Es ist leider wieder einmal ein Bundesliga-Spieltag gewesen, über den jeder sprechen wird. Leider kaum darüber, worum es eigentlich ging. Nämlich das runde Leder.

Hassan's Corner

Du kannst nicht immer Hurra schreien

Hassan Talib Haji
21. November 2011, 12:10 Uhr

Es ist leider wieder einmal ein Bundesliga-Spieltag gewesen, über den jeder sprechen wird. Leider kaum darüber, worum es eigentlich ging. Nämlich das runde Leder.

Es ist eine der traurigsten Geschichten, die den Fußball in Deutschland zutiefst ins Mark treffen. DFB-Schiedsrichter Babak Rafati (41) hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Nachdem unvergessenen Freitod von Robert Enke erschütterte diese Nachricht ganz Deutschland.
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Als ich am Samstag über Sky, insbesondere das Spiel meiner Schalker Knappen, verfolgen wollte, blieb mir mein Bier im Hals stecken. Ich hörte diesen Satz der Sky-Redaktion: “Das Spiel Köln gegen Mainz wurde abgesagt.” Im ersten Moment dachte ich mir, was da denn schon wieder los sei? Bis mir bei dem Satz “Schiedsrichter Babak Rafati hat versucht, sich das Leben zu nehmen” bewusst wurde, dass es wichtiger ist und dass es etwas ist, was einem den Atem nimmt und dich innehalten lässt.

Die restlichen Bundesligaspiele wurden pünktlich angepfiffen. Dennoch entwickelte ich keine Fußballfreude, jeder Fangesang war komisch für mich zu empfinden. In gewissen Abständen kamen immer mehr Meldungen und es wurden Einzelheiten berichtet. Babak Rafati ist nicht zur Besprechung des Schiedsrichter-Gespanns gekommen, reagierte nicht auf Anrufe und auf das Klopfen an seine Hotelzimmertür. Daraufhin wurde die Tür geöffnet und man fand ihn wohl leblos in der Badewanne.

Theo Zwanziger sagte in einer PK: “Es gab viel Blut zu sehen.” Ungeachtet von diesem traurigen Vorfall kann ich es nicht verstehen, warum man die Fans im Stadion nicht soweit aufgeklärt hat, dass sie genug Wissen hatten um (natürlich) nicht zu pfeifen als die Spielabsage bekannt wurde. So wie ich es vernommen habe, wurde ihnen nur gesagt, dass der Schiedsrichter nicht erschienen ist (bitte korrigiert mich wenn das nicht richtig ist!!!). Warum sagt man nicht, dass es ein Unglück gab und der Schiedsrichter deswegen nicht kommen konnte? Die Fans pfeifen, was nach der Info natürlich klar war. Da wurden die Fans des Effzeh und auch die Anhänger der Mainzer nicht ausreichend in Kenntnis gesetzt, zumindest soweit, dass sie eines Menschens Verstand haben und angemessen reagieren können.

Nun geht durch alle Foren was das doch für asoziale Fans seien, die bei sowas pfeifen. Die Anhänger des 1. FC Köln und des FSV Mainz 05 gehören zu den besten Fans der Bundesliga und wären sie anders und ja auch besser informiert worden. Dann wäre es im Stadion nicht so passiert, wie es passiert ist.

Das soll kein Vorwurf sein, sondern eine Bitte in Ausnahmefällen den Versuch zu unternehmen, weiter zu denken - zumindest soweit, wie es der eigene Schock zulässt.
Nun redet jeder über eine Drucksituation und dass es eine gibt. Das wussten doch alle Verantwortlichen vorher. Auch wir Fans! Natürlich bin auch ich einer gewesen, der über Schiedsrichter und deren Entscheidungen geschimpft hat, vor allem wenn es gegen meinen FC Schalke 04 ging. Wir beklagen nun wieder einen Fall, der in Deutschland schlichtweg nicht zu ändern ist. Ich meine damit nicht den “Vorfall” an sich, sondern dass es diese Drucksituation gibt. Ein Schiedsrichter der Bundesliga muss einiges aushalten, vieles davon ist richtig, aber auch vieles ist nicht korrekt. Damit prangere ich den Umgang mit Teilnehmern des öffentlichen Leistungssports an und schließe mich persönlich vollkommen und dem ganzen Umfang gerecht ein!
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Nun gilt es jedoch auch zu beachten, dass wir nicht alle Hintergründe kennen und das private Umfeld natürlich nicht einschätzen können. Mir war es wichtig, dass so zu schreiben wie ich es empfunden habe und ich hoffe, dass ihr euch ein Stück weit angesprochen und zum Nachdenken bewegt fühlt. Wenn ein Mensch solch eine “Lösung” wählt, dann haben zwei Parteien etwas nicht richtig gemacht. Der Mensch selbst und die Anderen. Das weiß ich, weil ich das was Herr Rafati gemacht hat, leider auch gemacht habe. Zweimal.

Die Anderen sind wir, wie es in Babak Rafati aussieht und welches Leid er verspüren musste, um sich sowas anzutun, wird hoffentlich niemals öffentlich geklärt und ans Tageslicht kommen. Denn das geht nur ihn etwas an…

Danke fürs Lesen meiner Zeilen.

Glück auf Herr Rafati. Glück auf den Kölnern, Glück auf den Mainzern – Glück auf dem deutschen Fußball!

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Autor: Hassan Talib Haji

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