In einem Interview mit der polnischen Sportfachzeitung

BVB: Piszczek

"Ich bin kein Verbrecher"

Krystian Wozniak
15. April 2011, 16:41 Uhr

In einem Interview mit der polnischen Sportfachzeitung "Przeglad Sportowy" packt BVBs Lukasz Piszczek in der Korruptionsaffäre des polnischen Fußballs aus.

"Bitte lesen sie ganz genau: Ich bin kein Lukasz P., sondern nur Lukasz Piszczek! Ich bin auch kein Verbrecher, dass man mich unerkenntlich in den Medien zeigen muss. Gegen mich steht eine Beschuldigung im Raum und nun werde ich als das Übel des polnischen Fußballs dargestellt. Es ist hart, aber ich muss lernen damit zu leben", wird der Profi von Borussia Dortmund im "Przeglad Sportowy" deutlich.

Das Disziplinarkomitee des polnischen Fußballverbandes PZPN um seinen Disziplinarchef Wojciech Petkowicz sagt offen, dass es bei einer Verurteilung von Piszczek einen Nationalmannschafts-Ausschluss für den 25-Jährigen geben muss. Piszczek: "Dieser Mann muss nichts beschließen. Ich denke selbst über meine Zukunft in der Nationalmannschaft nach. Ich will niemandem schaden. Um die polnische Nationalmannschaft herum muss wieder Ruhe einkehren. Es kann sein, dass ich in der kommenden Woche eine Entscheidung bekannt geben werde."[infobox-right]
Vorfall in der Saison 2005/2006
Es geht um einen Vorfall, der sich am letzten Spieltag der Saison 2005/2006 ereignete. Damals spielte Piszczek als Leihgabe bei Zaglebie Lubin. Der Klub benötigte für die UEFA-Cup-Qualifikation noch einen Punkt. Nach Kicker-Recherchen soll die Mannschaftsführung beschlossen haben, das Spiel für umgerechnet rund 25.000 Euro zu kaufen. Die Begegnung endete 0:0. Piszczek gehörte nicht zum Kader, soll aber im Zuge der Manipulation auch Geld bezahlt haben. Ältere Spieler sollen Zeugenaussagen zufolge in der Sache Druck auf die jüngeren ausgeübt haben.
Spielmanipulationen wurden in Polen im großen Stil durchgeführt. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Breslau, bei der sich auch Piszczek selbst angezeigt hat, ermittelt derzeit gegen gut 400 Spieler, Trainer, Funktionäre und Schiedsrichter. Piszczek soll auch seinen damaligen Trainer Franciszek Smuda, der heute Nationalcoach ist, über sein Fehlverhalten informiert haben.
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Auf die Frage, was Piszczek denn erwartet hätte, als die Informationen über die Korruptionsaffäre ans Tageslicht kamen, antwortet der Dortmunder Rechtsverteidiger: "Ich bin mir im Klaren, dass ich unter den beschuldigten Spielern der am meisten im Rampenlicht stehende bin. Doch ich wusste nicht, dass ich zum Staatsfeind Nummer eins im polnischen Fußball werde. Ich habe mich selbst angezeigt und eine Strafe erhalten. Ich habe gedacht, dass das alles wäre." Piszczek weiter: "Ich habe nicht darauf gezählt, dass plötzlich alles ruhig wird. Ich wusste, dass es um meine Person herum in den Medien laut sein würde. Doch ich konnte nicht ahnen, dass ich zum Gesicht der Korruption im Fußball werde."

Piszczek hat bereits eine finanzielle Strafe in der Angelegenheit erhalten und erklärt, warum er die höchste Strafe der an der Korruption beteiligten Akteure auferlegt bekommen hat. "Ich habe irgendwo gelesen, dass ich die höchste Strafe (in Polen wird von umgerechnet 25.000 Euro spekuliert, Anm. d. Red.) unter den beteiligten Personen aufgebrummt bekommen habe, weil meine Schuld größer war als die der anderen. Das ist großer Mist! Das Gericht nimmt für die Strafe den aktuellen Verdienst in Betracht. Ich spiele in der Bundesliga, im Vergleich zu den anderen verdiene ich nicht schlecht, deshalb habe ich die höchste Geldstrafe erhalten. Ich bitte um etwas Verständnis. Ich sage nicht, dass ich keine Schuld trage. Ich weiß, was ich gemacht habe und muss die Konsequenzen tragen. Ich habe im Leben einen Fehler gemacht."

"Vielleicht hatte ich nicht genug Mut!"

Warum Pisczczek damals nicht zur Polizei oder der Staatsanwaltschaft gegangen ist und alles erzählt hat, weiß er selbst nicht genau. "Das ist eine schwere Frage. Vielleicht hatte ich nicht genug Mut - wegen der älteren Spieler." Um welche es sich hier handelt darf Piszczek nicht verraten. "Das ist ein Geheimnis der Staatsanwaltschaft. Ich denke, dass früher oder später die Menschen erfahren werden, wer hinter der ganzen Sache stand. Ich war nicht der Drahtzieher, auch wenn dies keine Ausrede ist. Die erfahrenen Spieler wussten, wen sie ansprechen müssen. In der Mannschaft hatten wir viele ausländische Spieler, da war es klar, dass diese nicht angesprochen würden. So waren wir jungen Spieler natürlich im Visier. Wir hatten in der Mannschaft nicht viel zu sagen."

"Jeder wusste, dass ich bei Zaglebie 7000 Zlotych verdient habe"

Piszczek erklärt, dass ihm keine andere Möglichkeit blieb als bei der Korruption mitzumachen. "Wenn ich mich geweigert hätte, dann wäre ich in der Mannschaft unten durch gewesen. Die älteren Spieler hatten einen ungeheuerlichen Einfluss im Team." Piszczek geht im Interview mit dem "Prezglad Sportowy" ins Detail und erläutert, wie er sich an der Korruption beteiligte. "Jeder wusste, dass ich bei Zaglebie 7000 Zlotych (circa 1750 Euro, Anm. d. Red.) verdient habe. Sie haben mir gesagt, bring so viel Geld mit, wie du kannst. Ich hatte auf dem Konto Geld zurückgelegt. Sie haben so viel bekommen, wie sie wollten."

Das alles spielte sich im größten Korruptionssumpf des polnischen Fußballs ab (2006). Doch Piszczek machte trotzdem bei diesem Skandal mit. Piszczek: "Damals habe ich nicht daran gedacht. Ich habe doch nicht mal in dieser Partie mitgespielt. Ich musste aufgrund einer Gelbsperre pausieren. Das Geld musste gebracht werden, das habe ich gemacht. Niemand hat mir gesagt, wem das Geld übergeben wird. Ich wusste nur so viel, dass die "Alten" es für das Cracovia-Match benötigen. Ich wusste aber nicht, wie viel, für wen und wie...Ich habe nicht gefragt. Jetzt muss ich die Konsequenzen tragen."

Autor: Krystian Wozniak

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