Jogi Löw hebt vor dem Slowakei-Match warnend den Zeigefinger.

Löw: "Mit Sieg Weichen stellen"

10. Oktober 2006, 15:46 Uhr

Jogi Löw hebt vor dem Slowakei-Match warnend den Zeigefinger.

Nach den erfolgreichen Auftritten vor eigenem
Publikum will die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nun auch
auswärts ein Zeichen setzen und gleichzeitig einen großen Schritt
in Richtung EURO 2008 machen. Bei allem Selbstvertrauen, das die
DFB-Auswahl vor der Partie am Mittwoch (20.45 Uhr/live in der ARD)
in Bratislava gegen die Slowakei an den Tag legt, warnte Kapiän
Michael Ballack aber auch vor einem ersten Rückschlag unter
Bundestrainer Joachim Löw.
`Der Gegner ist sehr stark. Das ist Grund genug, vorsichtig zu
sein. Man kann sich in jedem Spiel etwas kaputtmachen. Deshalb muss
man immer vor Rückschlägen und zu viel Euphorie warnen´, sagte
Ballack nach der Ankunft am Dienstagmittag in Bratislava. Auch Löw
mahnte an, `dass wir Konstanz und Dominanz erst unter Beweis
stellen müssen´. Das dritte Spiel in der EM-Qualifikation sei
deshalb ein `echter Härtetest. Wir können uns auf einen heißen Tanz
gefasst machen. Wir sind uns der Wichtigkeit bewusst.´
Allerdings unterstrich Ballack auch, `dass wir große
Zuversicht ausstrahlen und an die letzten Spiele anknüpfen werden´.
Löw sieht sein Team nach zuletzt vier Siegen `sehr gut vorbereitet,
voller Zuversicht und Optimismus. Die Slowaken haben in Wales
imponiert, aber wir sind in der Lage, mit einem Sieg die Weichen zu
stellen.´
Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wartet auswärts
jedoch, abgesehen vom 13:0 gegen Fußball-Zwerg San Marino, seit
über 15 Monaten auf ein Erfolgserlebnis. Drei Niederlagen und zwei
Remis bei einem Torverhältnis von 4:10 standen vor der WM seit dem
4:1 in Nordirland am 5. Juni 2005 zu Buche. Darunter auch das 0:2
am 3. September 2005 in der Slowakei.
Doch Ballack und Löw wähnen die Mannschaft inzwischen stabil
genug, um die leidige Negativserie zu beenden. `Durch diese WM ist
die Mannschaft einen Schritt weiter. Sie hat das Zutrauen, dass sie
auch auswärts kompakt steht und nach vorne spielt´, sagte Löw, für
den die Pleite gegen die Slowaken vor 13 Monaten `keine Rolle´ mehr
spielt. Es mache keinen Sinn, darauf einzugehen, `wir haben eine
andere Mannschaft´.
Eine andere deutsche Mannschaft wird es im Stadion Tehelne
Pole in Bratislava auch im Vergleich zum Länderspiel am Samstag in
Rostock gegen Georgien (2:0) geben. Löw setzt wieder auf seine
etablierten WM-Akteure. So rücken Torwart Jens Lehmann, Philipp
Lahm, Torsten Frings, Miroslav Klose und Bernd Schneider wieder in
die Anfangsformation. Während der Leverkusener vor seinem 75.
Länderspiel steht, darf Clemens Fritz mit seinem zweiten
DFB-Einsatz rechnen. Durch die Verletzungsprobleme in der Abwehr
wird der 24-Jährige nach seinem soliden Debüt gegen Georgien auf
der rechten Seite wohl erste Wahl sein.
Der Bundestrainer kann aus dem Vollen schöpfen, nachdem Oliver
Neuville seine Achillessehnenreizung und vor allem Bastian
Schweinsteiger seine Entzündung im Ohr überwunden hat. `Für uns ist
es enorm wichtig, dass Bastian spielen kann. Er gibt wichtige
Impulse. Er kann Spiele entscheiden´, meinte Löw, der auch auf
Lukas Podolski zurückgreifen kann. Der Angreifer von Bayern München
ist trotz seiner Roten Karte gegen Georgien spielberechtigt.
Dass der Bundestrainer trotz des momentanen Tiefs auf den
21-Jährigen auch gegen die Slowaken baut, steht außer Frage. `Er
ist ein Juwel, eines der größten Talente, die es in Deutschland
gibt. Er hat in der Nationalmannschaft eine unglaubliche Quote.
Gerade wenn er in einem Leistungstief steckt, braucht er unsere
Unterstützung´, betonte Löw.
Der DFB-Coach ließ die Slowaken durch Chefscout Urs
Siegenthaler in der EM-Qualifikation dreimal beobachten, auch am
Samstag beim 5:1 in Wales. Seine Erkenntnis: `Diese Mannschaft ist
in der Offensive brandgefährlich. Ein Mintal ist immer in der Lage,
sich wie eine Schlange aus dem Nichts heraus in den Strafraum zu
schleichen und zuzuschlagen.´ Deshalb werde man laut Löw auf den
Nürnberger Marek Mintal, aber auch auf dessen Bundesliga-Kollegen
Robert Vittek und Miroslav Karhan `ein besonderes Augenmerk legen´.
Nicht beeinflussen lassen will sich die DFB-Auswahl von den
angekündigten Krawallen deutscher Hooligans. `Die mentale
Vorbereitung der Mannschaft betrifft das nicht. Wir haben zuletzt
sehr viel gemacht, haben unter anderem Anti-Randale-Aufrufe
gestartet. Mehr können wir nicht tun. Der Fußball sollte im
Mittelpunkt stehen´, sagte Löw. - Die voraussichtliche deutsche
Mannschaftsaufstellung:
1 Lehmann - 27 Fritz, 3 Arne Friedrich, 24 Manuel Freidrich,
16 Lahm - 19 Schneider, 8 Frings, 13 Ballack, 7 Schweinsteiger - 9
Klose, 20 Podolski

Autor:

Kommentieren