Die Berliner Staatsanwaltschaft hat im Rahmen des Manipulationsskandals in Steffen Karl den ersten Spieler festgenommen. Der Chemnitzer soll im Regionalligaspiel gegen Paderborn einen Elfmeterpfiff provoziert haben.

Erste Spieler-Verhaftung im Wettskandal

11. März 2005, 19:04 Uhr

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat im Rahmen des Manipulationsskandals in Steffen Karl den ersten Spieler festgenommen. Der Chemnitzer soll im Regionalligaspiel gegen Paderborn einen Elfmeterpfiff provoziert haben.

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat im Rahmen des Wett- und Manipulationsskandals im deutschen Fußball den ersten Spieler festgenommen und damit eine neue Dimension eröffnet. Der frühere Bundesligaprofi Steffen Karl vom Drittligisten Chemnitzer FC wurde am Freitag mit Haftbefehl des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten festgenommen. Gegen den 35-Jährigen besteht der dringende Tatverdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs, der versuchten Verbrechensabrede sowie der versuchten Nötigung.

Absichtliches Foul im eigenen Strafraum

Nach Angaben des Gerichts soll Karl am 22. Mai 2004 im Zusammenwirken mit dem Mitbeschuldigten Kroaten Ante S. in dem Regionalligaspiel SC Paderborn gegen den Chemnitzer FC (4:0) den Auftrag gehabt haben, durch gezieltes Foulspiel im eigenen Strafraum dem damals leitenden Schiedsrichter Robert Hoyzer die Gelegenheit zu verschaffen, die Partie zu Gunsten des SC Paderborn zu beeinflussen. So sollte ein Ergebnis erzielt werden, auf das Ante S. einen hohen Geldbetrag gewettet hatte.

"Wir sind davon überzeugt, dass Herr Karl schon am Montagnachmittag aus der Haft entlassen wird", sagte Karls Kölner Anwalt Andreas Bartholome dem Sport-Informations-Dienst (sid). Bartholome stützt seine Vermutung auf ein Telefongespräch, dass er mit Karl am Freitag führte sowie "eine Andeutung der Staatsanwaltschaft". Karl hat bislang geschwiegen, weil sein Anwalt bisher nicht volle Akteneinsicht erhalten hatte. Erst am Montag darf Bartholome die Protokolle zu den Vernehmungen von Ante S. und dem früheren Cottbuser Torhüter Georg Koch einsehen.

Karl soll Koch ebenfalls im Mai 2004 vor dem 3:0-Sieg von Energie Cottbus über Jahn Regensburg am letzten Zweitliga-Spieltag der Vorsaison dem Torhüter 20.000 Euro angeboten haben, damit dieser durch einen absichtlichen Fehler das Spiel zugunsten von Regensburg gestaltet. Als Koch, der das Angebot ablehnte, den Vorfall Ende Januar dem Deutschen Fussball-Bund (DFB) meldete, soll Karl eine bislang unbekannte Person veranlasst haben, ihn einzuschüchtern. Per Telefon sei Koch mit den Worten, andernfalls werde ihm "etwas passieren", zum Schweigen aufgefordert worden.

Karl von Chemnitz beurlaubt

Sein Klub reagierte am Freitag umgehend und beurlaubte Karl mit sofortiger Wirkung und entband ihn von seinen Arbeitnehmerpflichten als Vertragsamateur. "Weitere Maßnahmen behält sich der Verein nach eingehender Prüfung des Vorganges vor. Diese können bis zur außerordentlichen Kündigung des Anstellungsvertrages reichen", hieß es in einer Presseerklärung.

Autor:

Kommentieren