Die deutsche Nationalmannschaft hat im EM-Qualifikationsspiel in Island ein schmeichelhaftes 0:0 erreicht. Nach dem Remis gegen den Spitzenreiter der Gruppe 5 liegt das DFB-Team mit zwölf Punkten weiterhin auf Rang zwei.

Deutschland zittert sich zu einem 0:0 in Island

as
07. September 2003, 11:23 Uhr

Die deutsche Nationalmannschaft hat im EM-Qualifikationsspiel in Island ein schmeichelhaftes 0:0 erreicht. Nach dem Remis gegen den Spitzenreiter der Gruppe 5 liegt das DFB-Team mit zwölf Punkten weiterhin auf Rang zwei.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich auf Island mit einer schmeichelhaften "Nullnummer" bis auf die Knochen blamiert und muss um die Teilnahme an der EM-Endrunde 2004 in Portugal bangen. Der Vize-Weltmeister enttäuschte in Reykjavik auf der ganzen Linie und steht nun in seinem vorletzten Spiel in der Gruppe 5 am Mittwoch in Dortmund (20.45 Uhr/live in der ARD) gegen die von Ex-Bundestrainer Berti Vogts trainierten Schotten unter Zugzwang.

Hinter Spitzenreiter Island, der die Tabellenführung durch das Remis mit nunmehr 13 Punkten erfolgreich verteidigte, belegt die Elf von Teamchef Rudi Völler mit 12 Zählern Rang zwei mit nur noch einem Punkt Vorsprung auf Schottland. Die Vogts-Elf, die genau wie die Deutschen ein Spiel weniger als die Isländer absolviert hat, verbuchte gegen die Färöer in Glasgow einen 3:1-Pflichtsieg.

Scharfe Kritik von DFB-Teamchef Rudi Völler

Nach der Partie übte Teamchef Rudi Völler massive Kritik am Anspruchsdenken in der deutschen Öffentlichkeit und bei den Medien: "Ich wehre mich dagegen, dass immer alles durch den Dreck gezogen wird, das ist unterste Schublade", schimpfte Völler in der ARD in einem Wutausbruch über kritische Anmerkungen zu dem für einen WM-Zweiten unwürdigen Auftritt seines Teams: "Es heißt immer wieder, das ist ein Tiefpunkt, und das ist ein noch tieferer Tiefpunkt. Das lasse ich mir nicht mehr lange gefallen. Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr hören."

In seiner Verärgerung deutete Völler auch seine Bereitschaft zu einem Rücktritt an, falls die Berichterstattung über seine Elf in seinen Augen weiterhin nicht fair bleibt. "Ich klebe nicht wie Berti Vogts oder Erich Ribbeck an meinem Stuhl. Ich brauche das nicht."

Island mit den besseren Chancen

Vor 7000 Zuschauern im ausverkauften Laugardalsvöllur-Stadion hätte sich die Elf des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) über eine Niederlage nicht beklagen können, denn die Gastgeber hatten die besseren Chancen: In der 40. Minute war Torwart Oliver Kahn auf dem Posten, als er gegen den freistehenden Eidur Gudjohnsen parierte. In der 53. Minute mussten Frank Baumann und Christian Wörns nacheinander für den schon geschlagenen Bayern-Keeper sogar auf der Linie klären, und acht Minuten vor Schluss vergab Johannes Karl Gudjonsson eine weitere Möglichkeit der Isländer.

Von den guten Ansätzen, die das Völler-Team noch vor 17 Tagen beim 0:1 in Stuttgart gegen Italien gezeigt hatte, war in der isländischen Hauptstadt nichts mehr zu sehen. Besonders in der zweiten Halbzeit verlor die DFB-Auswahl völlig den Faden und konnte die in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 56 geführten Platzherren kaum noch fordern. DFB-Team agierte zu hektisch

Die Gäste hatten sich von Beginn an zwar bemüht, das Heft in die Hand zu nehmen, wirkten dabei allerdings übermotiviert und agierten hektisch. Viel zu viele Fehlpässe waren die Folge mangelnder Abstimmung. Auch Spielmacher Michael Ballack, der zuletzt wegen einer Verletzung nicht dabei war und schmerzlich vermisst worden war, konnte dem Spiel der deutschen Elf in der Anfangsphase keine Ruhe verleihen. Die Partie wurde zudem von zahlreichen Nickeligkeiten, die den Spielfluss häufig unterbrachen, geprägt.

Die vom früheren Ex-Bundesligaprofi Asgeir Sigurvinsson trainierten Isländer standen dagegen in einer kompakten Defensive und versuchten vor allem, durch Konter zum Erfolg zu kommen. Dabei suchten sie immer wieder Stürmer Eidur Gudjohnsen vom FC Chelsea, der in der laufenden EM-Qualifikation bereits fünf Treffer erzielt hatte und schon in der siebten Minute gefährlich vor Kahn auftauchte.

Wiederum Gudjohnsen sorgte in der 23. Minute für eine weitere gefährliche Situation vor dem deutschen Tor. Die deutsche Mannschaft hatte ihre erste Möglichkeit in der 20. Minute durch einen Kopfball von Ballack nach einer Ecke des Leverkuseners Oliver Neuville. Doch Islands starker Torwart Arni Gautar Arason parierte. Neuville war es, der nur drei Minuten später nach einem Alleingang erneut am Keeper scheiterte.

Beste Chancen durch Klose und Kuranyi

Nach der Pause hatten Miroslav Klose (50.) mit einem Kopfball und der zur Pause für Oliver Neuville eingewechselte Kevin Kuranyi (65.) mit einer Direktabnahme noch die besten Chancen. Auch Hoffnungsträger Sebastian Deisler, der 20 Minuten vor dem Ende eingewechselt wurde, konnte bei seinem Comeback im DFB-Trikot nach fast 16 Monaten trotz einer ordentlichen Vorstellung keine Akzente mehr setzen.

Wie geplant ließ Völler in der Abwehr mit einer Viererkette agieren. Dabei nahm der Hamburger Christian Rahn in seinem dritten Länderspiel die linke Außenposition ein. Allerdings wirkte der 24-Jährige gegen den umtriebigen Bochumer Thordur Gudjonsson vor allem im Defensiv-Verhalten überfordert und wurde in der 60. Minute gegen Michael Hartmann ausgetauscht.

Gegen das Team aus dem 280.000-Einwohner-Land, das es noch nie zu einer EM-Endrunde geschafft hat, fehlten dem DFB-Team insgesamt acht Spieler verletzungsbedingt. Darüber hinaus musste der Münchner Tobias Rau wegen einer Gelbsperre pausieren. Zuletzt hatte Jens Jeremies wegen Knieproblemen absagen müssen. Dafür stellte der Teamchef im 41. Spiel unter seiner Regie den Dortmunder Sebastian Kehl von Beginn an im defensiven Mittelfeld auf.

Trotz zuletzt leichter Halsschmerzen meldete sich der Leverkusener Bernd Schneider wie erwartet einsatzfähig. Daher verzichtete Völler zunächst auf den Einsatz des Münchners Deisler, der zuletzt am 18. Mai vergangenen Jahres (6:2 gegen Österreich) im Trikot der deutschen Nationalmannschaft gespielt hatte und dabei eine schwere Knieverletzung erlitten hatte.

Autor: as

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