Transfer-Hektik kurz vor Toreschluss!

WAT: Paderborn lockte Löbe mit "Renten-Vertrag"

tt
04. Februar 2004, 12:44 Uhr

Transfer-Hektik kurz vor Toreschluss! "Bei uns ging es zu wie im Taubenschlag", fasste Co-Trainer Peter Kunkel den Zustand zwischen Telefon-Dauerbelegung und Papierkram zusammen.

Transfer-Hektik kurz vor Toreschluss! "Bei uns ging es zu wie im Taubenschlag", fasste Co-Trainer Peter Kunkel den Zustand zwischen Telefon-Dauerbelegung und Papierkram zusammen. Der von Stürmer Danny Thönes angestrebte Wechsel zum Liga-Rivalen KFC Uerdingen wurde nach der Negativ-Entwicklung mit Schalke abgeschmettert. Thönes kletterte mit an Bord der Maschine, die Wattenscheids Tross mit zäher Zwischenlandung in München nach Faro brachte.

Das Ticket ins Trainingslager ergatterte auch Neuzugang Michael Joswig, der grünes Freigabe-Licht vom SC Paderborn 07 bekam und einen Kontrakt über eineinhalb Jahre signierte. "Er ist gewissermaßen vom Baum gefallen", umschrieb Wattenscheids Präsident Dr. Rüdiger Knaup das Winter-Schnäppchen.
Die SG wurde auf der Torwart-Position tätig, um nichts dem Zufall zu überlassen. "Wenn Christoph Jacob wieder fit ist, konkurrieren bei uns im Torhüter-Bereich drei Mann. Bei uns gibt es die Maßgabe, dass der Beste spielen soll, es herrscht also ein gesunder Kampf zwischen Joswig, Schubert und Jacob", umschreibt Dr. Knaup die Ausgangslage.

Joswig zeigte sich happy darüber, dass alle Regularien rechtzeitig geklärt werden konnten. "Für mich bedeutet die Station Wattenscheid eine neue Herausforderung, neues Kribbeln und auch neue Motivation. In Paderborn stimmte die Perspektive nicht mehr, dann macht es einfach keinen Spaß."
Joswig kommt zwar mit der Erfahrung von fast 300 Drittliga-Begegnungen, wird aber seinen Platz zwischen den Pfosten nicht mit Pauken und Trompeten einfordern: "Henning Schubert hat für Wattenscheid in der Hinrunde gespielt. Deswegen komme ich nicht mit der Selbstsicherheit zur SG, hier sofort die Nummer eins zu werden. Erst muss die Leistung stimmen, dann kann man Forderungen stellen." Der 28-Jährige freut sich auf das Trainingslager in Portugal. "Zum einen kann ich hier meine neuen Mitspieler kennen lernen, zum anderen finden wir bessere Bedingungen als in Deutschland vor. Wenn man sich das Wetter Mal anguckt..."

Kurz vor Ende der Wechsel-Periode verabschiedete sich der US-Boy Adam Maurer, der sein persönliches Waterloo beim 2:4 in Essen erlebte (zwei Fehler, vorzeitige Auswechselung). Zunächst bestand Kontakt zum VfB Oldenburg, dann aber zog Maurer doch noch die Option SC Verl aus dem Ärmel. "Es war ein gemeinsamer Irrtum, den haben wir jetzt geklärt", sagt der Wattenscheider Präsident. Für Maurer könnte in der Restrunde der talentierte Pascal Herzog nachrücken. Der 18-Jährige flog mit nach Portugal und soll behutsam herangeführt werden. Herzog gilt als Rohdiamant und soll auch schon bei einem Bundesligisten vorgemerkt sein. "Er befindet sich bei Steilmann in der Ausbildung. Ich habe Pascal gesagt, dass er die zwei Berufsschul-Tage, die für ihn ausfallen, in einer portugiesischen Schule nachholen muss", schmunzelt Dr. Rüdiger Knaup.

Weniger zum Lachen war dagegen Alexander Löbe zu Mute. Der 13-fache Saison-Torschütze konnte von seinen Abwanderungs-Gedanken kuriert werden, da im Rahmen der erhofften Schalke-Kooperation neue, bessere Perspektiven für den Brecher eröffnet wurden. Nach dem geplatzten Deal rief Löbe mitten in der Wattenscheider Aufsichtsrats-Sitzung an, wurde in den Abendstunden vom Präsidenten zum Italiener bestellt. "Zum Gesprächs-Auftakt habe ich ihm gleich ein Getränk über die Hose gekippt", schoss Dr. Knaup symbolisch den Vogel ab und gibt zu: "Ihm gegenüber fühle ich mich richtig Scheiße. Schließlich wäre die Schalke-Geschichte für Alex eine Riesen-Perspektive gewesen."

Bis zur letzten Sekunden blieb der SC Paderborn am Löbe-Thema dran. Nach RS-Informationen lockten die Ostwestfalen mit einem dreieinhalb-Jahres-Renten-Vertrag. Der 31-Jährige hätte zudem ein für Regionalliga-Verhältnisse fürstliches Salär einstreichen können. "Wie hätte ich es begründen sollen, in unserer Situation den besten Torjäger gehen zu lassen", zuckt Dr. Knaup mit den Schultern, "auf uns warten 15 Spiele, in denen wir Alex dringend benötigen." Vor dem Abflug nach Portugal kaute der Wattenscheider Club-Boss die aktuelle Lage mit dem Mannschafts-Rat durch, informierte über die Löbe-Situation. Die eigentliche Zusage für den Blondschopf, im Falle eines Angebots wechseln zu dürfen, bestätigte der Präsident bedingt: "Stimmt, eigentlich haben wir Alex Löbe zugesichert, ihm keine Steine in den Weg zu legen. Das galt aber für einen höherklassigen Verein, nicht für einen Liga-Konkurrenten." Da der Vertrag des Ex-Duisburgers im Sommer ausläuft, ist wohl kaum damit zu rechnen, dass er gehalten werden kann. Dr. Knaup: "Im Moment müssen wir davon ausgehen, dass Alex Löbe im Sommer weg ist."

Autor: tt

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