Nach stundenlangen Verhandlungen hat die englische Nationalelf die Boykottdrohung für das EM-Quali-Spiel gegen die Türkei zurückgenommen. Grund für den Streit war Rio Ferdinand, den der Verband aus dem Kader strich.

Englische Elf reist nun doch in die Türkei

08. Oktober 2003, 23:16 Uhr

Nach stundenlangen Verhandlungen hat die englische Nationalelf die Boykottdrohung für das EM-Quali-Spiel gegen die Türkei zurückgenommen. Grund für den Streit war Rio Ferdinand, den der Verband aus dem Kader strich.

Am Ende hat die englische Nationalmannschaft nachgegeben und ihre Boykottdrohung für das EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei am Samstag fallen gelassen. Der Präsident des englischen Verbandes (FA), Mark Palios, gab am späten Mittwochabend nach stundenlangen Verhandlungen mit den Profis bekannt, dass die Elf um Kapitän David Beckham am Donnerstag mit all seinen Stars in die Türkei reisen werde - ausgenommen Rio Ferdinand. Wegen des Abwehrspielers von Manchester United war es zu den heftigen Diskussionen gekommen. Ferdinand war durch den Verband aus dem Aufgebot gestrichen worden, weil er sich nicht rechtzeitig einem Doping-Test unterzogen hatte. Daraufhin hatten die restlichen Spieler gedroht, die Reise in die Türkei nicht anzutreten. Eine mögliche Folge eines Boykotts wäre die Disqualifikation aus der laufenden EM-Qualifikation gewesen.

Spieler kritisieren englischen Verband

"Ich bin überglücklich, dass wir uns ab sofort zu 200 Prozent auf den Fußball konzentrieren können", sagte Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson. Die Mannschaft kritisierte die Entscheidung des Verbandes, der offenbar keinerlei Zugeständnisse gemacht hat, in einem Statement allerdings aufs Schärfste: "Unserer Meinung nach hat die Organisation, die wir repräsentieren, nicht nur einen unserer Teamkollegen, sondern die ganze englische Mannschaft und seinen Teammanager im Stich gelassen."

Nur wenige Stunden vor der Entscheidung war FA-Kommunikationsdirektor Paul Barber mit zerknirschtem Gesicht vor die Presse getreten. "Eine Option der Spieler ist, nicht in die Türkei zu reisen. Sie wollen Rio wieder in der Mannschaft haben, aber wir werden unsere Entscheidung nicht zurücknehmen", eklärte Barber: " Die UEFA hatte im Laufe des Abends auf ihrer Web-Site (www.uefa.com) den betreffenden Paragraphen 7.07 veröffentlicht, der in Fällen, in denen einen Mannschaft unter diesen Umständen nicht zu einem Spiel antritt, die Disqualifikation oder "andere angemessene disziplinarische Maßnahmen" vorsieht. Außerdem wies die UEFA, ohne die Partie Türkei gegen England zu nennen, auf Paragraph 8.04 hin. Demnach muss sich eine Nationalmannschaft vor einem Länderspiel bis zum Vorabend (0.00 Uhr) am Spielort eingefunden haben. Schon allein deshalb wurden Diskussionen unter den Spielern sowie zwischen Profis und der FA noch am späten Mittwochabend fortgesetzt.

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