Zwei Spiele vor Saisonschluss sind die Höhenflieger aus Wuppertal auf dem Boden der harten Tatsachen angelangt.

WUPPERTALER SV - Kreß will kluge Personal-Politik

tt
29. Mai 2004, 21:07 Uhr

Zwei Spiele vor Saisonschluss sind die Höhenflieger aus Wuppertal auf dem Boden der harten Tatsachen angelangt.

Zwei Spiele vor Saisonschluss sind die Höhenflieger aus Wuppertal auf dem Boden der harten Tatsachen angelangt. Statt im Zuge der Euphorie Aufstiegs-Vorbereitungen zu treffen, muss der WSV seine beiden Aufgaben gegen die Werder-Amateure und in Neumünster ordentlich über die Bühne bringen.

Gejubelt wird woanders. Nämlich in Essen und mit großer Wahrscheinlichkeit in Dresden. "Natürlich bin ich enttäuscht, dass der große Wurf nicht gelungen ist", räumt Trainer Georg Kreß, der trotz des 0:4 bei den Amateuren des 1. FC Köln begeistert gefeiert wurde ("Das war mir schon fast peinlich"), ein.

Der Fußball-Lehrer hat sich mit der Realtität abgefunden. "Manche Sachen muss man im Leben akzeptieren, der verpasste Aufstieg gehört dazu. Ich lasse den Kopf trotz allem nicht hängen, damit würde ich als schlechtes Beispiel voran gehen." Der einstige Dortmunder formuliert deutlich: "Es muss sich durchsetzen, dass wir eine gute Saison gespielt und begeisternde Begegnungen abgeliefert haben. Wir dürfen uns nicht alles schlecht machen lassen, nur weil zum Ende ein Tick gefehlt hat."

Die Chancen, dass der Wuppertaler SV doch noch zurück in die Verlosung kommt, sind verschwindend gering. Drei Punkte und 13 Tore Rückstand muten in zwei Partien schier uneinholbar an, zumal Dynamo Dresden jetzt zuhause mit Absteiger Neumünster Kleinholz machen wird. Die letzte Partie bei den zahlosen Uerdingern wird ohnehin zur sächsischen Kultfahrt, 12.500 Fans haben sich aus der Elb-Metropole angekündigt. "Dynamo ist ruhig geblieben, auch als es bei denen nicht so gut lief und es viel Verletzungspech gab. Jovanovic, Neubert, Ziebig, Fröhlich und Heidrich haben für Qualität gebürgt", analysiert Georg Kreß die Vorzüge der Dynamos. Dass RWE mit einem 7:0 über Schalkes U23 alles klar machte, verwunderte den Familienvater nicht: "Vor der Saison hatte ich Essen und Dresen neben Paderborn zu meinem Favoriten erklärt, mit der Einschätzung lag ich keineswegs falsch. RWE hat sich nach der Winterpause als unaufhaltsamer Express präsentiert, der Aufstieg ist absolut verdient."

Die Bergischen hatten in der heißen Meisterschaftsphase gleich zwei Mal den Nachteil, zu "englischen Wochen" gebeten zu werden. Nach dem Dienstags-Sieg bei den Amateuren des HSV (1:0) folgte ein 2:5-Abschuss an der Essener Hafenstraße. Der Vorsprung schmolz. Das abgesagte Match bei den Amateuren von Borussia Dortmund schlug - RS berichtete ausführlich - hohe Empörungswellen. Bei der Neuansetzung siegte der WSV 2:1, musste aber erneut einen hohen Preis zahlen. Drei Tage später folgte ein 0:4 bei der Kölner U23. "Meine Jungs waren stehend K.O.", blickt Kreß zurück, "wir haben kein Bein auf die Erde bekommen. Letztlich muss man klar feststellen, dass es uns nicht gelungen ist, diese Belastung von der Kraft her aufzufangen. Im Endspurt drei Spiele in einer Woche auszutragen, war mit Sicherheit ein Nachteil."

Die Konzentration muss bei den Zoo-Städtern jetzt auf die neue Spielzeit gelenkt werden, Georg Kreß hat der administrativen Ebene seine Vorstellungen dargelegt. Jetzt fehlt nur noch "Grünes Licht" von Boss Friedhelm Runge, um die vom Trainer angestrebte "kluge Personelpolitik" mit Fakten zu füllen. Kreß: "Wir haben eine Menge Kandidaten im Auge, höherklassige Leute sind natürlich immer eine Kostenfrage. Wir sehen uns mehr in der Regionalliga um." Und im Talente-Becken Oberliga, wo der Name Marius Sowislo (Hordel) buchstabiert wird. Ein Ferhat Cerci (SV Lippstadt 08, zur neuen Saison bei Arminia Bielefelds Amateuren) stand ebenfalls auf dem Kreß'schen Beobachtungszettel, wurde aber nicht für überragend befunden. "Im Sturm-Bereich", betont der Fußball-Lehrer, "sind wir ohnehin ganz dick besetzt."

Autor: tt

Kommentieren