Ahlen ist in der Insolvenz, Babelsberg kämpft ums Überleben, in Unterhaching sagt der

3. Liga

Prestigeobjekt verkommt zur Pleiteliga

sid
31. Mai 2011, 13:19 Uhr

Ahlen ist in der Insolvenz, Babelsberg kämpft ums Überleben, in Unterhaching sagt der "Retter" per SMS ab. Das einstige Prestigeobjekt verkommt zur "Pleiteliga".

Einst Premiumprodukt, nun "Pleiteliga": Drei Jahre nach dem Start der 3. Fußball-Liga ist die Ernüchterung bei den Vereinen groß. Rot Weiss Ahlen ist in einem Insolvenzverfahren, der SV Babelsberg kämpft bis zum letzten Atemzug um die Lizenz, die Spvgg Unterhaching muss wieder bangen - der "Retter" hat per SMS abgesagt. Drei Beispiele, drei Klubs am Abgrund. Bis Mittwoch 15.30 Uhr haben die Vereine Zeit, ihre Unterlagen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) abzugeben.

"Es sind unsere Befürchtungen eingetreten. Ich gehe davon aus, dass es in den nächsten Jahren noch andere Mannschaften treffen wird", sagte Rolf Rombach, Präsident von Rot-Weiß Erfurt, dem Sport-Informations-Dienst (SID). Bereits vor Monaten hatte er vor dem drohenden Kollaps gewarnt: "Mit einer konservativen Finanzplanung ist die Liga nicht zu finanzieren. Man ist gezwungen, über seine wirtschaftlichen Verhältnisse zu leben."

Noch deutlicher wird Rot-Weiß Oberhausens Präsident Hajo Sommers. "Das ist definitiv eine Pleiteliga, in der man nicht länger als zwei Jahre überleben kann", sagte er dem Magazin RevierSport: "Wen interessiert denn die Liga genau? Niemanden. Nur die, die irgendwo mit den Vereinen verbunden sind."

Der Zweitliga-Absteiger hat die notwendigen Mittel zusammengekratzt, der Gefahr des Zusammenbruchs sehen sich aber viele andere Vereine gegenüber. Für Ahlen war es zu spät, die Westfalen steigen nachträglich ab. Als Nachrücker hält der sportliche Absteiger Wacker Burghausen nun die Klasse. Kurios: Schon 2009 hatte Wacker vom Rückzug des Ligarivalen Kickers Emden profitiert.

Derzeit kämpfen auch Jahn Regensburg, TuS Koblenz, die Absteiger Arminia Bielefeld und VfL Osnabrück sowie die SpVgg Unterhaching um die Lizenz. Der Ex-Bundesligist Unterhaching wähnte sich bereits gerettet, bis der erhoffte Sponsor absprang. Nach Informationen der Münchner Abendzeitung infomierte die Immobilien GmbH den klammen Drittligisten per Kurzmitteilung. 700.000 Euro muss Unterhaching bis Mittwoch auftreiben.

Der Stichtag entscheidet über die Zukunft des Prestigeobjektes, das der DFB einst als "Premiumprodukt" angekündigt hatte: Sollten noch weitere Vereine das notwendige Geld nicht zusammenbekommen, könnte es keinen einzigen sportlichen Absteiger aus der 3. Liga geben. Der sportliche Wettkampf würde ad absurdum geführt.

"Die 3. Liga ist Vollprofitum. Die Kosten für die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs sind die gleichen wie in der 2. Liga", sagte Rombach, der jedoch auch den Vereinen eine Teilschuld gibt: "Da muss man sich auch an die eigene Nase fassen. Man kann eben nicht mehr Geld ausgeben, als man einnimmt."

Beim DFB ist man sich der Entwicklung bewusst, konkrete Maßnahmen gibt es allerdings nicht. "Wir haben im April mit den Klubs dieses Thema ausführlich diskutiert. Zur kommenden Saison werden wir eine Arbeitsgemeinschaft Finanzen einberufen, damit etwaigen Problemen entgegengewirkt werden kann", sagte der für die 3. Liga zuständige DFB-Direktor Helmut Sandrock dem SID.

Als positives Beispiel führt Sandrock die Erfolgsquote der Drittligisten in den Relegationsspielen zum Aufstieg in die 2. Liga an. Bisher setzten sich immer die unterklassigen Teams durch. Doch auch dies birgt Risiken. Aufsteiger Dynamo Dresden war in den Relegationsspielen zum Siegen verdammt. Beim Scheitern hätte der achtmalige DDR-Meister 2,045 Millionen Euro aufbringen müssen.

Autor: sid

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