Es ist ein illustrer Kreis, in den sich Michael
Ballack am Mittwoch einreiht.

Ballack: Großer Titel fehlt noch

75. Länderspiel für den Kapitän

14. November 2006, 12:15 Uhr

Es ist ein illustrer Kreis, in den sich Michael
Ballack am Mittwoch einreiht.

Der 30-Jährige wird in der
EM-Qualifikation in Zypern sein 75. Länderspiel bestreiten und ist
damit erst der 18. von insgesamt 847 deutschen Nationalspielern,
der diese stolze Marke erreicht hat. Längst ist der
England-Legionär vom FC Chelsea aus London trotz aller Zweifel, die
ihn im Laufe seiner Karriere immer wieder begleitet haben, als
Kapitän und Kopf der DFB-Auswahl anerkannt. Doch auf einen großen
Titel wartet Ballack sowohl im Verein als auch mit der
Nationalmannschaft immer noch.
Dennoch blickte der frühere Münchner, Leverkusener und
Lauterer, dessen Nationalmannschaftskarriere am 28. April 1999 mit
einer 0:1-Niederlage gegen Schottland in Bremen begann, vor seinem
Jubiläumsspiel zufrieden auf das bisher Erreichte zurück. `Ich bin
stolz, dass ich diese Zahl erreicht habe und hoffe, dass noch ein
paar Länderspiele dazukommen. Ich blicke auf viele schöne
Länderspiele zurück, auf viele Erlebnisse, auf viele schöne
Turniere. Da bleibt natürlich einiges hängen´, bilanzierte Ballack.
Allerdings endeten seine bisherigen Teilnahmen an Europa- und
Weltmeisterschaften meist mit Tränen. Bei den EM-Endrunden 2000 und
2004 konnte auch Ballack das peinliche Vorrunden-Aus nicht
verhindern. Bei der WM 2002 führte er das deutsche Team mit seinen
Toren und mit starken Leistungen zwar ins Finale gegen Brasilien (0:
2), dort fehlte er aber wegen einer Gelbsperre.
Und schließlich war auch die WM in diesem Jahr für Ballack
nicht vom ganz großen Erfolg gekrönt. Vorbei war der Traum nach der
Halbfinal-Niederlage gegen Italien, sich mit einem WM-Titel in der
Historie des deutschen Fußballs zu verewigen.
Doch genau dieser große Triumph fehlt Ballack in seiner
Karriere noch, um in Deutschland in einem Atemzug mit einem
Beckenbauer, Walter, Rahn, Müller, Klinsmann oder Matthäus genannt
zu werden. `Weltmeister bist du immer, ein Leben lang´,
verdeutlichte Ex-Teamchef Rudi Völler zuletzt den Stellenwert
solcher Titel.
Hinzu kommt, dass dem gebürtigen Görlitzer Ballack auch im
Verein bisher der große Wurf verwehrt blieb. Zwar legte Ballack bei
Bayern München sein Image als ewiger Zweiter, das er aus Leverkusen
mitgebracht hatte, ab. Doch es reichte letztendlich `nur´ zu
deutschen Meisterschaften und zu DFB-Pokalsiegen. Auch deshalb
wechselte Ballack vor der Saison zum FC Chelsea, weil er dort die
besseren Chancen auf den begehrten Titel in der Champions League
sieht.
Diskutiert wurde über den Fußballer Ballack oft genug. Manche
warfen ihm ein gewisses Phlegma vor, kritisierten, dass er in den
entscheidenden Momenten nicht zur Stelle sei. Bei Bayern wurde
wiederholt daran gezweifelt, ob er die ihm zugedachte Führungsrolle
ausgefüllen kann. Inzwischen weiß auch der FC Bayern, was er an dem
torgefährlichen, kopfball- und zweikampfstarken Mittelfeldspieler
hatte.
Entsprechend hat auch ein Franz Beckenbauer, mit dem der
inzwischen 30-Jährige wegen seiner eleganten Spielweise zu Beginn
seiner Laufbahn oft verglichen wurde, sein Urteil über Ballack
längst revidiert: `Er ist einer der besten Spieler der Welt.´ Der
`Kaiser´ sieht vor allem eine `positive Persönlichkeitsentwicklung´
bei Ballack, der im Juli 2004 vom damaligen Bundestrainer Jürgen
Klinsmann zum Kapitän der Nationalmannschaft befördert wurde.
Es ist jedoch nicht nur die Binde am Arm, die Ballack für die
DFB-Auswahl längst unverzichtbar macht. `Er ist der Kopf der
Mannschaft. Er hat Charisma, führt das Team auch in schwierigen
Phasen´, lobt Bundestrainer Joachim Löw seinen `Anführer´. Und
Ballack ist vor allem stets für Tore gut. 34 sind es in bisher 74
Länderspielen. Damit hat sich der Mitelfeldspieler, der als einer
der torgefährlichsten weltweit gilt, in der `ewigen´
DFB-Torjägerliste schon auf Platz acht vorgearbeitet.
Fußball-Größen wie Oliver Bierhoff (37), Uwe Seeler (43),
Karl-Heinz Rummenigge (45), Völler und Klinsmann (jeweils 47) sind
in Sichtweite.
Natürlich habe er in letzter Zeit `schon öfter mal auf diese
Rangliste geschielt´, gibt Ballack zu und fügte an: `Es wäre schön,
wenn ich den ein oder anderen vor mir noch einholen könnte.´
Kurzfristig möchte er aber erst einmal verhindern, `dass mein 75.
Länderspiel nicht wie mein 50. in Südkorea (1:3, d. Red.) und mein
1. gegen Schottland mit einer Niederlage endet.´
Wie lange Ballack, der bei Chelsea bis 2009 unter Vertrag
steht, noch in der Nationalelf spielen will, ist offen. Bei der
EURO 2008 will der DFB-Kapitän die Mannschaft zum lange ersehnten
großen Titel führen. Doch auch eine Teilnahme an der WM 2010 in
Südafrika will Ballack nicht ganz ausschließen.

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