Multitalent Collina kassiert ab

vas
14. November 2003, 12:04 Uhr

Italiens Schiedsrichter Pierluigi Collina ist zu einem der begehrtesten Werbeobjekte aufgestiegen. Der Unparteiische verdient mittlerweile als Werbestar, Buchautor und Finanzberater mehr als durch das Leiten von Spielen.

Auf dem Fußballplatz ist Schiedsrichter Pierluigi Collina schon lange ein Star. Nun steht der 43-Jährige aus der toskanischen Kleinstadt Viareggio regelmäßig auch abseits der berühmtesten Stadien der Welt im Rampenlicht. Der glatzköpfige Unparteiische ist zum Liebling der Werbeagenturen aufgestiegen und verdient mit seinen Nebenbeschäftigungen mehr als durch das Pfeifen.

In Italien wirbt Collina für tiefgekühlte Lebensmittel, Sportschuhe und Herrenkleidung, seit einigen Tagen sogar für rosa Toilettenpapier. Ein Spot, in dem er zusammen mit einem lustigen außerirdischen Monster auftritt und tiefgefrorene Crepes verschlingt, ist in Italien in wenigen Tagen zu einem Kult geworden. Auch in der Spotserie des neuen Bezahlsenders Sky Italia ist der Schiedsrichter der unbestrittene König.

Collina "verdient wie Fußballstar"

Für einen Werbespot kassiert der Schiedsrichter mit dem stechenden Blick rund 100.000 Euro. "Collina hat um sein Image ein Wirtschaftsimperium aufgebaut. Der beste Schiedsrichter der Welt verdient schon wie ein Fußballstar", berichtete die römische Tageszeitung Il Messaggero, die Collinas jährliche Einnahmen auf 580.000 Euro taxiert.

Nur die Hälfte davon verdient er durch seine Tätigkeit als Referee. Über 250.000 Euro kassiert er mit Werbung und 100.00 Euro dank seiner Arbeit als Finanzberater. Hinzu tritt er häufig als Model für die römische Nobeldesignerin Laura Biagiotti auf, deren eleganten Anzüge er leidenschaftlich trägt.

Schiedsrichter vermarktet sich weltweit.

Werbung beschert Collina auch im Ausland großen Erfolg. Überall in Japan lächelt er von Werbeplakaten, im Fernsehen war er öfter in Werbespots für den deutschen Sportartikel-Hersteller adidas mit den Stars Zinedine Zidane und Raul zu sehen, was ihm jedoch im vergangenen Jahr einige Probleme beschert hatte.

Die vom adidas-Konkurrenten Nike ausgerüsteten Spieler der brasilianischen Nationalmannschaft behaupteten, Collina könne im WM-Finale gegen Deutschland in Yokohama die Interessen seines Sponsors aus Herzogenaurach verfolgen. Doch der Glatzkopf bestand auch diesen Härtetest und war vor Jahresfrist einer der souveränsten Leute im International Stadium von Yokohama beim WM-Endspiel.

Auch als Buchautor erfolgreich

Collina ist nicht zu bremsen. Kürzlich veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel "Die Regeln des Fußballs", das bei der Frankfurter Buchmesse vorgestellt und in neun Sprachen übersetzt wurde. Immer häufiger hält er Seminare an italienischen Universitäten. Hinzu kümmert er sich persönlich um die Kontakte mit seinem Fan-Klub über die eigene Homepage (http://www.pierluigicollina.it).

Das turbulente Leben Collinas, der durch eine Stoffwechselkrankheit sein Haare verlor, darf nicht beirren. Der zweifache Familienvater und promovierte Ökonom, der Italienisch, Spanisch, Französisch und Englisch spricht, versichert, dass trotz seiner vielfältigen Tätigkeiten Fußball weiterhin seine Priorität bleiben wird. "Ich liebe neue Herausforderung, doch Fußball ist mein Leben", lautet das Motto Collinas, der bereits fünfmal zum besten Schiedsrichter der Welt gekürt wurde.

DFB verwirrt Collina

Nur einmal wirkte er im übrigen in seiner Karriere als Unparteiischer ein wenig konsterniert: Als er vor Jahren ausgerechnet vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen Fön als Präsent überreicht bekam ...

Autor: vas

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