Vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland (20.45 Uhr) heute in Dortmund zählen für das deutsche Nationalteam keine Ausreden mehr. Die DFB-Auswahl will sich für das enttäuschende 0:0 in Island rehabilitieren.

DFB-Team baut auf "Hexenkessel" Westfalenstadion

ko
10. September 2003, 13:22 Uhr

Vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland (20.45 Uhr) heute in Dortmund zählen für das deutsche Nationalteam keine Ausreden mehr. Die DFB-Auswahl will sich für das enttäuschende 0:0 in Island rehabilitieren.

Mit pathetischen Worten versucht Teamchef Rudi Völler Mannschaft und Öffentlichkeit nach seinem "Ausraster" in Island wieder auf gemeinsamen Kurs zu bringen. Vor dem heutigen EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland (ab 20.45 Uhr, live in der ARD) im mit 67.000 ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion redete Völler seiner Elf öffentlich ins Gewissen: "Normalerweise muss jeder Spieler, der in diesem herrlichen Stadion spielen darf, darüber nachdenken, warum er es verdient hat, geboren worden zu sein."

Sieger übernimmt die Tabellenführung

Rein sportlich betrachtet geht es in den vorletzten Gruppenspielen für Deutschland und Schottland um die Tabellenführung in der Gruppe 5. Der Sieger des heutigen Spiels wird von Island den Spitzenplatz übernehmen und sich damit die beste Ausgangsposition für die abschließenden Gruppenspiele am 11. Oktober schaffen.

Dass Deutschland diesen Angriff auf den Spitzenplatz ohne Hoffnungsträger Sebastian Deisler, der sich am Montagabend im Training einen Muskelfaserriss zugezogen hat, wagen muss, ist für DFB-Kapitän Oliver Kahn klar. "Mit Deisler fehlt zwar ein kreatives Element. Es nützt aber nichts, darüber zu lamentieren. Das müssen wir anderweitig auffangen. Alle wissen, dass sie um ihre Ehre spielen und ganz Deutschland auf eine Reaktion nach dem Island-Spiel schaut", meinte der Torwart.

Hoffen auf das Dortmunder Publikum

Besondere Hoffnung setzt der Bayern-Keeper auf das Dortmunder Publikum, vor dem die Nationalmannschaft zuletzt beim 4:1-Sieg am 14. November 2001 in der WM-Qualifikation gegen die Ukraine förmlich explodiert war: "Es macht sicher Sinn, sich daran zu erinnern und sich das Positive aus diesem Spiel herauszuziehen. Damals kam es gemeinsam mit diesem Publikum zu einer Leistungsexplosion," sagte der Torwart.

Auch Teamchef Rudi Völler betonte den hohen Motivationsfaktor des "Hexenkessels" Westfalenstadion: "Das ist es, warum man als Fußballer auf die Welt kommt. Bei einem solchen Spiel, bei einem solchen Publikum, in einem solchen Stadion dabei zu sein", schwärmte er in höchsten Tönen von der Atmosphäre im mit 67.000 Zuschauern seit Wochen ausverkauften Stadion und fügte mit blitzenden Augen hinzu: "Ihr glaubt gar nicht, was ich dafür geben würde, hier am Mittwoch aufzulaufen - wenn ich ein paar Kilo leichter wäre."

"Fußball muss wieder im Vordergrund stehen"

Mit solchen Bemerkungen will Völler offensichtlich auch vom Wirbel um seine eigene Person nach seinem Wutausbruch am Samstag ablenken. Über das Spiel in Island und die folgenden "Ausfälle" will Völler jedenfalls nicht mehr reden: "Es ist schwierig, sich von dem Wirbel auszuschließen. Aber es muss irgendwann auch ein Schlusspunkt gesetzt werden und der Fußball wieder im Vordergrund stehen. Die Konzentration auf das Match ist das Allerwichtigste."

Dabei will sich der Coach auch nicht durch die anhaltenden Personalspekulationen, die nach der Verletzung Sebastian Deislers in den Medien ins Kraut schossen, ablenken lassen. "Im Mittelfeld und im hinteren Bereich werden wir uns noch was überlegen," gab sich der Teamchef in Bezug auf die Aufstellung seines Teams gewohnt zurückhaltend.

Als sicher gilt aber, dass der in Island gesperrte Tobias Rau wieder auf die linke Außenbahn rückt. Möglicherweise ersetzt Bobic den in Island schwachen Miroslav Klose im Sturm, sofern Oliver Neuville (Hüftprobleme) rechtzeitig fit wird.

Autor: ko

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