Auch nach der Sitzung am Montag konnte die TFK keinen neuen Bundestrainer präsentieren. Als Favorit auf den Posten gilt weiterhin Morten Olsen. Mit Winnie Schäfer ist aber auch ein nationaler Kandidat im Rennen.

TFK diskutiert über nationale Lösung mit Schäfer

jso
19. Juli 2004, 18:23 Uhr

Auch nach der Sitzung am Montag konnte die TFK keinen neuen Bundestrainer präsentieren. Als Favorit auf den Posten gilt weiterhin Morten Olsen. Mit Winnie Schäfer ist aber auch ein nationaler Kandidat im Rennen.

Am Montag ist ein erneutes Treffen der Trainerfindungskommission in Frankfurt ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Dennoch scheint bei der endlosen Suche nach einem neuen Bundestrainer plötzlich wieder eine nationale Lösung möglich. Nachdem in den letzten Tagen immer die Ausländer Morten Olsen und Guus Hiddink als Favoriten genannt wurden, hat Franz Beckenbauer nun erstmals offiziell auch Kameruns Nationalcoach Winfried Schäfer als Nachfolger von Rudi Völler ins Spiel gebracht. "Winni Schäfer ist ebenfalls ein Kandidat", sagte der "Kaiser" der Bildzeitung. Und auch Kapitän Oliver Kahn sprach sich in der Berliner Tageszeitung Die Welt für seinen Ex-Coach beim Karlsruher SC aus.

Schäfer signalisiert Interesse

Der frühere Bundesliga-Coach war deshalb auch am Montag bei einer zweistündigen Sitzung der "TFK" des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main ein Thema. Eine Kontakt-Aufnahme hat es offenbar aber noch nicht gegeben, Schäfer signalisierte aber durchaus Interesse. "Es ehrt mich, wenn mein Name genannt wird. Mich hat bisher aber noch niemand angerufen. Für ein Gespräch bin ich aber immer bereit", sagte Schäfer, der derzeit in Ghana weilt, am Montag dem Sport-Informations-Dienst (sid). Zumal der Job des Bundestrainers nach wie vor "etwas ganz Besonderes" sei. Mehr wollte Schäfer am Montag dazu nicht sagen, dennoch beschäftigte er sich schon einmal mit den kommenden Aufgaben des neuen Mannes: "Ich kann diese Schwarzmalerei in Deutschland nicht verstehen. Man muss wieder Begeisterung und Optimismus reinbringen." Schäfer betreut seit November 2001 die "Unbezähmbaren Löwen" aus Kamerun. Sein Vertrag in Kamerun läuft bis 2006.

Als Favorit für die Nachfolge des vor knapp einem Monat zurückgetretenen Völler gilt aber nach wie vor der Däne Olsen. Die Gespräche zwischen den DFB-Verantwortlichen und dem dänischen Verband über eine Freigabe von Olsen, dessen Vertrag in Dänemark noch bis 2006 Gültigkeit hat, sollen auf Hochtouren laufen. Zum Stand der Gespräche gab es nach der Sitzung der "TFK" mit Beckenbauer, DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Liga-Präsident Werner Hackmann und DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt am Montag keine Auskünfte. Man habe sich intensiv ausgetauscht, wolle aber keine Wasserstandsmeldungen abgeben, hieß es lediglich. Auch ein neuer Termin für das nächste Treffen wurde nicht genannt.

Erst bei einem Scheitern der Verhandlungen mit Olsen wären Schäfer und weiterhin auch der Niederländer Guus Hiddink die Alternativen. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus scheint dagegen nach den jüngsten Äußerungen von Beckenbauer ("Zum jetzigen Zeitpunkt kommt der Job für ihn zu früh.") aus dem Rennen zu sein. Der gleichen Meinung ist auch Kahn, der der Meinung ist, dass sein ehemaliger Mitspieler bei Bayern München als Trainer noch "ein paar Jahre Erfahrung sammeln" müsse. Schäfer hält der 35-Jährige dagegen für sehr geeignet: "Ich kenne den Winnie aus meiner Zeit beim KSC. Dort hat er etwas entfacht, etwas aufgebaut, was phantastisch war." Außerdem solle man sich bei der Trainersuche laut Kahn auf die Kandidaten konzentrieren, die "zu Fuß zum DFB laufen würden", sagte der Kapitän im Gespräch mit der Berliner Tageszeitung Die Welt.

Erneute Kritik an Völler

Gleichzeitig hat Beckenbauer erneut in Rudi Völler den Hauptschuldigen für die derzeitige Misere im deutschen Fußball ausgemacht. "Wer ihn zum Rücktritt überredet hat, oder ob er das selbst mit sich ausgemacht hat, weiß kein Mensch. Das ist mir nach wie vor ein Rätsel. ich war total perplex, dachte: Spinnt der? Was macht der da? Ich weiß bis heute nicht, welcher Teufel ihn da geritten hat", kritisierte der WM-OK-Chef 2006 in der Münchner tz den ehemaligen Teamchef.

Da seien alle auf dem falschen Fuß erwischt worden, "weil wir immer abgesprochen hatten, dass Rudi bis 2006 bleibt. Es gab für diesen Rücktritt überhaupt keine Notwendigkeit", so Beckenbauer weiter: "Jetzt haben wir die Misere: Wo kriegen wir im Juli einen Trainer her? Die Außenstehenden reden sich alle leicht. Aber das war der ungünstigste Moment, den es gab."

Dennoch sieht der Chef des WM-Organisationskomitees für die Zukunft des deutschen Fußballs nicht so schwarz. "Friedrich, Lahm, Kuranyi, Schweinsteiger machen mir durchaus Hoffnung. Wenn sich die Lage bei uns wieder beruhigt hat - und ich bin überzeugt davon, dass es gar nicht mehr so lange dauern wird, bis wir einen Bundestrainer finden - dann hat man zwei Jahre Zeit, um eine vernünftige Mannschaft aufzubauen", so der "Kaiser". Einziger Nachteil für den neuen Coach wäre: "Es fehlen die schweren Tests. Um junge Spieler wirklich auf den Prüfstand zu heben, braucht man normalerweise Qualifikationsspiele."

Autor: jso

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