Erstmals hat Jürgen Klinsmann öffentlich sein Interesse am Amt des DFB-Teamchefs bekundet.

Klinsmann: "Dieser Posten ist für mich eine Ehre"

24. Juli 2004, 14:21 Uhr

Erstmals hat Jürgen Klinsmann öffentlich sein Interesse am Amt des DFB-Teamchefs bekundet. "Wir werden noch weitere Gespräche führen. In den nächsten Tagen geht es ans Eingemachte", erklärte der Ex-Nationalspieler.

Die Chancen auf ein Engagement von Jürgen Klinsmann als DFB-Teamchef stehen gut. Der ehemalige Nationalstürmer hat erstmals öffentlich sein konkretes Interesse am Amt des zurückgetretenen Rudi Völler bekundet. "Meine Rolle sollte die eines Teamchefs sein. Dieser Posten ist für mich eine Ehre. Wir werden noch weitere Gespräche führen, und ich werde mir aus dem Umfeld weitere Informationen einholen. In den nächsten Tagen geht es ans Eingemachte", sagte Klinsmann am Samstag direkt nach seiner Ankunft auf dem Frankfurter Flughafen.

"Will eine federführende Rolle spielen"

Der frühere Bayern-Angreifer war aus den USA zu weiteren Gesprächen mit dem DFB über seine Vorschläge für Strukturveränderungen bei der Nationalmannschaft nach Frankfurt gekommen. "Ich will eine federführende Rolle spielen, wenn es darum geht, ein Team für die Nationalmannschaft aufzubauen. Für mich ist wichtig, dass sich der DFB öffnen wird´, erklärte der 39-Jährige am Samstag nach seiner Ankunft aus Los Angeles in Frankfurt schon vor den Gesprächen mit der Trainerfindungskommission (TFK) des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Greifbare Ergebnisse werden am Wochenende allerdings noch nicht erwartet.

Dafür kündigte der Schwabe für die geplanten Treffen mit der TFK erneut seine Entschlossenheit zu umfassenden Reformen von Strukturen im DFB an. "Wir müssen rund um die Welt schauen, auch schauen was passiert bei anderen Klubs und Verbänden. Ja sogar andere Sportarten müssen wir genau betrachten. Im Basketball gibt es ja auch einen Wurftrainer. Wir sollten überall reinschnuppern und uns für neue Strukturen und Programme öffnen", skizzierte der 108-malige Nationalspieler seine Vorstellungen.

Auch Bierhoff und Osieck im Gespräch

Neben Klinsmann sollen Oliver Bierhoff, einst wie sein designierter "Chef" Kapitän der DFB-Auswahl, und Weltmeister-Trainer Holger Osieck dem Team angehören. Über konkrete Aufgabenverteilungen innerhalb des Triumvirats wurde laut Klinsmann aber noch nicht gesprochen. "Die Personen, die noch dazu kommen sollen, müssen einfach passen. Die Kompetenzen müssen klar verteilt werden. So eine Entscheidung kann man nicht von heute auf morgen fällen", sagte der Berater des US-Proficlubs Los Angeles Galaxy.

Nach Bild-Informationen würde den DFB das "Dreigestirn" jährlich rund zehn Millionen Euro kosten. "Trainer-Lehrling" Klinsmann, der seinen A-Schein 2000 im Lehrgang für verdiente Nationalspieler im Schnelldurchgang erworben hat, soll als Teamchef fünf Millionen Euro pro Jahr verdienen, der designierte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff drei Millionen Euro und Trainer Osieck zwei Millionen Euro. Zudem möchte Klinsmann nach US-Vorbild "Mentaltrainer und Schnelligkeitstrainer" rund um das Team des Vizeweltmeisters etablieren.

Völler-Rückkehr ins nähere Umfeld möglich

Selbst eine Rückkehr von Rudi Völler ins nähere Umfeld des DFB-Teams steht weiter im Raum. "Ich habe lange mit Rudi telefoniert. Er wird beim DFB immer im Boot sein, man kann immer auf ihn zählen. Er hat die Mannschaft in den letzten vier Jahren aus dem Eff-Eff aufgebaut und bombastische Arbeit geleistet", meinte Klinsmann ohne Nennung weiterer Details.

Gelassen sieht Klinsmann die Kritik einiger Bundesliga-Trainer und -Manager an seiner fehlenden Erfahrung als Trainer. Dass Manager Rudi Assauer von Erstligist Schalke 04 die sich abzeichnende Verpflichtung von Klinsmann als "Arbeitsbeschaffungsmaßnahme" bezeichnete, konnte Klinsmann nicht nachvollziehen: "Also eine ABM-Maßnahme ist das für mich sicherlich nicht. Ich habe in Amerika mit drei Jobs genug zu tun. Aber ich bin emotional mit der WM 2006 verbunden, bin mit Franz Beckenbauer um die Welt gereist. Wenn in einem guten Team jeder seine Stärken einbringt, dann wird die mangelnde Trainer-Erfahrung nicht das Problem sein."

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