Die Personalsorgen von DFB-Teamchef Rudi Völler vor der Partie in Island am Samstag werden immer größer. Damit steigen die Chancen auf ein Comeback von Mittelfeldspieler Sebastian Deisler.

Schneiders Schnupfen lässt Völlers Sorgen wachsen

cle
04. September 2003, 14:58 Uhr

Die Personalsorgen von DFB-Teamchef Rudi Völler vor der Partie in Island am Samstag werden immer größer. Damit steigen die Chancen auf ein Comeback von Mittelfeldspieler Sebastian Deisler.

Die Hiobsbotschaften für DFB-Teamchef Rudi Völler reißen nicht ab: Ausgerechnet vor der entscheidenden Phase in der EM-Qualifikation werden die Personalsorgen immer größer. Nach dem Ausfall von Paul Freier muss der Vize-Weltmeister in der Partie gegen Island am Samstag (19.30 Uhr MESZ/live in der ARD) in Reykjavik womöglich auch auf Mittelfeldspieler Bernd Schneider verzichten. "Er hat sich einen Virus eingefangen", berichtete Völler, der den Leverkusener aber zunächst mit auf die Reise in den hohen Norden nahm.

Comeback von Deisler immer wahrscheinlicher

Damit wird ein Comeback von Sebastian Deisler auf der rechten Außenbahn nach 16-monatiger Abstinenz immer wahrscheinlicher. Auf der linken Seite hat dagegen der 24 Jahre alte Hamburger Christian Rahn gute Chancen auf seinen dritten Länderspiel-Einsatz, nachdem Völler zudem die Langzeitverletzten Dietmar Hamann, Christian Ziege, Torsten Frings, Christoph Metzelder, Jörg Böhme und den Rekonvaleszenten Jens Nowotny fehlen.

Ballack appelliert ans Team

Mit einem eindringlichen Appell hat sich derweil Michael Ballack an seine Mitspieler gewandt. "Jeder muss mehr bringen. Dann können wir auch als Mannschaft wieder guten Fußball spielen. Jeder weiß, dass er sich steigern muss", mahnte der Spielmacher - und fügte auch mit Blick auf das Heimspiel gegen Schottland am Mittwoch (20.45 Uhr/live in der ARD) hinzu: "Wir sind Vize-Weltmeister. Und ich denke, von daher müssen wir einfach den Anspruch haben, beide Spiele zu gewinnen."

Erwartungen werden gedämpft

Gleichzeitig verwahrte sich Ballack dagegen, an seine Rückkehr zu hohe Erwartungen zu knüpfen - und widersprach auch Franz Beckenbauer, der behauptet hatte, "bis auf Kahn und Ballack" seien alle Nationalspieler austauschbar. "Das hängt nicht allein am Olli und mir. Ich bin nicht der Heilsbringer der Nationalmannschaft", stellte der 26-Jährige, der zuletzt nach dem enttäuschenden 1:1 in Schottland Tacheles geredet hatte, klar und warnte davor, die Skandinavier zu unterschätzen: "Die sind nicht umsonst Tabellenführer in unserer Gruppe. Und sie haben gute Einzelspieler, die zum Teil auch in England spielen."

Sorgen bereitet DFB-Teamchef Rudi Völler vor allem sein Mittelfeld. Nach den Ausfällen von Freier (Mittelfuß-Bruch) und möglicherweise Schneider scheint die Rückkehr von Deisler, der zuletzt am 18. Mai 2002 im DFB-Dress gespielt hatte, nahezu unumgänglich, während Rahn bereits auf der linken Seite beim Geheimtraining im Frankfurter Waldstadion getestet wurde. "Die Alternativen sind sicherlich nicht groß. Aber der Trainer wird sicher eine Lösung finden. Wir haben da noch einen Linksfuß aus Hamburg", erklärte Ballack mit einem verschmitzt Lächeln.

Qual der Wahl im Angriff

Die Qual der Wahl hat Völler dagegen unter seinen zuletzt wenig erfolgreichen Stürmern. Derzeit spricht vieles für Oliver Neuville (Bayer Leverkusen) und Miroslav Klose (1. FC Kaiserslautern) - wobei dann neben Youngster Kevin Kuranyi (VfB Stuttgart) auch Fredi Bobic (Hertha BSC Berlin) zunächst zuschauen müsste. Und der hatte schon zu Wochenbeginn auf Grund seiner Leistungen einen Stammplatz für sich reklamiert. Wie dem auch sei - für den Teamchef steht nach der schwachen Chancenverwertung der vergangenen Spiele jedenfalls fest: "Im Angriff müssen wir kaltblütiger werden."

Autor: cle

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