Das heutige Testspiel der deutschen Nationalmannschaft im Iran wird vom Torwartstreit zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann überschattet. Während Lehmann heute im Tor stehen wird, schießt Kahn aus der Heimat.

Torwartstreit überschattet Länderspiel im Iran

tw
09. Oktober 2004, 08:36 Uhr

Das heutige Testspiel der deutschen Nationalmannschaft im Iran wird vom Torwartstreit zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann überschattet. Während Lehmann heute im Tor stehen wird, schießt Kahn aus der Heimat.

Vor dem Länderspiel gegen den Iran am heutigen Samstag (Anstoß 18.00 Uhr MESZ/live im ZDF), muss Bundestrainer Jürgen Klinsmann eine Lösung für den eskalierenden in der Torwartstreit finden. Während Jens Lehmann sich auf seinen 20. Einsatz im DFB-Dress vorbereitet, schießt Rivale Oliver Kahn mit großen Geschützen aus der Heimat. Im Zwist mit seinem Dauerrivalen Jens Lehmann forderte der 35-Jährige Bundestrainer Jürgen Klinsmann nun sogar unmissverständlich auf, endlich ein Machtwort zu sprechen.

Klinsmann hatte auch deshalb am Freitag alle Mühe, die Konzentration auf das Länderspiel zu lenken. Dennoch war er um Gelassenheit bemüht. "Für uns sind der Rummel, der hier herrscht, und die Nebengeräusche aus der Heimat kein Problem und erst einmal zweitrangig. Das habe ich auch der Mannschaft gesagt. Darüber werden wir uns nach der Rückkehr unterhalten", sagte der 40-Jährige, fügte aber vieldeutig an: "Ich habe nichts gegen einen Schlagabtausch, solange man gegenseitig den Respekt behält. Der aber geht derzeit immer weiter verloren."

In der Tat sorgte nun Kahn via Bild-Zeitung dafür, dass der Zweikampf um die Nummer eins immer mehr außer Kontrolle gerät. "Die Situation musste irgendwann eskalieren. Sie hat sich immer weiter zugespitzt", meinte der Keeper von Bayern München, der eine schöpferische Pause erhalten hatte und deshalb nicht mit in den Iran gereist war, und forderte Klinsmann auf zu handeln: "So darf es nicht weitergehen. Es muss zu einer internen Lösung kommen. Lehmann provoziert dauernd. Vielleicht will er, dass ich zurücktrete. Oder dass Torwarttrainer Sepp Maier hinschmeißt. Das sind doch alles ungute Tendenzen. Das ist doch Wahnsinn." Er habe nichts gegen einen Konkurrenzkampf, so Kahn weiter, "aber auf dem Platz, nicht mit dem Mund".

Lehmann formuliert Ansprüche

Lehmann, der am Samstag sein 20. Länderspiel bestreiten wird, hatte seinerseits in dieser Woche wieder einmal seine Ansprüche ("Bei der WM 2006 stehe ich im Tor") formuliert und gleichzeitig Bundestorwarttrainer Sepp Maier attackiert ("Was er zum Fußball sagt, ist manchmal Quatsch"). Dies wiederum hatte Maier veranlasst, Lehmann anzugehen. Der könne sich aufhängen, Kahn sei immer der bessere Torwart.

Klinsmann will den Fokus mehr auf das Spiel lenken und machte deshalb deutlich, "dass wir hier eine klare Aufgabe haben. Für uns ist das ein weiterer wichtiger Test für 2006, den wir gewinnen wollen. Wir wollen die positiven Ansätze fortführen." Bei allem Respekt vor dem Iran wolle man erneut auch nach vorne spielen, "wir werden, wohl wissend, dass der Iran von 100.000 Zuschauern unterstützt wird, unser eigenes Spiel machen".

Der Jugend eine Chance

Dabei scheut sich Klinsmann wohl auch nicht, weiterhin der Jugend eine Chance zu geben. Zwar wollte er zur Aufstellung am Freitag nicht viel sagen, möglicherweise erhalten aber Per Mertesacker (20) in der Abwehr und Thomas Hitzlsperger (22) im Mittelfeld anstatt der erfahrenen Christian Wörns und Bernd Schneider eine Bewährungschance von Beginn. Die Aussage des Bundestrainers, dass er jungen Spieler eine Möglichkeit geben will, "sich zurechtzufinden", kann durchaus in diese Richtung gedeutet werden. Von seiner Nominierung im zentralen defensiven Mittelfeld für den verletzten Torsten Frings kann dagegen Fabian Ernst ausgehen. Klinsmann dazu: "Das ist sehr gut möglich."

Autor: tw

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