Eigentlich müsste sich Reinhold Klee sowohl den Festnetz-Anschluss in seinem Büro bei der SG Wattenscheid als auch das stets bereit liegende Handy ans Ohr tackern lassen.

WATTENSCHEID: "Grünes Licht" von Witeczek und Matlik

24. Juni 2005, 10:18 Uhr

Eigentlich müsste sich Reinhold Klee sowohl den Festnetz-Anschluss in seinem Büro bei der SG Wattenscheid als auch das stets bereit liegende Handy ans Ohr tackern lassen.

Eigentlich müsste sich Reinhold Klee sowohl den Festnetz-Anschluss in seinem Büro bei der SG Wattenscheid als auch das stets bereit liegende Handy ans Ohr tackern lassen. "Unglaublich, was hier seit unserem Aufstieg los ist", schüttelt der 57-Jährige den Kopf und muss schon wieder abheben: "Nein, kein Interesse, da sind wir schon zu."
Höflich, aber bestimmt wird dem Vermittler eines 18-jährigen kirgisischen Talents abgesagt. Klee: "Manche Anrufe sind schon komisch. Da wird zum Teil ein Spieler für die Abwehr angeboten. Wenn man sagt, wir suchen in einem anderen Mannschafts-Teil, heißt es: Da kann der auch spielen. Eben alles Granaten."
Gestern, Mittwoch, gab es für den Vorstand-Berater und Transfer-Strippenzieher aber auch ein schönes Gespräch. Marcel Witeczek, Ex-Star des FC Bayern München, nutzte den Kurz-Trip nach Mallorca zum Überlegen. Ergebnis: Der Routinier gibt "grünes Licht" für eine weitere Saison bei den 09ern. "Marcel könnte sicherlich auch sagen: Ich lehne mich zurück, mache gar nichts mehr. Aber er hat noch Klasse und Spaß am Fußball, kann der Mannschaft auf jeden Fall helfen. Ich freue mich, dass wir weiter mit ihm zusammen arbeiten." Der Familienvater blühte nach der Doppel-Belastung, die er in seiner Rolle als Team-Chef und Leitwolf nicht hundertprozentig mit Leben füllen konnte, förmlich auf. Klee: "Marcel ist förmlich aufgeblüht, hat die gesamte Rückserie mit angekurbelt und wirkte förmlich befreit, als er sich nur noch auf den Fußball konzentrieren musste."
Auch der souveräne Verteidiger Arthur Matlik nickte das Vertrags-Angebot des Aufsteigers ab. "Ich habe mich mit ihm in Dortmund getroffen, Arthur hat für zwei Jahre verlängert", berichtet der Wattenscheider Funktionär, "Arthur ist ein sehr zuverlässiger Spieler, der bereits Regionalliga-Erfahrung gesammelt hat."
Die will Orhan Özkaya unbedingt wieder bekommen, die Oberliga musste er mit gerümpfter Nase akzeptieren. "Orhan hat bei uns ein Jahr gebissen, hat die Ärmel aufgekrempelt und eine gute Saison abgeliefert. Ich denke, wir kommen am Montag, wenn sein Urlaub beendet ist, klar", sieht "Kessy" Klee eine positive Tendenz.
Trainer-Sohn Kai Koitka hat das neue Arbeitspapier der SG Wattenscheid bereits auf dem heimischen Schreibtisch liegen. "Er muss es mir eigentlich nur unterschrieben reinreichen", sagt Reinhold Klee, dem zudem noch die Signatur von Kapitän Markus Katriniok fehlt. Auch in diesem Fall dürfte aber bald alles über die Bühne gehen, der Verein möchte mit dem Urgestein weitermachen.
Bedarf sieht der Sport-Chef noch im Angriffs-Bereich und eventuell in der Abwehr. Nach wie vor gehandelt wird an der Lohrheide der Name Marius Sowislo, der allerdings noch ein Jahr Vertrag beim Wuppertaler SV Borussia besitzt. Da allerdings bei den Bergischen mit Policella, Tokody und Allrounder Lejan vorne reichlich frisches Blut zugeführt wurde, dürfte es für den schnellen Sowislo schwer werden, mehr Einsatzzeit an der Wupper zu erhalten. Außerdem steht die SG in Kontakt mit einem hochveranlagten Talent, das bereits über Regionalliga-Erfahrung verfügt. Klee: "Wir sind mit den Planungen schon ziemlich weit, stehen jetzt nicht so unter Druck und können ganz in Ruhe überlegen, was wir noch machen." Wichtig ist dem zweifachen Familienvater, dass der Kader zum Saison-Beginn so stark ist, um ohne große Probleme arbeiten zu können. "Sicher kann man im Winter vielleicht ein Mal nachbessern, aber normalerweise sind größere Aktivitäten meistens Panik-Käufe. Ich bin für eine gewachsene Mannschaft, die eine Perspektive besitzt, langfristig wieder ans Tor zur Zweiten Bundesliga anzuklopfen." Klee schiebt allerdings sofort nach: "Wir sind nicht so blauäugig und sagen: Mit den fünf Absteigern haben wir nichts zu tun. Das wird eine schwierige Saison in der Regionalliga, doch mit dem Teamgeist, der sich hier entwickelt hat, der momentan herrschenden Euphorie und den neuen Leuten, die unserer Ansicht nach gut passen, können wir den Klassenerhalt packen."
Der Etat für die Regionalliga-Truppe ist unter einer Million Euro angesiedelt, allerdings mussten die Kicker-Gehälter nach dem Aufstiegs-Kraftakt auch nicht gleich verdoppelt werden. Klee: "Die Aufwendungen sind im Grunde kaum höher als im Vorjahr." Beim Zuschauer-Schnitt rechnet der Ex-Uerdinger alleine schon durch die attraktiven West-Duelle gegen Essen, Oberhausen und Düsseldorf mit einem deutlichen Anstieg der Besucher-Zahl. "Wenn wir über die 2.000er-Grenze kommen, wäre das schon sehr erfreulich." Nach Möglichkeit soll freitags Abends gespielt werden, mit Flutlicht-Matches hat die SG gute Erfahrungen gemacht. Klee: "Da müssen allerdings Gegner und Spiel-Leiter Heinz-Leopold Schneider mitmachen, das wird von Fall zu Fall entschieden." Auch in der kommenden Saison läuft die SG im Dress von Ausrüster "puma" auf. Die roten Sweater, die für Farbtupfer im tristen Oberliga-Dasein sorgten, wird es allerdings nicht mehr bei Terranova & Co. geben. Klee: "Wir spielen entweder in weißen Hemden und schwarzen Hosen oder aber in anthrazit. So ähnlich wie auch schon die deutsche National-Mannschaft aufgelaufen ist."

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