Die User-Frage:

Schädigen billige Schuhe die Füße?

RS
21. August 2006, 22:22 Uhr

"Wie wichtig ist es, passgenaue Fußballschuhe zu tragen? Mache ich mir mit "billigen Tretern" die Füße kaputt?"

Diese erste Userfrage beantworten die beiden Sportmediziner Dr. Matthias Manke und Dr. Jörn Heinze in einem Beitrag für revierkick.de.

Die Fußballschuhe sind das Werkzeug des Fußballspielers – daher sollte man bei der Wahl seiner neuen Schuhe in erster Linie nicht auf deren Aussehen, sondern auf deren Passgenauigkeit achten. Der Schuhkauf sollte am Nachmittag oder Abend erfolgen, da sich die Füße im Laufe des Tages ausweiten. Die Anforderungen für einen Fußballschuh sind sehr hoch: Der Spieler muss bequem in ihm laufen können, Sprintläufe, plötzliches Abbremsen und schnelle Richtungswechsel sollten in ihm gut durchgeführt werden können – und schließlich soll man mit ihm noch zielgenau treffen können. All dies fordert einen guten strapazierfähigen Schuh. Der Schuh sollte aus Leder bestehen – dieses Material ist gut belastbar und verhindert im Gegensatz zu Schuhen aus synthetischen Materialien einen „Saunaeffekt“.

"Der Schuhkauf sollte am Nachmittag oder Abend erfolgen, da sich die Füße im Laufe des Tages ausweiten."

Die Sohle sollte trotz geringem Gewicht eine gute Stabilität bieten, damit es nicht zu Verdrehungen im Fußbereich kommt. Die Innensohle sollte dabei stoßdämpfend sein. Wenn all diese Eigenschaften von einem Schuh erfüllt werden, kann man ihn kaufen – egal, ob er 40, 100 oder 200 Euro kostet. Der Preis ist nicht das Entscheidende, sondern die Passgenauigkeit und die Qualität.[infobox-right]Kontakt
Solltet ihr Fragen zu diesem Thema haben – oder einen Termin in der Sportambulanz der Orthopädischen Klinik im St. Josef-Hospital Bochum vereinbaren, schreibt bitte eine E-mail an: Matthias_Manke@web.de oder Jörn.Heinze@web.de[/infobox]

Hat man sich nun einen passgenauen Schuh zugelegt, ist man jedoch noch nicht mit dem Schuhwerk am Ende. Im Gegensatz zu den Profispielern, bei denen die Schuhe maßgeschneidert sind, hat der Amateurfußballer nun einen Schuh „von der Stange“. Und diesen gilt es noch zu perfektionieren: Hierzu sollte ein Orthopäde bzw. Sportmediziner aufgesucht werden. Dieser untersucht den Fuß auf Veränderungen wie z. B. einen Spreizfuß. Der Spreizfuß ist in unseren Landen weit verbreitet – doch kaum einer weiß, dass er einen hat. Steigert man jedoch seine sportliche Aktivität, so kann der Fuß trotz vermeintlich passgenauem Schuhwerk schon mal schmerzen. Eine maßgeschneiderte orthopädische Sporteinlage kann hier in der Mehrzahl der Fälle Abhilfe schaffen. Durch sie wird der Fuß in seine ursprüngliche Form gebracht und stabilisiert.

"Der Preis ist nicht das Entscheidende, sondern die Passgenauigkeit und die Qualität."

Das falsche Schuhwerk kann dementsprechend zum Fortschreiten der Fußveränderungen mit Ausbildung von Druckstellen führen. Synthetische Obermaterialien können die Entwicklung von Fußpilz begünstigen. Der perfekte Fußballschuh ist also ein passgenauer Schuh mit orthopädischer Schuheinlage nach Maß.

Bei jahrelangem Tragen von nicht passenden Schuhen oder in der Regel von zu kleinen Schuhen beim Fußballer (denn der Fußballer denkt sich: Ist der Schuh klein, habe ich tollen Halt und der Torschuss kommt um so
optimaler) kann es neben dem Auftreten von Druckstellen, die sich entzünden können, zu Fußdeformitäten kommen mit z. B. Ausbildung eines Hammerzehs oder Krallenzehes sowie zu chronischen Vorfuß- und/oder Mittelfußschmerzen. Diese Erscheinungen müssen dann z. T. operativ versorgt werden. Als Vorbeugung daher: gutes Schuhwerk.

Autor: RS

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