Zwei Tage vor Beginn der WM in den USA stand DFB-Trainerin Tina Theune-Meyer in einem Interview Rede und Antwort. Der Auftaktgegner Kanada zählt für

Theune-Meyer: "Feuer und Spannung im Team"

us
18. September 2003, 12:43 Uhr

Zwei Tage vor Beginn der WM in den USA stand DFB-Trainerin Tina Theune-Meyer in einem Interview Rede und Antwort. Der Auftaktgegner Kanada zählt für "TTM" sogar zu den Mitfavoriten.

Der Countdown zur Weltmeisterschaft 2003 in den USA tickt für die Damen-Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) herunter. Vor dem Auftaktmatch am Samstag gegen Kanada äußerte sich DFB-Trainerin Tina Theune-Meyer in einem Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) zu den Turnierchancen, der Stimmung im Team und den Erwartungen an die Mannschaft.

sid: "Die erste Partie der Weltmeisterschaft steht unmittelbar bevor. Wie ist die Stimmung im Team?"

Tina Theune-Meyer: "Noch relaxt. Doch man sieht schon in den Trainingseinheiten, dass Feuer und Spannung im Team ist. Die WM kann beginnen."

sid: "Können Sie aus dem Vollen schöpfen oder gibt es Verletzungen?"

Theune-Meyer: "Alle sind fit. Das ist eine sehr gute Ausgangsposition für das erste Spiel."

sid: "Die Vorbereitung ist mit deutlichen Siegen in der Qualifikation optimal gelaufen."

Theune-Meyer: "Mit WM-Beginn zählt das alles nichts mehr. Das erste Spiel ist immer etwas Besonderes. Alles was davor war, ist dann Vergangenheit. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass die Mannschaft konzentriert ist und sich stark fühlt."

sid: "Die Auftaktbegegnung gegen Kanada hat Symbolcharakter. Bei einem Erfolg - kombiniert mit den 'Pflichtsiegen' in den beiden weiteren Gruppenspielen gegen Japan und Argentinien - wäre der erste Gruppenplatz und damit ein Viertelfinale gegen den Zweiten der Gruppe D sicher."

Theune-Meyer: "Pflichtsiege gibt es in einem Turnier dieses Kalibers nicht mehr. Gegen Japan haben wir zum Beispiel in der Vergangenheit öfter Probleme gehabt und nur mit einem Tor gewonnen. Kanada ist ein sehr starker und unangenehmer Gegner. Wir wären alle sehr erleichtert, wenn wir das erste Spiel irgendwie nach Hause bringen."

sid: "Sie haben Kanada noch am letzten Wochenende beobachtet. Wie war Ihr Eindruck?"

Theune-Meyer: "Kanada hat in den letzten Wochen auch gegen namhafte Gegner ganz souverän gewonnen. Beim Algarve-Cup haben die Kanadierinnen 1:1 gegen den Titelverteidiger USA gespielt. Das Team hat mit seiner Entwicklung viele Experten geschockt und zählt für mich zu den Mitfavoriten."

sid: "Trotzdem wird Deutschland in der Gruppe C immer wieder als Favorit genannt. Können wir deshalb zumindest in den Gruppenspielen eine offensiv ausgerichtete deutsche Mannschaft erwarten?"

Theune-Meyer: "Zumindest von Kanada erwarte ich, dass sie mitspielen. Ich gehe davon aus, dass die Kanadier drei Spitzen aufbieten. Das zeigt, dass sie sich hier vor niemandem fürchten und großes Selbstvertrauen besitzen. Allerdings kommt uns dieses System auch gelegen. Wir wollen das Spiel machen und dominieren, das kanadische System wird uns hoffentlich dafür Raum geben."

sid: "Mit welcher Offensive halten Sie dagegen? Wird Birgit Prinz als einzige Spitze auflaufen?"

Theune-Meyer: "Die offensive Grundeinstellung hängt nicht unbedingt davon ab, wie viele nominelle Spitzen auflaufen, sondern wie viele Spielerinnen vor dem Ball sind, die man anspielen kann und die im Strafraum auftauchen. Und da wollen wir absolut torgefährlich agieren."

sid: "Sie haben in der Vergangenheit die Olympia-Qualifikation als Ziel genannt. Andere Nationen reden offen vom Weltmeistertitel. Ist der Deutsche in seinen Zielen zu anspruchslos?"

Theune-Meyer: "Selbstverständlich wird das Gros meiner Spielerinnen auf die Frage nach dem Ziel den Weltmeistertitel angeben. Das verbiete ich ihnen auch nicht. Ich selbst gehe mit großem Vertrauen in dieses Turnier. Wir sind Europameister und Nummer drei der Weltrangliste. Allerdings bin ich als Trainer nicht so vermessen zu behaupten, dass wir hier jeden schlagen. Das wäre arrogant. Ich will, dass die Mannschaft sich sehr, sehr gut verkauft. Dass wir auf dem Platz mit höchster Einsatzbereitschaft agieren. Dass wir die Zuschauer im Stadion und zu Hause mitreißen und begeisternden Fußball spielen. Aber letztendlich zählt jedes Spiel nur drei Punkte."

Autor: us

Kommentieren