Zweiter Anzug für zweitrangigen Gegner: 
Joachim Löw nutzt den Test der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 
am Samstag in Rostock gegen Georgien (20.00 Uhr/live im ZDF) zu 
reichlich Experimenten.

DFB: "Jogis" Experimente

06. Oktober 2006, 14:00 Uhr

Zweiter Anzug für zweitrangigen Gegner:
Joachim Löw nutzt den Test der deutschen Fußball-Nationalmannschaft
am Samstag in Rostock gegen Georgien (20.00 Uhr/live im ZDF) zu
reichlich Experimenten.

`Wir werden das ein oder andere
ausprobieren´, kündigte der Bundestrainer an, der einigen Spielern
aus dem zweiten Glied gegen das Team des ehemaligen
Bundesliga-Trainers Klaus Toppmöller eine Chance geben wird.
`Auch wenn wir einiges testen werden, haben wir unseren Fans
und der Nation gegenüber die Verpflichtung, ein gutes Spiel
abzuliefern. Und das ist auch unser Ziel´, erläuterte Löw-Assistent
Hans-Dieter Flick kurz vor dem Abflug der DFB-Auswahl am
Freitagnachmittag von Berlin an die Ostsee, wo die Mannschaft am
Abend ihr Abschlusstraining bestritt.
Der frühere Bundesligaprofi gab zudem erste Einblicke in die
Aufstellung. So wird der Wolfsburger Mike Hanke, der bei der WM nur
im Spiel um Platz drei gegen Portugal zum Zuge kam, neben Lukas
Podolski stürmen. David Odonkor wird auf der rechten Außenbahn
spielen und aller Voraussicht nach der Bremer Clemens Fritz auf
rechts in der Viererkette sein Nationalmannschaftsdebüt geben. `Es
ist durchaus möglich, dass wir das ein oder andere neue Gesicht
sehen´, meinte Flick, der zudem bestätigte, dass Arne Friedrich
Chef der Abwehr sein wird.
`Er hat nach der WM noch einmal einen Sprung gemacht und eine
sehr positive Entwicklung genommen´, verdeutlichte Flick. Dass die
Viererkette nach dem Ausfall von Marcell Jansen erneut umgestellt
werden muss, ist für Arne Friedrich kein Problem. `Das Wichtigste
ist, dass wir mittlerweile eine super Grundordnung haben. Egal, wer
reinkommt, jeder kennt seine Aufgabe. Das ist der Schlüssel zum
Erfolg´, meinte der 45-malige Nationalspieler und führte die ersten
drei Spiele nach der WM als Beweis an, in denen Deutschland jeweils
zu null spielte.
Ebenso wie Löw betonte aber auch der Hertha-Kapitän, dass das
EM-Qualifikationsspiel am kommenden Mittwoch in der Slowakei `die
höchste Priorität´ habe. `Es ist gut, dass wir uns gegen Georgien
einspielen können, aber das Spiel gegen die Slowaken ist natürlich
weitaus wichtiger.´ Löw hatte aus diesem Grund in den vergangenen
Tagen auch seine WM-Stars Miroslav Klose, Torsten Frings, Bernd
Schneider oder auch Philipp Lahm in Watte gepackt. Klose und
Schneider, der im Ostseestadion sein 75. Länderspiel bestreiten
könnte, werden zunächst bewusst gegen die Georgier geschont, damit
sie am Mittwoch wieder topfit sind. Für Jens Lehmann steht zudem
Timo Hildebrand im Tor.
Dass aufgrund der vielen Umstellungen der Schuss nach hinten
losgehen könnte, befürchtet Flick nicht. `Wir haben auch beim 13:0
in San Marino gesehen, dass wir jeden Gegner ernst nehmen und
unsere Mannschaft zudem Spaß am Fußball hat. Wir haben uns wie
immer intensiv auf das Spiel vorbereitet und haben Respekt vor dem
Gegner, auch wenn wir natürlich in erster Linie auf unser Spiel
schauen.´
Wichtig sei in den vergangenen Trainingstagen in Berlin
gewesen, dass sich die Neulinge Piotr Trochowski, Jan Schlaudraff
und eben auch Fritz von ihrer besten Seite gezeigt hätten. `Sie
haben sich sehr gut integriert und sehr gute Arbeit geleistet. Sie
verfügen über eine hohe Qualität.´
Die habe auch Hanke in den Einheiten unter Beweis gestellt, so
Flick weiter. Der siebenmalige Nationalspieler, der eine Woche
zuvor den 1:0-Siegtreffer des VfL Wolfsburg gegen Bayern München
erzielt hatte, sprüht vor Ehrgeiz: `Das ist für mich eine
Riesenchance, mich zu zeigen. Ich will beweisen, dass ich zu Recht
bei der Nationalmannschaft dabei bin und möglichst ein Tor machen.´
Eine Schlüsselrolle kommt am Samstag Michael Ballack zu. Der
Kapitän, für seinen neuen Arbeitgeber FC Chelsea derzeit gesperrt,
soll ausgeruht im Mittelfeld die Fäden ziehen. `Er ist unser
Leader. Und sollten tatsächlich viele junge oder neue Spieler auf
dem Feld stehen, muss er ihnen die nötige Rückendeckung geben.
Ballack weiß genau, was er zu tun hat´, sagte Flick.
Auch wenn Ballack den WM-Dritten trotz der vielen personellen
Änderungen zu einem erfolgreichen Jahresabschluss vor eigenem
Publikum führen will, gab er sich einigermaßen skeptisch: `Es wird
für die Jungen nicht so einfach wie vor der WM, als man nur
Testspiele hatte. Jetzt geht es um die Quali, nicht um Experimente.
Mal sehen, ob diese Spieler auch langfristig bleiben.´ - Die
voraussichtliche deutsche Aufstellung:
12 Hildebrand - 27 Fritz, 24 Manuel Friedrich, 3 Arne
Friedrich, 16 Lahm - 22 Odonkor, 13 Ballack, 8 Frings, 7
Schweinsteiger - 20 Podolski, 9 Hanke

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