Eine Tränke, die so aussieht, als ob man dort prima versacken könnte. Nebenan wird gegrillt. Soll heißen: Stift und Zettel raus, es gibt wieder Test-Punkte.

Bier und Bratwurst-Test

Folge 7: Die Gummibärchen-Griller

Maik Thesing
17. Dezember 2011, 08:24 Uhr

Eine Tränke, die so aussieht, als ob man dort prima versacken könnte. Nebenan wird gegrillt. Soll heißen: Stift und Zettel raus, es gibt wieder Test-Punkte.

Wir sind sicher nicht überrascht, wenn Sie ad hoc nicht wissen, wo Sonsbeck zu suchen ist. Der Ort befindet sich in der hinterletzten Ecke des Kreises Wesel, der seinerseits am Rande des Ruhrgebiets liegt. Somit ist der Niederrheinligist unter hunderten Klubs des Reviers der westlichste. Ansonsten hat die Gemeinde als Sehenswürdigkeit das Traktoren-Museum aufzuweisen, in dem es 360 Trekker zu sehen gibt. Was das alles mit der Bratwurst des örtlichen SV von 1919 zu tun hat? Naja, rein gar nichts, aber wir sind ja immer bemüht, ein wenig Klugscheißer-Wissen zu vermitteln. Zum Wesentlichen:

[u]Bier:[/u]

Geschmack: [bier]5[/bier]
Es gibt Beck's, und zwar nur Beck's und nicht irgendein Chilled Orange light Ice Krimskrams Beck's oder was auch immer in den Bremer Braulaboren ausgebrütet wird. Bei so viel puristischem Genuss: Volle Punktzahl.

Schaum [bier]2[/bier]
Wenn man 0,33 Liter aus der Flasche in einen 0,5-Liter-Becher kippt, ist ein Gefühl für den idealen Neigungswinkel beider Behälter und die Fließgeschwindigkeit nicht gefragt. Weil ohnehin nichts überlaufen kann, wird mit Vollgas reingekippt. Infolgedessen beginnt der Schaum schon knapp über halber Becherhöhe. Sicher etwas zu viel des Guten.

Temperatur [bier]4[/bier]
Drei Grad die Luft, drei Grad das Bier. So langsam beginnt man zu verstehen, warum Glühbier auf immer mehr Weihnachtsmärkten Einzug hält. Aber man kann nun wirklich nicht verlangen, dass sie das Zeug vorher durch den Wasserkocher jagen. Also passt es auch so.

Preis-Leistungs-Verhältnis [bier]4[/bier]
1,60 Euro für den Becher liegen im Durchschnitt. Die kurze Wartezeit an der Tränke soll hier positiv erwähnt werden.

Wertung: Ein Becher mies, fünf hervorragend.

[u]Bratwurst:[/u]

Geschmack [bratwurst]2[/bratwurst]
Eine Wurst für Menschen mit hoher Toleranzgrenze und einem Hang zu extremen Horizonterweiterungen. Kurzum: Irgendwie seltsam, wenngleich die Geschmacksnerven schon schlimmere Reize zu verarbeiten hatten.

Konsistenz [bratwurst]1[/bratwurst]
Gummiesque! Der Unterkiefer fühlt sich geradezu gepuffert, wenn er mit zu viel Elan nach oben bewegt wird. Aus welchen genmanipulierten Schweinen schneidet mal denn solch ein Flummifleisch heraus? Oder haben sie da Gummibärchen ins Brät geschüttet? Oder geschredderte Sommerreifen? Nicht drüber nachdenken, schnell zum nächsten Punkt.

Aussehen [bratwurst]2[/bratwurst]
Zwar besetzen in der Halbzeit vier Grillmeister des Stand, aber trotzdem kommt es zu Engpässen und Schlangenbildung. Offensichtlich bestand die angepasste Taktik dann darin, den Elektrogrill mal schnell eine paar Stufen hoch zu schrauben. Sonst ist es nicht zu erklären, dass Teile der Pelle noch blass sind, die Wurst an einer anderen Stelle schon schwarz ist.

Temperatur [bratwurst]5[/bratwurst]
Genau richtig! Man kann direkt mit dem Futtern beginnen und auch beim letzten Kauer ist die Wurst noch warm.

Extras [bratwurst]5[/bratwurst]
Die Empfehlung gilt den marinierten Schnitzelbrötchen. Mageres Fleisch, „past pink“ wie sie in vornehmen britischen Restaurants neuerdings sagen. Das alles für nur 50 Cent mehr. Zugreifen!

Preis-Leistungs-Verhältnis [bratwurst]2[/bratwurst]
Zwei Euro für die Wurst sind zwar im Rahmen, aber Abzüge gibt es wegen der Quantität, denn sie guckt an beiden Enden nur einen Biss über das ebenfalls nicht allzu große Brötchen hinaus.

Wertung: Ein Würstchen mies, fünf hervorragend.

Autor: Maik Thesing

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