Wer am Hamburger Millerntor aufläuft, der spürt es, diese ganz besondere Kribbeln. Rund 16.000 Kehlen brüllen

WATTENSCHEID: Mike Terranova mit besonderen Erinnerungen

tt
28. April 2006, 09:29 Uhr

Wer am Hamburger Millerntor aufläuft, der spürt es, diese ganz besondere Kribbeln. Rund 16.000 Kehlen brüllen "you`ll never walk alone", beim Einmarsch der Teams dröhnt "Hell's Bells" von AC/DC aus den Lautsprechern. Kurzum: St. Pauli rockt!

Wer am Hamburger Millerntor aufläuft, der spürt es, diese ganz besondere Kribbeln. Rund 16.000 Kehlen brüllen "you`ll never walk alone", beim Einmarsch der Teams dröhnt "Hell's Bells" von AC/DC aus den Lautsprechern. Kurzum: St. Pauli rockt!
Georg Kreß, der mit seiner Wattenscheider Truppe am Freitag Abend in den ganz besonderen Fußball-Genuss kommt, freut sich schon auf den Flutlicht-Kracher in der Hansestadt: "Das ist Feeling pur. Als ich noch beim WSV war, haben wir schon im Bus Hell's Bells gehört, um uns einzustimmen. Das hatte die Mannschaft damals so eingefädelt, ich weiß nicht, ob meine Wattenscheider Spieler auch so etwas machen. Eine Vorgabe von mir ist es jedenfalls nicht."
Der Fußball-Lehrer macht aus seiner Zuneigung für den braun-weißen Traditions-Verein keinen Hehl: "St. Pauli ist für mich einer der sympathischsten Clubs in ganz Deutschland, auch weil dort eine ganz andere Einstellung auf den Rängen herrscht. Die Leute sind dort positiver drauf."
Für die Kiez-Kicker ist das Jahr im Grunde gelaufen, nach oben gibt es kaum noch Chancen, im Rennen um Platz zwei energisch einzugreifen, im DFB-Pokal heimste man Applaus in ganz Deutschland ein, musste aber beim 0:3 gegen den übermächtigen FC Bayern Münchem im Halbfinale "tschö" sagen. Georg Kreß: "Ich hoffe, es ist ein Vorteil, dass es für St. Pauli um nichts mehr geht. Für uns steht jedenfalls nach wie vor eine Menge auf dem Spiel, wir arbeiten hochkonzentriert, möglicherweise macht das dieses entscheidende Quäntchen aus." Andererseits weiß der Coach auch: "Wenn du vor 15.000 oder 16.000 Zuschauern spielst, dann kannst du dich nicht hängen lassen."
Was die Ausbeute angeht, sind bei den 09ern momentan alle zufrieden. "Wir haben 35 Zähler und haben es schon geschafft, über das Basis-Lager hinaus zu kommen", wählt Kreß einen bildlichen Vergleich aus der Bergsteiger-Welt, um anzufügen: "Wir sehen den Gipfel schon. Sieben Punkte fehlen noch, um ihn zu erreichen. Das wäre für uns der Klassenerhalt." Unter der Woche spürte der Ex-Gütersloher "eine gewisse Müdigkeit" bei seinen Jungs und drosselte das Programm. "Wir haben dosiert, zumal in den letzten Wochen bis auf ein, zwei Ausnahmen fast immer die gleichen Leute aufgelaufen sind", erklärt Georg Kreß. Für Ablenkung sorgte ein spendiertes "Frühstück deluxe", wie es der Coach bezeichnete. Thommy Rietz und Markus Katriniok ließen sich anlässlich ihres Geburtstags nicht lumpen, schmissen Brötchen, Eier, Lachshäppchen und Mett in die Kolonne. Möglicherweise gibt es Freitag Nacht erneut etwas zu feiern. Reinhold Klee, Sport-Chef der 09er: "Unsere Truppe hat beim 2:2 in Kiel überrascht, außerdem beim 3:0 in Berlin und beim 1:0 in Essen Ausrufezeichen gesetzt. Das waren lebenswichtige Punkte. Unsere Mannschaft ist gegenüber der Vorrunde reifer geworden, aber jeder weiß auch: Wir sind noch lange nicht durch. Wenn uns in St. Pauli ein Punktgewinn gelingt und wir am Dienstag darauf das Ding in Chemnitz einfahren sollten, wäre das ein Riesen-Schritt zur Rettung." Und könnte endlich die Planungen entscheidend vorantreiben. Klee: "70 Prozent der Verträge laufen aus." Wichtige Korsettstangen, wie die unermüdlichen Mike Terranova und Orhan Özkaya (Kreß: "Sie fügen ihren immensen Laufwegen nun auch Torgefahr hinzu, bilden zusammen mit Lars Toborg ein trio infernale"), Torhüter Michael Joswig und Allrounder Pellegrino Matarazzo sind nur noch bis Juni gebunden. "Bis jetzt hat es noch kein Vorgespräch gegeben, aber das macht mich nicht nervös. Ich fühle mich in Wattenscheid wohl", erklärt Mike Terranova und blickt bereits vorsichtig über den Tellerrand: "Wenn wir drinbleiben und unser Kader zusammenbleibt, dann können wir im nächsten Jahr eine bessere Rolle einnehmen. Bei uns passt alles, alle arbeiten unheimlich, wir befinden uns in guter Verfassung." Diesen Beweis will "Terra" mit seinen Kollegen am Millerntor erneut antreten. Für ihn ein besonderes Spiel: "Gegen St. Pauli habe ich mein Zweitliga-Debüt gefeiert. Wir haben zwar 1:2 verloren, aber es war ein tolles Erlebnis, dort aufzulaufen."

Autor: tt

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