Der türkische Nationalspieler Alpay muss nach den Handgreiflichkeiten mit David Beckham in England weiter Anfeindungen ertragen. Die Fans seines englischen Klubs Aston Villa fordern jetzt den Rauswurf des Türken.

Villa-Fans fordern Alpay-Rauswurf

jt
15. Oktober 2003, 17:06 Uhr

Der türkische Nationalspieler Alpay muss nach den Handgreiflichkeiten mit David Beckham in England weiter Anfeindungen ertragen. Die Fans seines englischen Klubs Aston Villa fordern jetzt den Rauswurf des Türken.

Auch nach seiner Rückkehr nach England gehen die Anfeindungen gegen den türkischen Nationalspieler Alpay weiter. Die Boulevardzeitung "The Sun" hat ihrer Ausgabe ein vorgedrucktes Formular beigelegt, mit dem die Leser von Alpays Premier-League-Klub Aston Villa die Entlassung des Türken fordern können. Das Schreiben ist an den Klubchef Doug Ellis adressiert. Außerdem haben sich bei einer Umfrage auf der Homepage von Aston Villa 75 Prozent der Internet-Nutzer für eine Entlassung des Türken ausgesprochen.

Rückendeckung für Alpay vom türkischen Verband

Unterdessen erhielt Alpay, der nach Klubangaben zunächst mehr Zeit mit seiner Familie verbringen soll und deshalb nicht im Kader für das Stadtderby am Sonntag gegen Birmingham City steht, Rückendeckung vom türkischen Verbandspräsidenten Haluk Ulusoy. "Wir werden ihn nicht den Engländern zum Fraß vorwerfen. Wir stehen hinter ihm und können das Verhalten der Engländer nicht verstehen", erklärte Ulusoy. Auch der Verband der türkischen Sportjournalisten kritisierte das Vorgehen der englischen Kollegen.

Alpay wird in England für die Handgreiflichkeiten gegen David Beckham in der Halbzeitpause des EM-Qualifikationspiels am vergangenen Samstag in Istanbul (0:0) verantwortlich gemacht. Schon bei seiner Rückkehr am Montag auf die Insel empfingen den Türken über hundert Villa-Fans am Flughafen, buhten und pfiffen ihn aus. Journalisten zeigten ihm symbolisch die Rote Karte.

Alpay spielt Handgemenge herunter

Nachdem er die Auseinandersetzung zunächst herunter gespielt hatte, erklärte Alpay am Mittag im türkischen Fernsehen, David Beckham habe in der Halbzeit beim Gang in die Kabine auf sein Trikot gespuckt und müsse sich deshalb beim türkischen Volk entschuldigen. Erst dann, so Alpay, werde er sich entschuldigen.

Zuvor hatte sich Alpay mit den Worten geäußert: "Es passierte nichts Ernsthaftes im Spielertunnel. Beckham konnte wohl seinen verschossen Elfmeter und die Worte, die ich ihm danach sagte, nicht verkraften. Er kam zu mir gerannt und wollte mir etwas sagen. Dabei hat er mich mit der Schulter gestoßen. Ich wurde wütend und wollte zu ihm hin, da sind die Sicherheitskräfte eingeschritten und es gab ein Handgemenge zwischen ihnen und den englischen Spielern", erklärte der Türke.

Alpay hatte Beckham direkt nach dessen verschossenem Strafstoß verbal attackiert. "Ich habe ihm gesagt, dass Gott groß ist, sein Scheitern gerecht war und er bei hundert Versuchen nicht einmal getroffen hätte. Aber das ist alles vergessen. Beckham ist ein guter Spieler", sagte der Abwehrspieler.

Villa-Vorstand erwägt Trennung

Die Polizei begleitete Alpay zu seinem Haus in Birmingham. In der Stadtmitte wurde derweil eine Puppe mit dem Alpay-Trikot in Brand gesteckt, zudem wurden weitere Puppen an Straßenlaternen aufgehängt. Einige Mitglieder des Präsidiums von Aston Villa haben angeblich vorgeschlagen, sich möglichst schnell von dem Abwehrspieler zu trennen.

Autor: jt

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