Rudi Völler sieht sich persönlich nicht als Gewinner nach dem 2:1-Erfolg seiner Nationalmannschaft gegen Schottland:

Völler-Interview: "Fühle mich nicht als Gewinner"

11. September 2003, 12:38 Uhr

Rudi Völler sieht sich persönlich nicht als Gewinner nach dem 2:1-Erfolg seiner Nationalmannschaft gegen Schottland: "Die Sache hat mich doch sehr belastet", erklärt der Teamchef nach dem Sieg in Dortmund.

Rudi Völler hofft nach dem 2:1-Erfolg gegen Schottland mit der deutschen Nationalmannschaft wieder in ein ruhigeres Fahrwasser zu gleiten: "Ich hoffe, dass sich die Lage jetzt aber schnell wieder beruhigen wird," sagt Völler im Interview.

Frage: "Sind Sie nach dem Sieg gegen die Schotten erleichtert?"

Rudi Völler: "Erleichterung ist noch nicht da, weil wir noch nicht durch sind. Wir haben noch gar nichts erreicht und sind noch lange nicht am Ziel. Wir brauchen noch einen Punkt. Eine Art von Befreiung spüre ich aber schon. Denn einige Spieler standen gegen die Schotten mehr unter Druck, als es gut ist. Deshalb habe ich vor dem Spiel auch etwas Luft raus genommen und gerade den jungen Spielern klar gemacht, dass es sich nur um ein Fußballspiel handelt."

Frage: "Nach der Aufregung der letzten Tage um Ihre Person muss dieser Sieg doch Balsam auf ihre Wunden gewesen sein?"

Völler: "Die letzten Tage waren in der Tat nicht so einfach. Es war ja schwer, den Fernseher anzumachen, und mich nicht zu sehen. Das war schon ein komisches Gefühl. Ich hoffe, dass sich die Lage jetzt aber schnell wieder beruhigen wird."

Frage: "Haben Sie aus den vergangenen Tagen denn etwas gelernt?"

Völler: "Es ist ja nicht so, als wenn ich mit der Nationalmannschaft in den vergangenen drei Jahren nur Höhen wie zum Beispiel bei der Weltmeisterschaft erlebt habe. Da war ja unter anderem auch das 1:5 gegen England und andere schwierige Situationen. Aber wenn man als Verantwortlicher vor der Mannschaft steht, dann muss man Stärke zeigen. Das war zuletzt nicht ganz einfach. Insgesamt war es mal wieder eine wichtige Erfahrung für mich, aus der ich sicherlich auch einiges gelernt habe."

Frage: "Glauben Sie, dass ihr denkwürdiger Auftritt nach dem Island-Spiel in Zusammenhang mit der Leistungssteigerung gegen Schottland steht?"

Völler: "Schwer zu sagen. Ich fühle mich heute nicht als Gewinner nach der Geschichte der letzten Tage. Trotz des Zuspruchs von vielen Seiten hat mich die Sache doch sehr belastet. Letztendlich spielen die Spieler ja für sich selbst. Sie haben heute Leidenschaft und Aggressivität gezeigt, was sie ja eigentlich immer tun. Teilweise haben wir sogar schönen Kombinationsfußball geboten, was allerdings noch nicht über 90 Minuten klappt und auch nicht gehen kann. Insgesamt bin ich zufrieden, weil wir von Beginn an die richtige Einstellung auf dem Platz demonstriert und versucht haben, nach vorne zu spielen."

Frage: "Mit einigen personellen Umstellungen und der taktischen Ausrichtung haben Sie einige Experten überrascht..."

Völler: "Wenn man gewinnt, und dann noch relativ überzeugend, hat man als Trainer immer alles richtig gemacht. Die Umstellungen begründeten sich alle aus taktischen Überlegungen. Unabhängig vom Personal hatte ich heute aber keine Befürchtungen, dass es schief gehen könnte."

Frage: "Was hat Sie denn beim Sieg gegen die Schotten besonders gefreut?"

Völler: "Wir hatten zwei Spieler dabei, die hätten am Abend zuvor noch in der "U21" spielen können. Dazu noch den ein oder anderen jungen Spieler. Alle haben dem Druck standgehalten. Kuranyi hat zur Krönunung seiner guten Leistung nur noch ein Tor gefehlt und Tobias Rau hat auf der linken Seite ganz hervorragend gespielt."

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