Nach dem Aus des SV Enger-Westerenger muss die Verbandsliga Westfalen 1 den nächsten Schock verdauen.

FICHTE BIELEFELD: Hauptsponsor Goldmann springt ab

tr
09. Januar 2007, 10:25 Uhr

Nach dem Aus des SV Enger-Westerenger muss die Verbandsliga Westfalen 1 den nächsten Schock verdauen.

Nach dem Aus des SV Enger-Westerenger muss die Verbandsliga Westfalen 1 den nächsten Schock verdauen. Denn nun steht auch der VfB Fichte Bielefeld vor dem Finanz-K.o.. "Stimmt", bestätigt Marketing-Geschäftsführer Dirk Starke. "Die Saison werden wir noch beenden, wie es danach allerdings weiter gehen wird, wissen wir nicht."

Grund: Abteilungsleiter und Hauptsponsor Rainer Goldmann wird sein Engagement zum 30. Juni beenden. Der Inhaber einer Chemie-Firma wird durch die Europäische Union (EU) zu diesem Schritt gezwungen. Starke erklärt den Zusammenhang: "'Reach' ist eine neue EU-Richtlinie, ein über tausend Seiten starkes Papier, das die Registrierung der Chemikalienimporte nach Europa neu ordnet. Das bedeutet, dass Rainer viel mehr Geld als bislang in die Hand nehmen muss, um sein Unternehmen am Markt zu halten." Goldmann wird mit einer Mehrbelastung von 100.000 bis 400.000 Euro konfrontiert, muss deshalb natürlich erst einmal an seinen Betrieb, die 60 Mitarbeiter und seine Familie denken. "Völlig verständlich", hegt Starke keinen Groll.

Doch für den Club sind die Folgen dramatisch, es fehlen rund 150.000 Euro. "Die Summe ist korrekt", weiß der Werbefachmann noch nicht, wie dieses Loch geschlossen werden soll: "Dadurch wird uns die Finanzgrundlage entzogen." Überraschend kam der Schritt für Starke allerdings nicht. "Ich arbeite eng mit Rainer zusammen. Es war ein langer Entscheidungsprozess." Der in Ostwestfalen eine Katastrophe auslöst, denn "es gehen mit dem VfB 03 und Spielvereinigung Fichte, die vor einigen Jahren fusionierten, gleich zwei Traditionsvereine den Bach runter", trauert Starke.

Zwar haben die Verantwortlichen noch rund fünf Monate Zeit, einen neuen Geldgeber zu finden, doch angesichts der schwierigen Situation scheint ein Heilsbringer nicht in der Nähe zu sein. "Es kann sein, dass wir vielleicht Ersatz finden, doch die Suche ist mehr als schwer", schätzt auch Starke die Lage realistisch ein.
Doch der Funktionär legt auf eine Tatsache besonderen Wert: "Wir werden die Saison auf jeden Fall beenden, machen nicht so eine Geschichte wie der SV Enger-Westerenger." Wehmut kommt beim Gedanken an die Rückserie allerdings auf. "Eigentlich wollten wir noch einmal oben angreifen, doch das hat sich wohl erledigt", schluchzt Starke, der sich aber gegen die Vermutung, dass der Kader nun keine Lust mehr habe, wehrt. "Die Spieler erhalten ihr Geld, gehen weiter ihrem Hobby nach. Warum sollten sie jetzt nur noch verlieren? Schließlich müssen sie sich auch für andere Vereine empfehlen."

Wie es für den VfB Fichte weiter gehen wird, steht derweil noch in den Sternen. Starke: "Einen Verbandsliga-Etat aufzustellen, wird ganz schwer, auch für die Landesliga wird es kaum reichen." Die aktuelle Reserve kickt in der Kreisliga B. "So weit wollen wir aber nicht runter", schüttelt Starke vehement den Kopf. Aber nicht nur die Erste, sondern auch der Jugendbereich, der ebenfalls von Goldmann unterstützt wurde, muss nun bangen. "A- und B-Junioren in der Landesliga sowie ein C-Jugendteam in der Bezirksliga wird es wohl nicht mehr geben", zieht er die Stirn in tiefe Falten und schließt nach dem momentanen Stand der Dinge selbst nicht aus, dass es künftig gar keinen Fußball mehr an der Rußheide geben wird.

Während Yorck Bergenthal, Torhüter und Trainer des VfB Fichte, schon im Vorfeld vom möglichen Aus erfuhr, ist die Nachricht für Bernd Behrends, Vorsitzender des Gesamtvereins, völlig neu. Starke: "Wir sind alle geschockt, müssen uns nun aber schnellstens aus dieser Starre befreien." Damit vielleicht doch noch eine Zukunft existiert.

Autor: tr

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