Friedhelm Runge, vielbeschäftigter Boss des Wuppertaler SV, ließ es sich nicht nehmen, seine Mannschaft im norddeutschen Trainingslager für einen Tag zu besuchen.

WUPPERTAL: "Kasper ist und bleibt Coach"

13. Juli 2004, 10:54 Uhr

Friedhelm Runge, vielbeschäftigter Boss des Wuppertaler SV, ließ es sich nicht nehmen, seine Mannschaft im norddeutschen Trainingslager für einen Tag zu besuchen.

Friedhelm Runge, vielbeschäftigter Boss des Wuppertaler SV, ließ es sich nicht nehmen, seine Mannschaft im norddeutschen Trainingslager für einen Tag zu besuchen. Gestern, Mittwoch, machte sich der Unternehmer (emka-Beschlagteile) wieder auf den Weg ins Bergische. RevierSport unterhielt sich mit dem WSV-Präsidenten über die aktuelle Situation.

Friedhelm Runge, wer ist Trainer beim Wuppertaler SV?
Werner Kasper hat die volle Verantwortung. Er hat die Mannschaft vor der Abreise ins Trainingslager übernommen, weil Georg Kreß wegen seiner Krankmeldung nicht zur Verfügung stand.
Haben Sie ihn in den letzten Tagen kontaktieren können?
Nein, er ist nicht erreichbar gewesen. Ich rufe jetzt auch nicht mehr bei ihm an.
Die Fans stehen wie ein Fels hinter Georg Kreß, Unmut macht sich breit, weil man meint, er würde vom WSV ungerecht behandelt.
Die Fans müssen erkennen, dass nicht der Verein Fehler gemacht hat, sondern der Trainer. Die ganze Situation tut mir persönlich sehr leid, weil ich nicht vergessen habe, dass die Medien bei der Verpflichtung von Georg Kreß skeptisch reagierten. Als sich der Erfolg einstellte, nahm die Skepsis immer mehr ab.
Trainer und Chefetage galten lange Zeit als harmonisierende Einheit. Irgendwann muss es zum Riss gekommen sein.
Wir sind zwei Mal aneinandergerasselt. Zum einen bei der Verpflichtung von Artur Matlik, als Georg Kreß meinte, es würde sich um einen Top-Mann handeln. Ich habe gesagt: Wenn das so ist, holen wir ihn. Matlik hat anschließend kaum gespielt.
Und der zweite Fall, in dem es Unstimmigkeiten gab?
Ich war gegen den Weggang von Sascha Walbröhl. Der Trainer meinte, Walbröhl würde Unordnung in die Mannschaft bringen.
Der Mann war mit elf Vorlagen nicht unerheblich am Höhenflug in der Hinrunde beteiligt, oder?
Ich sehe das, was auf dem Platz passiert. Da gehört Walbröhl hin. Trotzdem habe ich zugestimmt, dass wir Sascha zu Borussia Wuppertal abgeben.
Gab es weitere Reibungspunkte?
Nein, sonst sind wir in keinster Weise aneinandergerasselt.
Haben Sie als Präsident Einfluss auf die Aufstellung genommen?
Nein, ich habe nicht ein Mal Druck ausgeübt, was die Nominierung von Spielern anbelangt.
Zuletzt hielten sich hartnäckig Gerüchte, wonach Sie bereits andere Trainer kontaktiert haben sollen.
Es hat von mir keinen Kontakt zu anderen Trainern gegeben.
Besteht für Georg Kreß eine Möglichkeit, seine Tätigkeit beim WSV noch ein Mal fortzuführen?
Wenn sich jemand in der heißen Aufstiegsphase, wo er Verein und Mannschaft in Sachen Unterstützung voll fordert, anderweitig orientiert, dann ist er für uns falsch.
Sie sprechen auf die Kreß-Kontakte zum VfL Osnabrück an.
Das sehe ich als Vertrauensbruch, den man nicht mehr kitten kann.
Angeblich will Georg Kreß nichts davon gewusst haben, dass er über eine dritte Person, nämlich Berater und Ex-BVB-Profi Günter Kutowski, an der Bremer Brücke ins Gespräch gebracht wurde.
Dass Georg Kreß davon nichts wusste, wäre absolut unüblich. Ein Manager oder Berater, der das Interesse eines Auftraggebers vertritt, macht nichts ohne Hintergrund. Schließlich will er für eventuelle Abschlüsse entsprechend bezahlt werden. Ausschlaggebend ist für mich das Kutowski-Zitat, der eindeutig erklärte, er habe mit Osnabrück über Georg Kreß gesprochen.
Auch in den nächsten Tagen wird weiter heftige Kritik auf den WSV einprasseln, das Image leidet nach einer insgesamt guten Saison. Hätte man diesen Zoff nicht vermeiden können?
Um Probleme zu lösen, benötigt man keine Öffentlichkeit und keine Juristen. Die Chance zum Diskutieren und Offenlegen war da. Nachdem Georg Kreß seinen Urlaub unterbrochen hatte und nach Wuppertal kam, wollten wir uns ein paar Tage später erneut zusammensetzen. Zu diesem Treffen ist es aber nie gekommen, stattdessen wurde ich in Südafrika von der Krankmeldung des Trainers unterrichtet. Ich habe weder eine Vermutung noch eine Philosophie darüber, warum Georg Kreß so reagiert hat. Ich kann mir keinen Reim darauf machen.
Blicken Sie trotz des Theaters der letzten Wochen optimistisch Richtung neue Saison?
Ich denke schon, dass wir noch ein Mal so eine Serie abliefern können wie uns das zuletzt im Aufstiegsjahr gelungen ist, sage aber nicht zu den Spielern: Ihr müsst unbedingt hoch.
Thema Andrzej Kobylanski: Würden Sie die Verpflichtung des 33-Jährigen begrüßen?
Was ich über ihn gelesen habe, war positiv. Er hat in Polens erster Liga alle Spiele mitgemacht, war Dritter der Scorerliste. In Polen geht es richtig zur Sache, das ist dort kein einfacher Fußball. Wenn sich ein Spieler da durchsetzt, dann ist das beachtlich. Werner Kasper kennt Andrzej noch aus seiner Zeit bei Hannover 96, charakterlich gilt er als einwandfreier Spieler.
Wäre der Ex-Cottbuser finanziell stemmbar?
Das ist die Frage. Wir haben ein gewisses Limit, das wir bei Verhandlungen nicht überschreiten. Das gilt auch für Kobylanski. Was das Niveau angeht, besitzt Andrej Bundesliga-Qualität.
Wie konkret ist die Verpflichtung vom türkischen Profi Onuk Ekrem, der zuletzt bei Yozgatspor spielte?
Er ist uns empfohlen worden und kam ins Trainingslager nach sechsstündiger Autofahrt etwas zu spät. Dafür hat er beim Turnierspiel gegen Wilhelmshaven eine mehr als ansprechende Leistung gezeigt. Ob wir ihn holen, muss der Trainer entscheiden.
Interview: Thomas Tartemann

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