Sportlich ein Flop, drumherum Top. So könnte man grob das Dilemma des VfL Duisburg Süd umschreiben. Dort sieht man die sportliche Situation nicht so tragisch.

VfL DU Süd: Optimismus

Fökelsgraben zwischen Top und Flop

23. November 2011, 10:37 Uhr

Sportlich ein Flop, drumherum Top. So könnte man grob das Dilemma des VfL Duisburg Süd umschreiben. Dort sieht man die sportliche Situation nicht so tragisch.

Die aktuelle Lage beim VfL Duisburg Süd könnte schlechter kaum sein. Jedenfalls wenn man sich an den nackten Fakten - der Tabellensituation - orientiert. Denn dem Papier und ein wenig Fußballerfahrung zufolge steht der Verein, dessen Erste in der vorigen Saison noch in der Bezirksliga spielte, bereits mit einem Bein in der Kreisliga B. Doch der Trainer des Teams, Ralf Dahlitz, lässt sich den Optimismus so schnell nicht austreiben: „Wir wollen uns so teuer wie möglich verkaufen und ich rechne mir noch Chancen aus, dass wir den Klasse halten können. Bei Mönchengladbach hat da in der abgelaufenen Saison ja auch keiner mehr dran geglaubt.“ So weit, so gut, das klingt alles ein wenig nach abgedroschenen Durchhalteparolen. Auch die Behauptung, man habe in vielen Spielen gar nicht so schlecht ausgesehen, kann nicht wirklich überzeugen, denn das allein reicht eben nicht.

"Wir waren nur in ganz wenigen Spielen wirklich chancenlos"

Das wiederum weiß Dahlitz selbst auch: „Wenn es so sein sollte, dann müssen wir halt sehen, dass wir für die nächste Saison eine gute Truppe zusammenbekommen.“ Allerdings bleibt ihm auch gar nicht viel anderes übrig. Als er seinen Job antrat, war die Situation schließlich noch sehr viel aussichtsloser als jetzt: Sein Vorgänger Emanuel di Sciacca hatte frühzeitig seinen Abgang angekündigt, woraufhin die erste Mannschaft fast geschlossen seinem Beispiel folgte. Folglich stand Dahlitz samt Abteilungsleiter Thorsten Volkmann vor der unsäglichen Aufgabe, eine komplette Besetzung für eine soeben abgestiegene Mannschaft aufzutreiben. Weil Geld als Lockmittel für den Trainer kein Thema war („Geld macht den Amateurfußball kaputt!“) wagten die beiden den eigentlich einzigen übrig bleibenden Schritt und beförderten die zweite Mannschaft, die bislang unter Dahlitz' Leitung in der Kreisliga C kickte, hinauf in A-Liga-Gefilde.

Der große Pluspunkt: das Vereinsklima

In dem Licht erscheint die offenbar mangelhafte Qualifizierung für die Kreisliga A schon gar nicht mehr so seltsam, denn verändert wurde am Reserveteam nichts. Der Coach, ist selbst seit seiner Jugend bei Süd und hat dort auch ein paar Spiele in der Landesliga gemacht, bevor er sich im Herbst seiner Karriere einen Kreuzbandriss zuzog und von seiner Frau „die Rote Karte gezeigt bekam.“ Doch er blieb seinem Verein treu und zog nun über Jahre hinweg die zweite Mannschaft heran, weshalb die weitere Zusammenarbeit auch als Cheftrainer nicht so abwegig war. „Ich hätte zwischenzeitlich sicher zu einem anderen Verein gehen können, aber hier fühle ich mich halt wohl. Und ich meine zu erkennen, dass es den Jungs genauso geht“ - was möglicherweise ein Grund dafür sein könnte, warum seine Truppe trotz konsequentem Verlieren noch nicht die Motivation verloren hat. Denn dass „jede Woche 18, 19 Mann im Training“ erscheinen, ist wirklich keine Selbstverständlichkeit. Trotzdem wird Süd versuchen, sich im Winter noch ein wenig zu verstärken, um vielleicht doch noch das unmögliche möglich zu machen und eben nicht abzusteigen. Schließlich ist auch Dahlitz klar, dass eine spätere Rückkehr sehr schwierig werden könnte: „Ich habe mit der Zweiten lange am Aufstieg in die Kreisliga B gekratzt, aber geschafft haben wir es dann nie. Die Sprünge zwischen den Ligen sind einfach sehr groß.“

Allem Optimismus zum Trotz stellen Dahlitz und Volkmann unter Beweis, dass sie nicht den Bezug zur Realität verloren haben und beschäftigen sich mit dem Abstiegsszenario. Man habe bereits mit ein paar Spielern darüber gesprochen und durchaus positive Rückmeldungen erhalten, gibt sich der Übungsleiter hoffnungsfroh und schiebt auch direkt den Grund dafür hinterher: „Selbst in dieser schlechten Situation haben wir hier ein gutes Klima. Wenn das nicht wäre...“ - diese Vorstellung scheint ihm so unerträglich zu sein, dass er den Satz gar nicht erst vollendet.

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