Jürgen Klinsmann will die Asien-Reise mit der deutschen Nationalmannschaft dazu nutzen, allen Neulingen Spielpraxis zu verschaffen. Darüber hinaus soll sich das Team spielerisch weiterentwickeln.

Klinsmann sieht Asien-Tour als Lernbaustein

13. Dezember 2004, 10:39 Uhr

Jürgen Klinsmann will die Asien-Reise mit der deutschen Nationalmannschaft dazu nutzen, allen Neulingen Spielpraxis zu verschaffen. Darüber hinaus soll sich das Team spielerisch weiterentwickeln.

Am Montag hat die deutsche Nationalmannschaft ihre zehntägige Asien-Tour in Angriff genommen. Bundestrainer Jürgen Klinsmann hofft, dass seine Schützlinge noch enger zusammenrücken und dass sich die Mannschaft weiterentwickelt. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) verspricht der frühere Bundesliga-Profi, alle Neulinge einzusetzen.

Frage: "Jürgen Klinsmann, was erwarten Sie in erster Linie von der Asien-Reise der deutschen Nationalmannschaft?"

Jürgen Klinsmann: "Zunächst einmal erhoffe ich mir eine Weiterentwicklung unserer Mannschaft, die Schritt für Schritt weiter wachsen und unsere neue Spielweise verinnerlichen soll. Wir wollen in diesen zehn Tagen als Mannschaft noch enger zusammenrücken. Zudem bin ich neugierig, wie sich die neuen Spieler auf dieser Reise präsentieren werden. Ich sehe die Tour als weiteren Lernbaustein, wir werden mit dem Trainerstab viele Einzel- und Gruppengespräche führen."

Unglückliche Bundesligisten

Frage: "Die Bundesligisten sind nicht sonderlich glücklich darüber, dass nach der anstrengenden Hinrunde am Jahresende noch die strapaziöse Asien-Reise auf dem Programm steht..."

Klinsmann: "Selbstverständlich nehmen wir darauf Rücksicht. So werden wir darauf achten, dass die Spieler nicht dreimal 90 Minuten auf dem Platz stehen. Zudem werden alle Neuen zum Einsatz kommen. Wir werden auch in erster Linie Wert auf Regeneration legen und nicht so oft auf dem Trainingsplatz sein. Dafür werden wir im Hotel aktive Erholung betreiben. Unterstützt werden wir dabei wieder von dem Amerikaner Jack Forsythe, der unseren Fitnesstrainer Oliver Schmidtlein unterstützt. Die Spieler werden die nötigen Pausen bekommen."

Frage: "Stört so viel Regeneration denn nicht die Konzentration auf die Spiele?"

Klinsmann: "Nein, auf dem Platz wollen wir Gas geben und alle drei Spiele gewinnen. Wir wollen an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen und uns von der besten Seite zeigen, nicht zuletzt, weil dies auch aus Sicht des Marketings wichtig ist. In den Spielen wollen wir das Heft in die Hand nehmen und nicht reagieren."

Frage: "In Hans-Dieter Hermann gehört erstmals ein Sport-Psychologe zum Betreuer-Team des DFB. Was wird seine Aufgabe während der Reise sein?"

Klinsmann: "Zunächst einmal soll er sich in unseren medizinischen Stab integrieren. Ferner wird er den Spielern, aber auch uns Trainern erklären, wie er sich die Zusammenarbeit vorstellt und was er leisten kann. Der Schritt, einen Sport-Psychologen mit ins Team zu holen, war im Fußball längst überfällig."

Frage: "Legen Sie ähnlich wie im Iran auch wieder Wert auf ein Kulturprogramm für die Spieler?"

Klinsmann: "Die Spieler werden genug Freizeit bekommen. Sie können Weihnachts-Einkäufe erledigen oder sich die Sehenswürdigkeiten anschauen - jeder wie er will. In Japan werden wir zudem noch etwas auf die Beine stellen, denn in Guido Buchwald und Pierre Littbarski haben wir zwei ortskundige Bekannte, die uns beraten werden. Ich bin sicher, dass diese Reise für alle ein Erlebnis wird."

Frage: "Ein Wort noch zur Bundesliga-Hinrunde?"

Klinsmann: "Die Bundesliga macht riesig Spaß, wir haben viele fantastische Spiele gesehen. In den Stadion herrscht überall ein tolle Atmospähre, auch deshalb, weil es überall gewaltfrei zugeht und somit die Familien wieder zum Fußball gehen. Natürlich freut mich auch, dass unsere Mannschaften bislang im Europacup überzeugt haben. Und wichtig ist auch, dass eine junge Generation nachkommt, was sich ja auch schon in der Nationalmannschaft bemerkbar macht. Zudem spürt man schon überall eine tolle Vorstimmung auf die WM 2006."

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