Deutsche

Deutsche Hooligans sorgen erneut für Randale

Mayer-Vorfelder tief betroffen

04. September 2005, 13:23 Uhr

Deutsche "Fans" haben nach dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in Bratislava gegen Gastgeber Slowakei erneut für schwere Randale gesorgt. Dabei wurden sechs Personen verletzt, davon eine schwer.

Deutsche "Fans" haben neun Monate vor der Weltmeisterschaft den WM-Gastgeber erneut in ein schlechtes Licht gerückt. Nach den Ausschreitungen Ende März in Slowenien sorgten einige Krawallmacher nach dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in der Slowakei (0:2) wieder einmal für schwere Randale. Dabei wurden in Bratislava sechs Personen verletzt, davon einer schwer. Die Polizei nahm zwei "Fans" in Gewahrsam.

Schlägerei mit den Sicherheitskräften

Einige unverbesserliche Chaoten unter den insgesamt rund 500 deutschen Fans hatten nach dem Spiel eine Absperrung durchbrochen und sich mit slowakischen Sicherheitskräften eine wüste Schlägerei geliefert. Schon während der Partie waren die Randalierer mit rechtsradikalen Parolen aufgefallen.

"Das große Problem ist speziell bei Auswärtsspielen in ehemaligen Ostblockstaaten das dort vor Ort Karten an Chaoten verkauft werden, denen es gar nicht um Fußball geht. Das ist bedauerlich und betrüblich. Es wirft ein schlechtes Licht auf Deutschland. Man muss sich dafür schämen und kann sich nur entschuldigen. Die Fans, die in Deutschland Karten erworben haben, waren alle anständig", sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder am Sonntagvormittag in Bratislava. Nach dem Spiel war es in der Innenstadt zu keinen weiteren Vorfällen gekommen.

"Es ist deprimierend, wenn man sieht, dass trotz aller getroffenen Maßnahmen sich solche Vorfälle wiederholen", sagte DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt auf sid-Anfrage. "Ich schäme mich für unsere Landsleute", erklärte auch DFB-Sicherheitsexperte Alfred Sengle, "das wirft nicht nur einen Schatten auf den deutschen Fußball, sondern auf ganz Deutschland - und das vor so einem Großereignis wie die WM".

Schmidt, als Vizepräsident im WM-OK unter anderem für Sicherheitsfragen zuständig, befürchtet allerdings keine Auswirkungen auf das WM-Turnier im kommenden Jahr (9. Juni bis 9. Juli): "Die sicherheitsrelevanten Voraussetzungen bei einem Auswärtsspiel und einem Turnier zu Hause sind nicht zu vergleichen. Glücklicherweise kennen wir bei unseren Heimspielen solche Ausschreitungen nicht mehr."

Ähnlich sieht es auch der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger. "Hier handelte es sich um ein Auslands-Länderspiel in einem nicht ausverkauften Stadion. Bei der WM werden die Karten nur unter strengstens Sicherheitsvorkehrungen abgegeben", erklärte er im DSF.

Schmidt übte zugleich Kritik an den slowakischen Behörden, die offenbar die Hinweise aus Deutschland nicht ernst genug genommen hatten. "Es hat viel an Kraft gekostet, den slowakischen Kollegen zu erklären, was auf sie zukommt. Aber sie konnten es trotzdem nicht verhindern", meinte der OK-Vize.

Sengle nahm die Slowaken aber in Schutz: "Es gibt nach den neuen EU-Richtlinien keine ausreichenden Möglichkeiten, zu verhindern, dass Leute ins Land kommen, die man nicht haben will." Noch am Mittag vor dem Spiel hatten Sengle, Schmidt und auch der für den Sport zuständige Innenminister Otto Schily die Problematik besprochen.

Bestürzung über die Vorfälle, die sich unweit des deutschen Mannschaftbusses ereignet hatten, herrschte auch bei den Spielern. "Wir sind WM-Gastgeber, wir vertreten Deutschland. Das ist traurig. Ich hoffe, dass es Konsequenzen gibt", meinte Bastian Schweinsteiger stellvertretend für seine Kollegen. Nationalmannschaft-Manager Oliver Bierhoff stellte klar: "Es gibt ein klares Bekenntnis des DFB gegen Gewalt."

Dieses hatte die Nationalmannschaft nach ähnlichen Vorfällen in Slowenien (1:0) am 26. März gegeben, als deutsche "Hools" ebenfalls für eine Spur der Verwüstung gesorgt hatten. Rund 50 Festnahmen hatte es in Celje gegeben, zwei Polizisten waren verletzt worden. "Wir schlagen unsere Gegner auf dem Feld und nicht auf der Tribüne", lautete die anschließende Botschaft der Mannschaft. In Bratislava hat beides nicht geklappt.

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