Am 29. Juni 2008 will Bernd Schneider in Wien
seine Karriere in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft krönen.

Bernd Schneider träumt vom EM-Titel

05. Oktober 2006, 17:09 Uhr

Am 29. Juni 2008 will Bernd Schneider in Wien
seine Karriere in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft krönen.

`Mein Ziel ist der EM-Titel. Das wäre dann der richtige Zeitpunkt,
um meine internationale Laufbahn zu beenden´, erklärte der
dienstälteste deutsche Internationale, der am Samstag in Rostock
gegen Georgien (20.00 Uhr/live im ZDF) sein 75. Länderspiel
bestreiten wird.
Nach dem derzeitigen Stand der Planung bis zum Sommer
übernächsten Jahres könnte Schneider im Endspiel der EURO in
Österreich und der Schweiz zum 99. Mal das DFB-Trikot tragen. `Ich
hätte kein Problem damit, mit 99 aufzuhören´, flachst der 32 Jahre
alte Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen.
Dass der aus Jena stammende Profi, der bei der WM alle sieben
Spiele der deutschen Mannschaft bestritt und einer der
herausragenden Akteure auf Seiten des WM-Gastgebers war, noch
einmal so in Schwung kommt, hätte vor einigen Jahren kaum einer
gedacht. `Nach der Weltmeisterschaft 2002 bin ich in ein Loch
gefallen´, erinnert sich der Computerfreak, der sich durch seinen
Auftritt im WM-Finale 2002 gegen Brasilien (0:2) den Beinamen
`weißer Brasilianer´ verdient hatte.
Für Schneider ist es in diesem Jahr aber kein Wunder, dass die
Titelkämpfe im eigenen Land so gut wie keine Spuren bei ihm
hinterlassen hätten. `Ich fühle mich einfach gut. Das hat auch
damit zu tun, dass ich bei der Nationalmannschaft durch die
amerikanischen Fitnesstrainer viele neue Dinge kennen gelernt habe,
die mir sehr gut tun´, erklärte der Ersatzkapitän, der bislang in
dieser Saison sowohl in der Bundesliga als auch im UEFA-Cup für
seinen Klub herausragende Leistungen geboten hat.
`In der vergangenen Saison habe ich mit Sicherheit auch davon
profitiert, dass wir mit Leverkusen frühzeitig im DFB-Pokal und im
Uefa-Pokal rausgeflogen sind und ich so einfach mehr trainieren
konnte. Zudem achtet man in meinem Alter mehr auf die Pflege und
die Regeneration´, berichtet Schneider, der auch seit Montag im
Kreis der Nationalmannschaft in Watte gepackt wurde und nur im
Hotel einige regenerative Einheiten absolvierte.
Schneider, der 1999 im Rahmen des Confed-Cups in Mexiko gegen
Neuseeland sein erstes Länderspiel bestritt, hat im Verlauf seiner
Karriere in Erich Ribbeck, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und nun
Joachim Löw bereits vier Bundestrainer/Teamchefs kennengelernt.
`Die von Klinsmann eingeführte Philosophie in der Nationalelf mit
dem offensiven Spiel kommt mir sehr zugute, zumal wir in Leverkusen
ähnlich spielen´, nennt er einen weiteren Grund für seinen derzeit
guten Lauf. Überhaupt mache ihm sein Job im Verein sowie in der
Nationalelf im Moment sehr viel Spaß, obwohl sich eine Menge
verändert habe: `Bei meinem ersten Länderspiel war ich schon 24
Jahre alt, in diesem Alter gehörst du heute schon zu den
erfahreneren Spielern.´
Für die DFB-Auswahl, bei der er dem Mannschaftsrat angehört,
ist Schneider zurzeit unverzichtbar. `Er ist ein ganz wichtiger
Mann´, sagt Löw über sein Energiebündel. `Dass er ein
hervorragender Fußballer ist, weiß man. Aber er hat im körperlichen
Bereich noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Gerade in
diesem Bereich hat er trotz seines Alters eine unglaubliche Energie
und einen großen Ehrgeiz entwickelt. Das spricht für ihn´, lobt der
Bundestrainer weiter.
Auch wenn Bernd Schneider ein wenig traurig darüber ist, dass
er den Schritt ins Ausland nie geschafft hat und somit
`möglicherweise eine wichtige Erfahrung versäumt´ hat, bezeichnet
er sich als `rundum glücklich und zufrieden.´ Dieses positive
Feeling will er auch am Samstag und erst Recht am Mittwoch
kommender Woche im EM-Qualifikationsspiel in der Slowakei auf sein
Spiel übertragen. `In Rostock können wir testen, in Bratislava
müssen wir gewinnen, um den Abstand zu einem Konkurrenten zu
erhöhen. Das ist unser vordringlichstes Ziel.´ Anschließend kann
Schneider weiter vom 29. Juni 2008 in Wien träumen.

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