Horst wieder beendet sein. „Ich möchte weiter als Trainer arbeiten. Es gab schon Angebote von Landesligisten, aber da war noch nicht Passendes dabei. Demnächst möchte ich meine A-Lizenz erwerben. Darüber habe ich zuletzt mit Michael Skibbe gesprochen“, frischte Thiele im Dienste der eigenen Sache seine guten Kontakte zum Bundestrainer auf.

Bis Juni aber will Thiele weiter seine Knochen für die Gelsenkirchener schinden. „Mein Kreuzband kann zwar jeden Tag reißen, aber das kann auch beim Treppen steigen passieren“, scheut der Techniker keinen Zweikampf auf dem Platz. „Gegen Langenbochum geht es heute weiter. Mit einem Sieg könnten wir uns ein bisschen befreien“, will Thiele seine Kicker-Karriere mit der Rettung der STV Horst beenden.

Autor: hb

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