Mit seinem Rundumschlag vor laufender Kamera nach der 2:7-Klatsche bei den Hamburg Freezers, als er von

KEV - Bayern-Fan Robert Müller steht auf Olli Kahn, Revier-Fußball und hat kuriose Träume

09. Februar 2004, 10:06 Uhr

Mit seinem Rundumschlag vor laufender Kamera nach der 2:7-Klatsche bei den Hamburg Freezers, als er von "Charakterlosigkeit" einiger Mitspieler sprach, hat Pinguin-Torwart Robert Müller bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Mit seinem Rundumschlag vor laufender Kamera nach der 2:7-Klatsche bei den Hamburg Freezers, als er von "Charakterlosigkeit" einiger Mitspieler sprach, hat Pinguin-Torwart Robert Müller bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Kaum jemand hätte damit gerechnet, dass seine Aussagen derart hohe Wellen schlagen würden. Müller selber wohl am wenigsten. Was darauf folgte, war ein zuvor noch nie vorgekommener Fan-Protest sowie gellende Pfiffe gegen das eigene Team beim Heimspiel gegen Nürnberg. Nur Müller wurde gefeiert. Der 23-Jährige hat in Krefeld dadurch seinen Status als absoluter Publikumsliebling nachhaltig gestärkt. Und das auf einer Position, die über ein Jahrzehnt nur die "lebende Legende" Karel Lang inne hatte. Im nachfolgenden RS-Interview erklärt der Schlussmann, warum gerade ausgerechnet ihm als sonst eher ruhiger und sachlicher Person der Kragen platzte, wie er sich seine Zukunft vorstellt und wie seine Ziele lauten.

Robert Müller, Sie waren während der Pause in Ihrer Heimatstadt Rosenheim. Wie war's?
Sehr entspannend. Es hat richtig gut getan, mal wieder in der Heimat vorbei zu schauen. Ich habe ganz ruhig gemacht, die Seele einfach baumeln lassen. Ein paar Tage vom Eishockey weg zu sein, war enorm wichtig.

Verständlich, dem amtierenden Deutschen Meister droht ja bekanntlich der Abstieg. Haben Sie in Ihrer jungen Karriere je eine solch schwache Saison erlebt?
Mit Rosenheim haben wir auch nie um die Play-offs gespielt. Es ging meist nur um den zwölften Platz. Allerdings hat man von uns damals auch nicht mehr erwartet. Deswegen gehört dieses Jahr schon zu meinen bisherigen Negativerlebnissen.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Gründe für den Niedergang?
Das kann ich auch nicht richtig beantworten. Wir sind eben in so einen Strudel gekommen, nach dem wir eigentlich einen ganz guten Start hingelegt hatten. In einer engen Liga wie der DEL, in der wirklich jeder jeden schlagen kann ist es dann umso schwerer, wieder den Anschluss zu finden.

War der Rundumschlag nach dem Hamburg-Spiel beabsichtigt oder aus der Emotion heraus?
Ganz klar kam das aus der Emotion heraus. Aber beabsichtigt war die Wortwahl auf alle Fälle, damit einige Leute die Situation bzw. den Ernst der Lage erkennen.

Tut es Ihnen heute leid, was Sie gesagt haben?
Nein, ich bereue kein Wort. Außer den Worten, die in der einen oder anderen Tageszeitung falsch zitiert wurden. Ich habe nämlich nie alle über einen Kamm geschert, sondern nur gezielt einzelne gemeint.

Wen genau?
Das bleibt mein Geheimnis.

Haben Sie Verständnis für den anschließenden Fan-Protest?
Einerseits ja, aber andererseits hätte ich mir natürlich viel lieber gewünscht, dass die Fans uns unterstützt hätten. Ich weiß, dass sie enttäuscht sind, aber in den schlechten Zeiten müssen wir alle zusammen stehen.

Sie haben einen bestimmten Teil Ihrer Teamkameraden kritisiert. Wie beurteilen Sie eigentlich Ihre eigene Leistung in diesem Jahr?
Da bin ich selbstkritisch genug, um zu wissen, dass ich mich nach gutem Start von der allgemeinen Verunsicherung habe anstecken lassen. Kurz vor Weihnachten ging es dann wieder bergauf.

Thema Nationalmannschaft: Bundestrainer Hans Zach hat beim "Suisse-Cup" auf Sie verzichtet - warum?
Er hat mich angerufen und mir mitgeteilt, dass er denkt, ich sei einschließlich des "Spengler-Cup" in Davos einer der DEL-Spieler, der die meisten Spiele in dieser Saison absolviert hat. Daher war er der Ansicht, dass es besser sei, ich mache mal eine kleine Pause. Das ist übrigens die erste seit sechs Jahren in der Nationalmannschaft.

Bei der WM in Prag und Ostrau sind Sie also sicher dabei?
Keine Ahnung. Ich denke, die Chancen stehen gut. Allerdings haben wir in Deutschland mittlerweile eine gesunde Konkurrenzsituation mit vielen guten Torhütern. Bis dahin ist aber noch ein wenig Zeit.

Wie beurteilen Sie die allgemeine Entwicklung im deutschen Eishockey?
Insgesamt hat sich alles zum Positiven entwickelt in den letzten Jahren. Immer mehr deutsche Spieler haben mittlerweile Schlüsselpositionen in ihren Mannschaften übernommen. Aber es ist natürlich alles noch ausbaufähig. Mit dem nötigen Pusch vom Hans Zach wird sich das Eishockey in Deutschland auch noch weiter positiv entwickeln.

Kann sich die DEB-Auswahl mittelfristig unter der besten acht Mannschaften der Welt etablieren?
Weiß ich nicht. Das wird ganz schwer. Man darf die Trauben aufgrund der guten Resultate bei den letzten Wettbewerben nicht zu hoch hängen. Es gab bisher viele Turniere, wie z.B. Olympia oder die letzten drei A-Weltmeisterschaften, bei denen wir am absoluten Leistungslimit gespielt haben. Weiterhin bleibt es die absolute Priorität, dass wir die Klasse sichern und dann erst gucken, was noch alles möglich ist. Wenn die Entwicklung weiterhin so gut funktioniert, dann könnte das klappen.

Stichwort NHL. Wie weit ist der Sprung nach Übersee noch für Sie weg?
Das kann ich noch nicht sagen. Ich bin zwar von den Washington Capitals gedraftet, war auch schon dort im Trainingscamp, allerdings steht nach meinem bisherigen Kenntnisstand im kommenden Jahr ein Streik der Spielergewerkschaft an. Nicht einmal die NHL-Cracks wissen, wie es im kommenden Jahr weiter geht. Aber klar: Natürlich ist es mein Ziel, eines Tages in der besten Liga der Welt auf dem Eis zu stehen.

Zwei, die Sie bestens kennen, haben es ja geschafft. Besteht eigentlich noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Teamkameraden Christian Ehrhoff oder Christoph Brandner?
Ja, klar. Per e-mail und Telefon halten wir weiterhin Kontakt. Allerdings nicht regelmäßig. Zudem verfolge ich natürlich oft im Internet, wie es den Jungs da drüben sportlich so ergeht.

Zurück nach Deutschland. In der DEL wird gern und oft über die Schiedsrichter geschimpft. Wie stehen Sie dazu?
Ich finde, darüber wird viel zu viel Wind gemacht. In manchen Spielen sind sie gut, in manchen halt weniger. Das ist doch normal. Vor allen Dingen darf man nicht vergessen, dass die meisten Schiris den ganzen Tag über ihrem normalen Job nachgehen und es daher sicher nicht leicht ist, sich dann abends voll auf ein Eishockeyspiel zu konzentrieren. Außerdem gleicht sich das alles im Saisonverlauf wieder aus. Keine Mannschaft kann nach der Saison ihr Abschneiden, ob gut oder schlecht, nur vom Schiri abhängig machen.

Robert Müller privat: Was unternimmt ein Eishockey-Torwart in seiner freien Zeit?
Während der Saison, wenn ich in Krefeld bin, helfe ich nebenbei in einer Werbeagentur in Tönisberg bei Krefeld. Sonst beschäftige ich mich gerne mit meinem Computer oder mit Musik. Ich habe auch eine Gitarre, die in letzter Zeit jedoch relativ wenig benutzt wurde.

Ihre große Leidenschaft neben dem Eishockey?
Ganz klar: Meine Gattin Jenny. Mit ihr zusammen kann ich am besten vom Eishockey abschalten. Im Sommer gehe ich meiner zweiten großen "Liebe" nach, dem Streethockey. Ich spiele in meiner Heimat bei den "Wild Boys Rosenheim".

Haben Sie ein sportliches Vorbild?
Und ob! Oliver Kahn. Er imponiert mir sehr, weil er einen unerbittlichen Siegeswillen an den Tag legt. Seine Konstanz und Einstellung zum Sport sind überragend.

Also sind Sie ein großer Fußball-Fan?
Ja, sicher. Bayern München-Fan war ich schon als kleines Kind. Wenn man aus Rosenheim ist, bleibt einem auch eigentlich gar nichts anderes übrig, obwohl ich zugeben muss, dass ich mich auch für die "60er" freue, wenn sie gewinnen. Das darf man als Bayern-Fan doch gar nicht sagen, oder? Ich schaue auch jedes Spiel der Nationalmannschaft. Gerade hier im Westen habe ich ja die freie Auswahl, Spiele live zu sehen. Das Revier ist eine Fußball-Hochburg. Ich war schon oft im Dortmunder Westfalenstadion oder auch in Leverkusen. Darüber hinaus gehe ich mit meinen Teamkameraden fast regelmäßig zum KFC Uerdingen. Mit den Spielern pflegen wir ein richtig gutes Verhältnis. Besonders Trainer "Pelé" Wollitz ist ein Supertyp.

Welche Sportart würden Sie gerne betreiben, wenn Sie nicht Eishockeyspieler wären?
Synchronschwimmen der Herren...! Nein, ganz im ernst: Fußballer wäre schon eine feine Sache gewesen. Oder vielleicht Schachprofi. Weil man dabei allgemein als intellektuell gilt... .

Gibt es schon Gedanken, was Sie nach Ihrer Karriere machen wollen?
Mein Traum wäre, mit 35 Jahren in der Regionalliga noch einmal gemeinsam mit meinem Kumpel Markus Schütz, der momentan beim EV Duisburg aktiv ist, in einer Sturmreihe zu spielen. Das meine ich wirklich ernst.

Die brodelnde Wechsel-Gerüchteküche macht auch vor dem Namen Robert Müller nicht halt. Zuletzt hieß es, Sie würden zur kommenden Saison in die Schweiz wechseln...
Ich weiß, ich weiß. Laut Gerüchten bin ich mittlerweile schon bei jedem Verein auf diesem Planeten für die nächste Saison unter Vertrag. Fakt ist aber: Mein Vertrag in Krefeld geht noch über die Saison hinaus und ich denke gar nicht daran, den Verein zu verlassen. Ich frage mich langsam wirklich, wo diese Gerüchte immer her kommen. Ich wiederhole ein für alle Mal: Nur im Falle eines NHL-Angebots würde ich vorher wechseln.

Abschließend: Wie endet die Saison für die Pinguine?
Hoffentlich mit dem neunten Platz. Ich bin sicher, dass wir in den letzten zehn Spielen noch einmal alles geben. Vielleicht sogar für manche Überraschung sorgen werden.

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