Zu Saison-Beginn kassierte der VfL in den ersten vier Spielen drei Pleiten. So stand plötzlich am fünften Spieltag für Philipp Heerwagen Andreas Luthe im Tor.

VfL: Luthe im Interview

"Ich habe den schönsten Job der Welt"

21. November 2011, 09:06 Uhr

Zu Saison-Beginn kassierte der VfL in den ersten vier Spielen drei Pleiten. So stand plötzlich am fünften Spieltag für Philipp Heerwagen Andreas Luthe im Tor.

Die Premiere gegen Arminia Bielefeld am 22. September 2010 glückte (3:1), auch wenn der neue Torhüter bei einem 35-Meter-Freistoß von Oliver Neuville nicht gut aussah. Luthe tobte damals nicht zu Unrecht „Mit dem neuen Ligaball Torfabrik hat man den Keepern einen Bärendienst erwiesen.“ Doch es blieb ein Fehler ohne Folgen, denn seitdem hütete 24-Jährige insgesamt 48 Pflichtspiele in Folge das Tor des VfL mit zunehmendem Erfolg. Vor der 49. Begegnung am Montag gegen Cottbus sprach RS mit der Bochumer Nummer eins.

Herr Luthe, hat sich ihr Leben seitdem verändert?

Die Anteilnahme an der Öffentlichkeit ist größer geworden. Doch im Vergleich zu Erstligakollegen hat man in Bochum noch ein ruhiges Privatleben. Überhaupt habe ich kein Problem mit den Anhängern, ganz im Gegenteil, ich finde es prima wenn sich die Leute dafür interessieren was ich mache und an unserem Vereinsleben teilhaben. Wenn es mir dann mit meiner Leistung noch gelingt, zu ihrem Wohlbefinden beizutragen, dann ist das umso besser. Ich bin ja nicht ein Typ, der Abends viel in der Stadt unterwegs ist, wenn ich aber da bin, dann werde ich schon relativ häufig erkannt. Das macht mir nichts aus, denn es ist sicherlich auch ein Gradmesser dafür, dass ich einen guten Job mache.

Genießen Sie ihr derzeitiges Leben als Stammkeeper des VfL?

Ja, denn ich weiß, dass ich dafür in den letzten Jahren sehr, sehr hart gearbeitet habe. Hinzu kommt, dass die medizinische Abteilung meine Rückenbeschwerden recht gut in den Griff bekommen hat. Ich brauche mir also derzeit gesundheitlich keine Gedanken machen. Ich weiß, dass ich zu einem Teil der Menschen gehöre, denen es sehr gut geht. Ich denke man kann viele kleine VfL-Fans auf der Straße fragen, ob sie mit mir tauschen möchte und sie würden antworten: „Sofort!“

Das Vorurteil „Torhüter und Linksaußen haben einen Tick“ ist auch heute noch weit verbreitet.

Ich denke, dass sich dort gerade auf der Torwartposition ein Wandel vollzogen hat. Die Systeme haben sich geändert, das Spiel ist komplexer geworden, man wird durch ausländische Mitspieler mit neuen Sprachen konfrontiert, der Umgang mit den Medien ist intensiver geworden. Ich glaube, dass im sogenannten modernen Fußball nicht nur eine gewisse Spielintelligenz von großem Vorteil ist.

Wie ist das mit den Medien?
Da habe ich keine Probleme. Journalisten gehören zu unserem Beruf dazu, aber man muss vorsichtig sein, darf sich nicht verheizen lassen. Und man sollte auch ein Gespür dafür entwickeln können, was man über persönliche Dinge herauslässt, da gibt es mit Sicherheit Grenzen.

Gab es schon gravierende Tiefpunkte in ihrer noch jungen Karriere?
Nein. Seit ich vor drei Jahren meinen ersten Profivertrag unterzeichnet habe, ging es stetig bergauf. Aber ich bin mir sicher, dass es noch Nackenschläge gibt. Es wäre zumindest sehr ungewöhnlich, wenn es nicht so wäre. Darauf bin ich ganz gut vorbereitet, aber bislang ist es sehr gut gelaufen.

Waren Sie in der laufenden Spielzeit mit sich schon mal richtig unzufrieden?
Nein, ein richtig schlechtes Spiel habe ich noch nicht gemacht. Aber ich habe in der vergangenen Saison mit meiner Leistung die Latte sehr hoch gelegt. Daran werde ich gemessen und bei drei Spielen ist die Wertung zulässig, dass ich einen Fehler gemacht habe. Das war gegen Ingolstadt, gegen Paderborn und gegen Duisburg, da hatte mir die richtige Position gefehlt und das wird im Fußball gnadenlos bestraft.

Ihr Vertrag läuft im Sommer 2013 aus. Was passiert dann?
Ganz ehrlich, ich habe mich mit diesem Thema noch überhaupt nicht beschäftigt. Fest steht: Ich bin sehr gerne hier. Seit meinem 14. Lebensjahr habe ich in Bochum darauf hingearbeitet, die Nummer eins beim VfL zu werden, das habe ich geschafft. Meine erste Saison als Profi war in der Liga eins, da möchte ich mit dem VfL wieder hin, denn der Abstieg hängt mir noch ein wenig nach. Ich habe einen Vertrag mit dem ich sehr zufrieden bin, und ich denke wenn der ausläuft haben wir den Aufstieg gerade perfekt gemacht.

Wie werden Sie reagieren wenn im Sommer der VfL mit einem neuen Vertragsangebot auf Sie zukommt?
Dass ich gesprächsbereit bin mit dem Verein, dem ich alles zu verdanken habe, das versteht sich doch von selbst.
Würden Sie die Arbeit von Friedhelm Funkel und Andreas Bergmann miteinander vergleichen?
Das würde ich grundsätzlich nicht tun. Ich werde niemals negative Aussagen über ehemalige oder derzeitige Vorgesetzte in der Öffentlichkeit tätigen. Das ist ein schlechter Stil. Ich bin von meine Selbstverständnis her – und so fühle ich mich auch – ein Angestellter eines Unternehmens, so arbeite ich und so verhalte ich mich. Der jeweilige Trainer ist mein Chef und da habe ich meine Arbeit abzuliefern und deshalb verbietet sich jegliche Kritik.

Ergänzen Sie bitte den Satz: „Das Profiteam des VfL ist...“?
...eine tolle Truppe, die noch viel Entwicklungspotenzial hat und mit der wir in Zukunft noch viel Spaß haben werden. Da freue ich mich drauf.

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