Klinsmann: "Es geht nicht nur um drei Posten "

jt
23. Juli 2004, 15:13 Uhr

"Man muss die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen analysieren und dann ein schlagkräftiges Team bilden", äußerte sich der designierte Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klinsmann, in einem Interview.

In einem Interview äußerte sich der designierte Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klinsmann, zur aktuellen Lage beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Frage:

"Jürgen Klinsmann, wie ist der aktuelle Stand der Verhandlungen mit dem DFB?"

Klinsmann:

"Wir stehen in ständigem telefonischen Kontakt und sind mitten in den Diskussionen, wie man Stück für Stück neue Strukturen rund um die Nationalmannschaft aufbauen kann. Wir wollen ein Team aufbauen, das sich gegenseitig hilft. Wir werden jetzt die Dinge wie ein Puzzle zusammensetzen. Aber es muss alles passen, es muss stimmen von den Leuten her und von den Erwartungen, die vom DFB kommen."

Frage:

"Es war von einer Entscheidung bis Sonntag zu hören?"

Klinsmann:

"Wohlwissend, dass ganz Deutschland erwartet, dass man endlich den Deckel drauf macht, müssen die Leute noch Geduld haben. Es gibt noch viele Fragen zu beantworten. Die WM 2006 ist das größte Sportereignis der Welt, so was kommt 30, 40 Jahre nicht mehr. Deshalb muss man alles genau abklopfen, um diese Chance zu nutzen. Ich lasse mich nicht unter Druck setzen. Es ist schwer vorstellbar, dass alles bis Sonntag entschieden ist."

Frage:

"Was muss genau passieren, dass es mit dem deutschen Fußball wieder aufwärts geht?"

Klinsmann:

"Es muss auf jeden Fall wie in den Bundesligaklubs auch bei der Nationalmannschaft ein Manager installiert werden. Es muss ein Umdenken im Umfeld stattfinden, die Strukturen müssen professioneller werden. Wir müssen eine offene Kommunikation führen und auch die Bundesliga mit einbinden."

Frage:

"Bisher war immer von einem Trio mit Ihnen als Teamchef, Holger Osieck als Trainer und Oliver Bierhoff als Manager die Rede?"

Klinsmann:

"Es wird sich erst zeigen, wer welche Funktion ausüben wird. Man muss die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen genau analysieren und dann ein schlagkräftiges Team bilden. Wir sind erst dabei, über genaue Positionen zu reden. Aber es geht nicht nur um die drei Posten, es kann sich auch sonst noch einiges ändern. Im amerikanischen Profisport ist es üblich, dass sich ein ganzer Stab von Leuten um die Mannschaft kümmert. Da gibt es eine psychologische Betreuung, jemanden, der für die Schnelligkeit zuständig ist oder einen, der sich um die Sprungkraft kümmert."

Frage:

"Wer soll außer Osieck und Bierhoff noch zu Ihrem Team gehören?"

Klinsmann:

"Über Namen sprechen wir nur intern. Wir sollten uns aber Zeit lassen und mit verschiedenen Leuten sprechen, die bisher nicht genannt wurden. Erst dann kann man sich ein besseres Bild machen."

Frage:

"Sie haben in mehreren Ländern Fußball gespielt und gelebt. Was können Sie aus Ihrer Erfahrung einbringen?"

Klinsmann:

"Wir müssen versuchen, uns zu öffnen und müssen auch über die Grenzen schauen. Die guten Sachen müssen wir dann einbringen, die schlechten beiseite schieben. Die Franzosen haben es uns vorgemacht, wie man eine Struktur aufbauen kann. Sie haben viele Talente entwickelt. Wir haben ähnliche Möglichkeiten."

Frage:

"Sie hatten nach dem EM-Vorrundenaus harte Kritik am DFB geübt. Waren Sie überrascht, dass der DFB dennoch auf Sie zukam?"

Klinsmann:

"Meine Kritik hat wohl alles ausgelöst. Meine Kommentare sind wohl auf ein offenes Ohr gestoßen, und der DFB hat sich geöffnet. Mich hat das auf jeden Fall sehr gefreut, weil ich immer gerne in der Nationalmannschaft gespielt habe, das war für mich wie eine zweite Familie."

Frage:

"Sie haben als Trainer keine Erfahrung, sehen Sie das als Nachteil?"

Klinsmann:

"Es ist wichtig, dass eine Struktur mit Leuten aufgebaut wird, die diese Erfahrung haben. Aber ich habe keine Angst, Verantwortung zu übernehmen."

Autor: jt

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